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 Germanische Mythologie / Deutsche Sagen
 
 

Frau Gode

(Fru Gode, Fru Goden, Gauden) Eine aus dem deutschen Sagenschatz und Volksbrauch geläufige Gestalt, welche Ähnlichkeiten mit Frau Holle, Berchta u. a. aufweist.

In den Zwölften soll Fru Gode in Begleitung ihrer Hunde unter lautem Gejuche umherziehen, mancher sei ihr dabei begegnet.

Einige Sagen über die Frau Gode sind aus der Gegend zwischen Wittstock und Mirow überliefert:

Einmal soll sie einem Knecht erschienen sein, der gerade bei den Pferden im Stall weilte. Fru Gode bat ihn, ihr einen Pfahl anzuspitzen. Zuerst wollte der Knecht nicht, tat es um des versprochenen Lohns dann aber doch. Am nächsten Morgen waren die herabgefallenen Späne eitel Gold.

Ein Bauer fand einmal einen kleinen Hund vor seinem Haus, nachdem Fru Gode über seinen Bauernhof gezogen war. Der Bauer nahm den Hund bei sich auf und zog ihn mit seiner Frau auf. Ein Jahr später war der Hund mit einem Mal verschwunden, es fand sich aber statt seiner an des Hundes Lagerstatt ein großer Klumpen Gold.

Ein Bauer aus Wredenhagen begegnete eines Abends der Fru Gode. Er ließ sie vorüberziehen, gab aber einen ihrer Hunde einen Hieb mit seiner Peitsche. Am anderen Tag hatte er einen ganz dicken Kopf und brauchte zwei Wochen, ehe er wieder hergestellt war.

Als Fru Gode über Zirtow hinwegzog, stimmte einer in das Gejuche mit ein. Da fiel ihm ein Bein zum Fenster hinein und er hörte eine Stimme rufen: „heste met jûcht, mütste ôk met frêten!”

(nach KUHN u. SCHWARTZ, S. 2, 1-4)

Wenn einer Glück hat, dann sagt man: „den hat Frû Gòden wat bröcht.” (aus Bendwisch bei Wittenberge, n. KUHN u. SCHWARTZ, G. 177)

In der Umgebung von Hameln herrschte die Gewohnheit, daß man einem Schnitter, wenn der bei der Ernte eine Garbe überging oder sonst etwas auf dem Acker beließ, zuzrufen: „scholl düt dei gaue frue” oder „de fru Gauen hebben?” GRIMM deutete dieses als Überrest der Scheu vor der heidnischen Göttin, welche sich auch nach der Christianisierung noch gehalten hatte. In der Prignitz nannte man die auf dem Acker belassene Garbe vergodendeelstrûß, wobei ver eine übliche Kürzung von Frau sei. (Dt. Mythol., 209)

Bei GRIMM heißt es weiter: „Wenn sich das volk jetzt auch fru Gode, fru Goden, Gauden meist als frau denkt, so scheint doch zuweilen statt ihrer ein de koen (der könig) aufzutreten. (...) im Lüneburgischen heißt das erntefest noch heute vergodensdêl. (...) die Vermländer nennen Thors frau godmor, gute mutter” (Dt. Mythol., N. 209)

GRIMM hielt zudem für möglich, daß in der Namensform Guode der Name Wode stecke (über Gwode), wobei Wode als mundartliche Form des Namens Wotan zu denken ist (vgl. Gaunsdag für Wonsdag, Mittwoch). Auch sonst ließen Volkssage, Brauchtum und Redensarten auf einen Wechsel weiblicher und männlicher Gottheiten schließen. (Dt. Mythol., 209) — fragt sich nur, in welche Richtung?