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 Deutsche Sagen - Wilde Jagd
 
 

Helljäger

Ein in Teilen Norddeutschlands geläufiger Name für den „wilden Jäger”.

Nach J. GRIMM wurde durch die Christianisierung der Gott Wodan als Anführer des wilden Heeres zum Teufel entstellt. „der teufel heißt darum hellejäger”. (Dt. Myth., 840f.) Allerdings unterschied man z. B. in der Altmark den helljeger genannten wilden Jäger namentlich vom Teufel, den man als den weideman kannte. (GRIMM, III, 280)

In den Gegenden zwischen Weser und Elbe soll der Helljäger früher oft sein Wesen getrieben haben, besonders in der Zeit zwischen Weihnachten und Großneujahr. Man achtete darauf, daß am Christabend das Haus geschlossen wurde und vermied es, nach Sonnenuntergang hinauszugehen. (KUHN u. SCHWARTZ, A. 310.1) Einmal versäumte man in einem Hellhaus genannten Gebäude in Ostenholz das Schließen des Tores am Christabend. Da kam der Helljäger vorübergezogen und einer seiner Hunde drang ins Haus, legte sich unter eine Bank und ließ sich durch nichts vertreiben. So lag er das Jahr über dort und tat nichts weiter, als daß er morgens die Asche vom Herd leckte. In den nachfolgenden Zwölften öffnete man wiederum das Tor und der Hund zog mit dem Helljäger davon. Ähnliches passierte auch Leuten aus Hoya. Dort habe der Hund schwarze Kohlen gefressen, wenn die Leute sich gewaschen hätten, glühende Kohlen, wenn sie es nicht getan. In Stöckse zu Nienburg wußte man zu berichten, daß der ins Haus gelaufene Hund des Helljägers zu Stein werde und bei der folgenden wilden Jagd in alter Gestalt davonziehe. So erzählte man auch in Moorhusen bei Oldenburg und ergänzte, daß der Helljäger bei seiner Wiederkunft den Hund mit einem Pfiff mit sich rufe. (KUHN u. SCHWARTZ, A. 310.2)

In Thüritz hieß es, der Helljäger, welcher oft über dem Thüritzer Felde hinfahre, sei der Graf Schulenburg zu Apenburg gewesen. Den trieb seine Leidenschaft dazu, auch Sonntags zu jagen und dabei mit seinen Hunden durch das Korn zu ziehen und darum sei er zu ewigem Jagen verdammt. (Haupt’s Zeitschr. IV. 391, n. KUHN u. SCHWARTZ, A. 150)

Dagegen hielt man den Helljäger andernorts für den Sohn des Besitzers jenes Hellhauses in Ostenholz. Der war am Christabend auf der Jagd und er gelobte, als er ein Reh schießen wollte, wenn er treffe, so wolle er fortan jeden Christabend jage und sei es dann auch gekommen. Der Wirt des Hellhauses mußte, nachdem der Jäger tot war und alle Jahre als wilder Jäger wiederkehrte, immer zu Christabend eine Kuh hinausstellen, welche sich der Helljäger holte. Die dafür ausgesuchte Kuh, um welche es sich handelte erkannte man um den Michaelis- oder Martinstag, gedieh erstaunlicherweise besonders gut. Einige Jahre hielt man die Sitte, dann war man es leid und stellte keine Kuh mehr vor die Tür. Als dann der Helljäger herangekommen war, tobte er derart mit seinen Hunden um das Hellhaus, das man endlich das Tor öffnete und die Kuh hinausschickte, welche auch gleich fortgenommen wurde. Hernach sei der Helljäger aber nicht wiedergekommen. (KUHN u. SCHWARTZ, A. 310.3)

Die in den Sagen genannte Ortstreue des Hundes soll auf einen heiligen Platz, etwa eine Opferstelle hindeuten. Das Freilassen der Kuh sei nichts anderes als eine verdunkelte Opferhandlung. Auch die angegebene Zeit, Michaelistag (29. September) und Martinstag (11. November) stimmen hierzu, da beide Tage viel vom Wuotanskult aufgenommen hätten. (KUHN u. SCHWARTZ, SA. 310)

Auch in Moorhausen bei Oldenburg hielt man den Helljäger für einen, der schon zu Lebzeiten ein großer Jäger gewesen sei und dem Herrgott seinen Himmel lassen wollte, wenn er nur weiter jagen könne. Einmal soll einer diesem Helljäger nachgeschrien haben, worauf der einen Pferdeschinken herabgeworfen habe. (KUHN u. SCHWARTZ, A. 310.4)

Ähnliches ist aus Delligsen bei Alsfeld im Hildesheimischen berichtet, wo ein Mädchen erzählte: „mine mutter vertelle, dat de helljäger dorch de luft ejaget herre un jimmer eraupen ha ha! tejif tejaf, tejaf! de knechte tau Hohne utn ganzen dörpe keimen eins avens to hope un brochten alle de hunne utn dörpe mit, umme dat se den helljäger wat brüen wollen. da kumte ok dorch de luft en ejaget, un wie hei ropt ha ha! sau raupt de knechte ok ha ha! un wie de hunne inr luft jilpert, sau jilpert un bleft de hunne utn dörpe ok alle, do smitt de helljäger ön war herunner un schriet: ’wil ji mit jagen, so könn ji ok mit gnagen!’ ans se den annern morgen tau seien dauet, wat ön de helljäger henne smetten herre, da istn olen perschinken.” (GRIMM, 776)

 

Weiteres zum Helljäger

In Mecklenburg ließ man bei der Ernte einige Halme als Gabe für den Woden stehen. Dieser Woden ließ siczh im Winter als helscher jäger mit seinen Jagdhunden hören. (GRIMM, 128f.)

Wenn der Helljäger am Christabend umzieht, muß man alles Ackergeräth unter Dach bringen, mahnte man in Weyhausen bei Uelzen. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 252)

In Moorhausmoor hieß es: „In den Zwölften jagt der Helljäger auf der Erde, zu anderer Zeit zieht er durch die Luft; darum muß man dann Abends frühzeitig die Thüren schließen, sonst laufen drei Hunde in’s Haus, die bis zu den nächsten Zwölften liegen bleiben.” (KUHN u. SCHWARTZ, C. 253)