(um 1130 bis 1190) Ein mittelalterlicher Geschichtsschreiber, der zwischen 1169 und 1173 ein umfangreiches Werk über die Geschichte der Kreuzfahrer im Heiligen Land verfaßte.
Vermutlich war Wilhelm von Tyrus der Sohn einer französischen Adelsfamilie, selbst aber schon in Palästina geboren. Er studierte in Europa und kehrte 1167 als Erzdiakon der Kirche von Tyrus zurück. 1170 wurde er Lehrer des angehenden Königs Balduin IV., nach dessen Thronbesteigung unter dem 1174 Kanzler des Königreiches Jerusalem und 1175 Erzbischof von Tyrus. Mehrere Reisen führten den hochgebildeten Wilhelm er beherrschte außer Französisch auch Griechisch, Latein und Arabisch, nach Europa, wo er sich um die Anwerbung frischer Truppen verdient machte. Wilhelm von Tyrus verfaßte eine Geschichte des Kreuzfahrereiches (23 Bände, entstanden zwischen 1169 und 1173), daneben einen Bericht zum Lateranischen Konzil von 1179 und eine, leider nur fragmentarisch erhaltene (bei Jakob von Virty), Geschichte der östlichen Könige. (GRABOIS, 617f.)
Aus der Feder Wilhelms von Tyrus stammt, als Teil seiner Kreuzfahrergeschichte, der erste Bericht über die Templer. Er selbst dürfte seine Kenntnisse aus zweiter oder gar dritter Quelle haben und seine Jahreszahlenangaben seien teils wirr, teils falsch; dennoch beruhen alle späteren Berichte über die Tempelritter auf ihm. (LINCOLN, BAIGENT, LEIGH, 53f.)