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Necronomicon

Ein im Werk des US-amerikanischen Dichters Howard Phillips Lovecraft (geb. 20. August 1890 in Providence, Rhode Island, gest. 15. März 1937) immer mal wieder genanntes, angeblich von dem arabischen Schriftsteller Abdul Alhazred verfaßtes Buch, das im arabischen Original Al Azif, in seiner griechischen Übersetzung Necronomicon genannt wird. Zur Bedeutung des Titels Necronomicon äußerte Lovecraft, er komme von necros, „Toter”, „Leichnam”, nomos, „Gesetz” und eikon, „Bild”, also etwa „Bild vom Gesetz der Toten”. Diese Deutung sei ihm im Traum erschienen. Eine ebenso geläufige wie freie deutschsprachige Bezeichnung des Necronomicons ist „Buch der toten Namen”.

Howard Phillips Lovecraft verfaßte selbst einen knappen Text über dieses ominöse Buch, die „Geschichte und Chronologie des Necronomicons”.

Demnach soll Abdul Alhazred ein verrückter Dichter aus Sanaa im Jemen gewesen sein und zur Zeit der Omaijaden-Kalifen (um 700 n. Chr.) gewirkt haben, die Ruinen von Babylon und die unterirdischen Geheimnisse von Memphis aufgesucht haben, Irem, die Stadt der Säulen gesehen und in einer Stadt ohne Namen die Geheimnisse einer unbekannten Rasse entdeckt haben. Zehn Kahre lang habe er sich als Einsiedler in der südarabischen Wüste aufgehalten, jenem Leeren Raum, der nach Vorstellung der Araber von bösen Geistern und Ungeheuern bewohnt war. Gegen Ende seines Lebens sei Abdul Alhazred nach Damaskus verzogen und habe dort das Necronomicon verfaßt. Das Todejahr des Dichters soll 738 gewesen sein. Wie sein Biograph Ebn Challikan behaupte, sei Abdul Alhazred am hellichten Tag und vor zahlreichen Zeugen von einem unsichtbaren Ungeheuer verschlungen worden.

Das Necronomicon, als sein Originaltitel wird Al Azif angegeben, wobei mit Azif ein von Insekten hervorgerufenes, aber Dämonen zugeschriebenes nächtliches Geräusch gemeint sei, habe sich unter den Philosophen jener Zeit, wenn auch heimlich, einiger Beliebtheit erfreut. Im Jahre 950 übersetzte es Theodorus Philetas in Konstantinopel ins Griechische. „Ein Jahrhundert lang regte es gewisse Schwarzkünstler zu entsetzlichen Versuchen an, bis es von Kirchenvater Michael unterdrückt und verbrannt wurde.” 1228 soll Olas Wormius das Buch ins Lateinische übersetzt haben, der Text einmal im fünfzehnten Jahrhundert in Deutschland und dann im siebzehnten Jahrhundert in Spanien gedruckt worden sein. Schon 1232 habe Papst Gregor IX. das Werk auf den Index verbotener Bücher gesetzt (tatsächlich entstand dieser Index erst 1559).

Die arabische und die griechische Ausgabe des Necronomicon sollen verlorengegangen sein, angeblich soll Dr. Dee das ursprüngliche Manuskript besessen und übersetzt haben kann. Diese Übersetzung sei ungedruckt geblieben und nur in Bruchstücken erhalten. Die erhaltenen lateinischen Ausgaben befänden sich im British Museum und in der Bibliothèque Nationale in Paris, weitere in der Widener Bibliothek in Havard, in der Bibliothek der Miskatonic Universität in Arkham sowie in der Bibliothek der Universität von Buenos Aires. Weitere Exemplare werden in Privatbesitz vermutet.

Das Buch wird — so H. P. Lovecraft — „von den Behörden der meisten Staaten unbarmherzig unterdrückt, ebenso von allen organisierten Religionsgemeinschaften. Seine Lektüre führt zu entsetzlichen Folgen.”
Den Schriftseller Robert W. Chambers sollen die Gerüchte um dieses Buch zu seinem Roman The King in Yellow inspiriert haben.

nach: Howard Phillips Lovecraft, Geschichte und Chronologie des Necronomicons. In: Azathoth, 298f., Suhrkamp, Frankfurt am Main, ISBN 351838127X (Link zu 351838127X, dort weitere Informationen)

Das „Necronomicon” ist eine Erfindung Lovecrafts und hat ebensowenig existiert wie sein angeblicher Autor Abdul Alhazred. Die Beliebtheit Lovecrafts bei Freunden okkulter Literatur und in jüngerer Zeit bei Rollenspielern sorgte aber für eine Reihe von auf Lovecrafts Ideen beruhenden Neuschöpfungen und für lebhafte Diskussionen, ob es nicht tatsächlich ein solches Buch gegeben haben könnte (es heißt manchmal, es stamme noch von den Sumerern her) und noch unentdeckt in heimlichen Archiven schlummere — wie immer in solchen Fällen gehört auch hier das Archiv des Vatikan zum Kreis der üblichen Verdächtigen.