Das Schwarze Netz - zum Anfang< zurück
 Deutsche Sagen und Märchen
 
 

Literaturhinweis
Gardenstone: Göttin Holle.
Gardenstone: Göttin Holle. Arun, 2002.
 
Für die Suche nach dem Buch empfehlen sich die Versandhandlung „Amazon”
Suchen nach:
In Partnerschaft mit Amazon.de
und die Antiquariatsplattform „Abebooks.de”:
 
zur Suche nach Gardenstone: Göttin Holle bei Abebooks.de
 
Frau Holle

(Frau Hulle, Holla, Holda) Die Hollen sind im nordwestdeutschen Volksglauben die Kleinen oder die Unterirdischen, deren Wohnorte unter Hecken und Bäumen angenommen wurde, vielfach auch in alten Hügelgräbern.

Frau Holle ist die „Frau unter dem Baum” und vermag als Naturgöttin das Wetter zu beeinflussen.

Ihr wird eine besondere Liebe zu Musik und Tanz nachgesagt, denn es heißt, in Frau Holdas Wohnung sei Gesang und Tanz. (GRIMM, 389)

Besonders mit dem Flachs und dem Spinnen wird Frau Holle in Verbindung gebracht:

Aus Phulsdorn bei Apolda in Thüringen ist die Sage mitgeteilt, ein Mann sei spät abends über einen Berg gekommen, da habe er Frau Hulle beim Flachsknotten abstreifen gesehen. Gegen seinen Abendgruß bot ihm Frau Holle ihre Flachsknotten an, er aber lehnte ab, man habe selber genug davon. Ein Stück weiter des Weges fing es an, ihm gewaltig imm Schuh zu drücken. Er sah nach und entdeckte darin zwei Goldklumpen — das waren welche von Frau Hulles Flachsknotten, die ihm in den Schuh geraten waren. (KUHN u. SCHWARTZ, 245,1) Ähnlich heißt es von zwei Kindern, die auf dem Kyffhäuser Frau Hulle mit ihrem Flachs dort sitzen und spinnen sahen. Die Kinder bekommen jeder ihre Taschen voll mit Flachsknotten. Die meisten werfen ihre auf dem Heimweg fort, nur eines behielt seine und hatte daheim seine Taschen voll Gold. (KUHN u. SCHWARTZ, 245,2)

In einem April soll einmal eine Frau auf dem Kyffhäuser Reisig holen gegangen sein. Dort traf sie eine alte Frau, welche dort Baumwollknötchens sammelte, was man sonst erst im hohen Sommer zu unternehmen pflegte. Auf ihre Frage hin bot die Alte der Frau von ihren gesammelten Baumwollknötchens und schüttete ihr die ganze Schürze voll damit, sie werde sie brauchen können. Die Frau ging weiter, um Haselreis zu holen, da entdeckte sie, daß die Gabe der Alten zu lauter Goldstücken geworden war. Rasch wollte sie zu der zurückeilen, aber die Alte war samt dem Haufen Baumwollknötchen verschwunden. (KUHN u. SCHWARTZ, 245,3)

Über das Erscheinen der Frauz Holle in der Weihnachtszeit schrieb Johannes Prätorius (1620 bis 1680): „Man sagt auch, daß Frau Holle in der Weihnachtszeit umfährt. Deshalb richten die Mägde ihre Spinnrocken wieder her und wickeln viel Flachs und Werk darauf und lassen alles über Nacht liegen. Wenn Frau Holle das sieht, spricht sie: ,Soviel Haar, so viele gute Jahr’” (Saturnalia, Leipzig 1663, 403, n. LECOUTEUX, 245)

 

Nahe dem nordhessischen Ort Meißner liegt der höchste Gipfel der Region. An ihm liegt ein Gewässer, das Frau-Holle-Teich genannt wird.
In der Sage heißt es: „Am Meißner in Hessen liegt ein großer Pfuhl oder See, mehrenteils trüb von Wasser, den man Frau Hollen Bad nennt. Nach alter Leute Erzählung wird Frau Holle zuweilen badend um die Mittagsstunde gesehen und verschwindet nachher. Berg und Moore in der ganzen Umgebung sind voll von Geistern und Reisende oder Jäger oft von ihnen verführt oder beschädigt worden.” (GRIMM, Nr. 6)

Als die Gemeinde Meißner im Sommer 2004 zur Hebung des touristischen Werts der Region am Ufer des Teiches ein Standbild errichten ließ, das Frau Holle als kurvenreiche Nackte darstellt, folgte dieser Tat umgehend ein Anschlag gegen die Skulptur. (DPA n. Spiegel-Online, 07. September 2004)

 
 

Siehe auch Hulda, Perchte