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   Fränkische Könige - Merowinger
 

Merowech

(auch Merovig, Meroveè, Meroveus) Merowech (gest. 456) diente als einer der salischen Frankenhäuptlinge in der römischen Armee und zeichnete sich in den Kämpfen gegen Attila und dessen Hunnen aus,wodurch er Ansehen und Berühmtheit erlangte. Zwar war er nicht, wie spätere Legenden behaupteten, der eigentliche Kommandant der Truppen, doch genügten sein Prestige und seine Fähigkeiten, daß er als Herrscher der Franken von Tournai anerkannt wurde. Das machte ihn zum Ahnherren des Königshauses der Merowinger (GRABOIS, 414), wenngleich die späteren fränkischen Geschichtsschreiber den König Chlodio als deren Stammvater ansahen (ebd., 136).

Merowechs Sohn Childerich I. (geb. um 436) führte das Werk seines Vaters fort und legte durch Unterwerfung der übrigen salischen Grundlagen den Grund für das weitere Erstarken des Reiches, weshalb man ihn als eigentlichen Begründer des nach seinem Vater benannten Königshauses ansah. (GRABOIS, 132)

 

Rätselhaft sind die Sagen um die Abstammung des Merowech, denn er soll zwei Väter gehabt haben. Zum einen den menschlichen Gatten seiner Mutter, zum anderen ein Seeungeheuer, das die Schwangere beim Baden im Meer überwältigt habe. Merowech soll von seltsamen Äußeren gewesen sein und auf dem Rücken Borsten wie ein Schwein gehabt haben.

GRIMM gibt die leider nur unvollständig überlieferte Sage wie folgt wieder (Schreibung etwas modernisiert):
„Als Clodio Faramunds Sohn mit der Königin am Gestade saß, sich von der Sommerschwüle zu kühlen, stieg ein Ungeheuer (Meerschwein?) aus den Wogen, ergriff und überwältigte die badende Königin. Sie gebar darauf einen Sohn, seltsamen Ansehens, weshalb er Merovig und seine Nachkommen, auf die das Kennzeichen überging, Merovinge heißen.” (Dt. Myth., I., 324)
Weiter heißt es: „Theophanes meldet ausdrücklich, die Merovinge werden kristátai und trichorachátai genannt, weil allen Königen dieses Geschlechts Borsten, wie Schweinen, auf dem Rückgrat wachsen.” (Dt. Myth., I., 324f.)

Die Herleitung des Namens Merovig war GRIMM völlig unbekannt. Er überlegte: „Ich weiß nicht, ob man in ihm einen Bezug finden könnte auf den Eberkultus des Frô, der unter Franken vorzüglich verbreitet gewesen wäre?” (Dt. Myth., I., 325) LÖNNENDONKER fragte, warum man den Namen nicht aus mer, „Meer” und wig, „Kampf” herleite (oder auch als „durch Kampf berühmt”). Immerhin sei nicht unwahrscheinlich, daß die Franken die Landnahme in Nordfrankreich von den Küsten aus in das Landesinnere eindrangen (Als die Götter noch jung waren, 288), was zu der Sage um Merowech passen würde. Auch LINCOLN, BAIGENT u. LEIGH fanden, mer erinnere an „Meer”, zudem an frz. mère, „Mutter” (Der heilige Gral und seine Erben, 221).

In den Anmerkungen zu GRIMMs Deutscher Mythologie wird noch ergänzt: „Von Sigurd dem fränkischen Held heißt es Vilk. Saga cap. 319: Nans Horund var svâ hart sem sigg villigaltar. Vielleicht bezeichnet sigg die borstige Haut, und die Sage von den borstigen Merowingen scheint damit in Verbindung.” (Dt. Myth., III., 112)

LINCOLN, BAIGENT u. LEIGH spekulierten, die Erzählung von Merowechs merkwürdigen Ursprung könne darauf hindeuten, daß durch seine Mutter eine fremde Ahnenreihe in die Ehe eingebracht beziehungsweise daß zwei dynastische Linien miteinander verschmolzen wurden. Möglicherweise seien diese Fremden über das Meer gekommen, wovon die spätere Sage von einem Meerungeheuer rühren könnte. (Der heilige Gral, 222)

Es ist auch nicht ganz klar, welche Sagen und Überlieferungen welchem Merowech zuzuordnen sind, denn es soll ihrer damals zwei gegeben haben: einen älteren Merowech, der fränkischer Heerführer sugambrischer Herkunft gewesen sei und um 417 gelebt habe und einen jüngeren Merowech, der Sohn des anderen war und 448 in Tournai zum König der Franken ausgerufen wurde. (LINCOLN, BAIGENT u. LEIGH, 226)

-- wird fortgesetzt --