Der dreimal Größte Hermes, der Name kommt aus der synkretistischen Geisteswelt des hellenistischen Alexandrien und bezeichnet den ägyptischen Gott der Weisheit Thoth (Tehuti), dem zahllose Schriften über Medizin, Metallurgie, Alchemie usw. zugeschrieben sind, die allerdings allenfalls bruchstückhaft erhalten sind (BIEDERMANN, 202).
Der griechische Gott Hermes galt als Bote der olympischen Götter und Erfinder vieler Gesetze, der Buchstaben, auch der List und des Trugs.
Vielleicht sind daher die dem Hermes Trismegistos zugeschrieben Weisheiten darum verklausuliert-verschlüsselt dargeboten. Die sich auf ihn berufenden Wissenschaften und nicht allgemein verständlichen Texte werden nach ihm hermetisch (abgeschlossen) genannt.
Hermes Trismegistos gilt somit als Ahnherr der Magie, Astrologie, der Alchimie und anderer Künste, die er entwickelt haben soll und die im Grenzbereich zwischen Mystik und Naturwissenschaft angesiedelt sind. Er gilt auch als Heiland der Gnosis (Erkenntnis).
PLATON rühmte ihn als Erfinder von Maß, Zahl und Schrift. PLINIUS meinte, den Namen Trismegistos trage er, weil er kenner der drei Teile der antiken Magie war, Religion, Medizin und Astrologie. (GRAF, 36)
Er galt auch (neben weiteren Überlieferungen) als Sohn des Adam oder als Enkel des Abraham.
Andere Meinungen sehen einen historischeren Hermes Trismegistos, der ein Priester namens Hermon gewesen sein soll, der um 100 n. Chr. in Alexandrien lebte. Diese Angabe sei aber unbelegt. (BIEDERMANN, 202)
Den Alchemisten des Abendlandes war Hermes Trismegistos Autor der Tabula Smaragdina sowie des Corpus Hermeticum, deren Bruchstücke überwiegend auf arabische Überlieferung beruhen.
Außer den Freunden der Alchemie suchten auch die Neuplatoniker in diesen Texten Rat. (BIEDERMANN, 202)
Diesen Texten - deren ägyptische Tradition mit der dort gepflegten Wissensnsvermittlung an Priesterschulen erklärbar wäre - ist neben der religiös inspirierten Herkunft ihre enge Verknüpfung an die Astrologie eigen (ebd).
Hermes Trismegistos soll — nach dem MANETHO (3. Jh. v.) — 36.525 Bücher geschrieben haben. Nach ebensoviel Jahren (25 Sirius-Perioden) soll nach altägyptischer Auffassung eine völlige Erneuerung der Welt stattfinden; zudem enthalten 100 Jahre 36.525 Tage (GEBELEIN, 112).
ELIPHAS LÉVI, der eine enge Verwandtschaft von Magie und Christentum sah, meinte: Das Dogma des Hermes findet sich nahezu vollständig in den dem Aeropagiten Dionyios [sic] zugeschriebenen Schriften. (Transzendentale Magie, 62)