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Pythagoras

Ein griechischer Philosoph und Schüler des Thales, der im 6. Jh. v. lebte. Seine Heimat, die Insel Samos, mußte er um 532 v. wegen eines Konflikts mit dem Tyrannen Polykrates verlassen und er ging über Umwege (Ägypten, Babylon) nach Kroton in Süditalien, wo er eine Gemeinschaft von Männern und Frauen gründete, die sich vegetarisch ernährten und verschiedene Reinigungsrituale, die Stille, Gewissensprüfung und die Beachtung von Tabus übten.

Doch trieben innere Konflikte Pythagoras aus Kroton fort und er ging nach Metapontion, wo er um 496 v. gestorben sein soll. Die von Pythagoras, der selbst Anhänger des Apollo war, begründete religiöse Gruppierung bestand auch nach Fortgang ihres Meisters bestehen. Sie glaubten an die Seelenwanderung, wobei jede Seele immer wieder als Mensch, Tier oder Pflanze wiedergeboren werde. Aus dem Kreislauf dieser Reinkarnationen hofften sich die Anhänger des Pythagoras zu befreien. Die Anhänger des Pythagoras betrieben auch die die Zahlenstudien weiter. Den Pythagoreern wird der Verdienst zugeschrieben, als erste eine Kugelgestalt der Erde angenommen zu haben. Im fünften Jahrhundert v. wurden sie aus Kroton vertrieben. Viele gingen nach Tarent, wo Platon die Lehren durch den Pythagoreer Archytas kennenlernte und vielfache Anregung daraus bezog. (nach Yonah u. Shatzman, S. 377)

Außer diesem forschte Pythagoras nach der Harmonie der Zahlenverhältnisse. Er entdeckte deren einfachste (2:1, 3:2, 4:3) in ihrer Übereinstimmung mit den Intervallen Oktave, Quinte und Terz der Tonleiter, woraus er eine tiefere Harmonie der Welt schlußfolgerte, wobei die Dinge schließlich selbst Zahlen seien, alles bestimmten Gesetzmäßigkeiten folge und eine große musikalische Harmonie kosmischer Sphären bestehe.
Ob der bekannte „Satz des Pythagoras” (a2+b2=c2) wirklich erstmals von Pythagoras entdeckt wurde, ist unsicher, er war auch bei den Babyloniern bekannt. Es ist ohnehin schwerlich nachprüfbar, welche seiner Lehren von ihm selbst stammen und welche Weiterführungen seiner Schüler sind. Auch sein Lebensweg ist stark legendarisch (nach ebd.).

Satz des Pythagoras
Auf einer Rechenscheibe: Satz des Pythagoras

So soll er in Ägypten, Mesopotamien und Indien seine Studien betrieben haben, ehe er sich selbst als Wiedergeburt des Euphorbos (OVID, Metamorphosen 15.160), des Pyrander und sogar als Sohn des Hermes, der dem dreimal großen Thot gleich sei, erkannte Colerus, Pythagoras, S. 215) und nach langer Zeit in der Fremde in Griechenland seinen Landsleute lehrte.

In Theben in Ägypten war dem auf der Suche nach den Urgöttern und Urgründen befindlichen Ausländer die Aufnahme in die Priesterschule Ägyptens gelungen, was eine große Ausnahme war. Nach mehrjährigem Studium der 42 dem Thot zugeschriebenen Weisheitsbücher wurde Pythagoras zum Hierogrammateus (Priestertitel) ernannt und erwarb sich manche Verdienste.

Als die Perser Ägypten erobert hatten, verschleppten sie Pythagoras nach Babylon, wo er nebst vielen Anderen der von Dareios I. (521-486 v.) unterworfenen Völker in Verbannung lebte. Dareios erkannte die Fähigkeiten des Pythagoras und trug dem in Ägypten zum Baumeister geschulten, der unterdessen auch die Kulte der Ishtar und die Lehren des Zoroaster (geb. 800v. o. 700v.) kennengelernt hatte, Arbeiten an seinen monumentalen Bauwerken in Persepolis auf. Diese bereiteten dem an technischen Fragen hochinteressierten Pythagoras zwar Freude, doch war ihm das Sklavendasein zuwider und er schätzte sich glücklich, als er entfliehen konnte, doch verschlug ihn das Geschick weiter nach Osten.

Dort fiel ihm bei Brahmanen auf, daß diese zur Ermittlung rechtwinkliger Dreiecke Maßschnüre verwendeten, die entsprechend abgelängt waren (z.B. 15, 8 und 7 oder 12, 35 und 37 Längeneinheiten). Weil die Brahmanen eine ganze Reihe derartiger Zahlenkombinationen, nicht aber eine allgemeingültige Formel kannten, sollte dieses Problem den Pythagoras nicht mehr loslassen, ehe der berühmte Satz gefunden war.

Der Legende nach soll Pythagoras das Rätsel in Kroton gelöst haben, wo der Weise seine Schule begründet und samt seiner Schüler bedeutenden Einfluß in der Stadt und weit darüber hinaus erlangt hatte.

 

Die berühmte Freundschaft der Pythagoreer und den Zusammenhalt ihres Bundes soll die Verurteilung des Phintias auf die Probe gestellt haben: „Zu Dionys, dem Tyrannen schlich Damon, dem Dolch im Gewande ...” (Schiller, „Die Bürgschaft”) Tatsächlich sei gar keine Verurteilung geplant gewesen, vielmehr habe Dionys, der Tyrann von Syrakus, feststellen wollen, wie weit es mit der gerühmten Verbundenheit der Pythagoreer im Angesicht des Todes her sei (Schreiber u. Schreiber 1993, S. 142) - laut Schiller hielt Damon sein Versprechen.

 

Eine lesenswerte Schilderung des Lebens des Pythagoras lieferte der österreichische Schriftsteller Egmont Colerus mit seinem Roman Pythagoras.