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| Germanen / Deutsche - Heldensage | |
(dt. Walther, Walter; v. ahd. waltan, walten, herrschen, u. hari, heri, Heer, Krieger) Walther von Aquitanien ist Titelheld einer Sage, welche vermutlich der Mönch Ekkehart I. von St. Gallen (um 920) als Waltharius poesis (V. 1456) niederschrieb. Man kennt die Dichtung auch als Waltharius manu fortis (Walter mit der starken Hand).
Der Waltharius beschreibt die Jugend des Walther, dem Sohn des Königs Alpher von Aquitanien, am Hofe des Hunnenkönigs Etzel, welche Walther dort nebst dem vom Frankenkönig gestellten Hagen und der Burgunderprinzessin Hildgund als Geisel verbrachte, die Flucht von dort und die Kämpfe gegen den habgierigen König Gunther und seine Mannen, darunter auch Hagen, bei seiner Heimkehr und endet mit Eheschließung und Königtum Walthers.
Die Verse 1 bis 427, in der vorliegenden Übertragung übertitelt als Die drei Kinder als Geiseln an Etzels Hof behandeln Ursache und Ergebnis der Geiselhaft der Kinder Hagen, Hildgund und Walther, welche der Frankenkönig Gibich, der Burgunderkönig Heririch und Alpher, der König Aquitaniens dem Hunnenkönig Etzel gegen Frieden gestellt hatten, wie sie dort wohlversorgt aufwachsen und in hohes Ansehen gelangen, bei sich bietender Gelegenheit aber doch der Fremde entfliehen.
=> siehe: Die drei Kinder als Geiseln an Etzels Hof
In den Versen 428 bis 1061 geht es um die Ankunft Walthers und Hildegunds im Frankenreich König Gunthers, welcher von deren Durchreise und Schatz erfährt und gegen das Widerstreben seines Vasallen Hagen sich mit dem und zwölf Vasallen auf die Suche nach Walther und Hildgund macht, dem er deren Schatz zu rauben trachtet. Als sie aber den rastenden Walther antreffen, finden sie den wohlverschanzt und der macht die zwölf Recken des Gunther allesamt nieder.
=> siehe: Die Einzelkämpfe im Wasgenwald
In den abschließenden Versen 1062 bis 1456 des Waltharius ist der Endkampf zwischen Gunther und Hagen einerseits und Walther andererseits beschrieben. Mit List lockt Hagen, der endlich doch sich zur Teilnahme an Gunthers Raubzug gegen Walther entschlossen hatte, den aus seiner Verschanzung und zu Zweien überfallen sie den Verfolgten auf offenem Feld. Walther erweist sich aber auch hier als herausragend im Kampf, während Gunthers Haltung schmachvoll gezeichnet ist. Am Ende tragen alle drei Verstümmelungen davon, ziehen aber befriedet ihrer Wege.
=> siehe: Walthers Kampf mit Hagen und Gunther
Die Walthersage ist ein Sproß der Nibelungensage (LAGOSCH, S. 102). Überschneidungen gibt es in den Schauplätzen, die Gegend um Worms und den Hof Etzels und bei einigen Personen, nämlich Etzel, Gunther und Hagen. Anders als im Nibelungenlied ist Gunther allerdings nicht König der Burgunder und Sohn der Ute, sondern König der Franken und Sohn des Gibich. Zeitlich müsste der Waltharius vor dem Nibelungenlied oder wenigstens vor dem Zug der Burgunder/Nibelungen zu Etzel spielen, denn bei dem kommen Hagen und Gunther bekanntlich um.
Neben Anklängen an nordische Lieder wird der Verfasser des Waltharius auf eine volkssprachlich kursierende Quelle zurückgeriffen haben, die auch dem angelsächsischen Heldenlied Waldere zugrundeliegen dürfte (LAGOSCH, S. 103).
Die Verfasserschaft des Waltharius ist nicht unumstritten. Zwar wird Ekkehart I. in zwei Quellen als Autor genannt, der das Werk um 920 als etwa Zwanzigjähriger gedichtet haben soll, doch wirken diese Quellen widersprüchlich. Daher wurden gleich vier verschiedene Gerald, ein Grimald und ein Anonymus als Autoren vermutet. Auch über Entstehungszeit und -ort ist man uneins. Ein möglicher Verfasser des Waltharius, der Prologschreiber Geraldus, soll ihn um 850 in Straßburg geschrieben haben. Andere vermuten als Orte den Hof Karls des Großen (gest.814) oder Lothars II., die Klöster Eichstätt oder St. Gallen. Karl Langosch, der Autor der dieser Darstellung zugrundeliegenden Ausgabe, hielt eine Verfasserschaft Ekkehart I. für am wahrscheinlichsten, der den Waltharius um 930 in St. Gallen gedichtet haben soll. (Waltharius, S. 111f.)
Zum Helden Walther von Aquitanien heißt es — über den Waltharius hinaus — er habe sein Leben als Gemüsegärtner im Benediktinerkloster Novalesa beschlossen. Sein Grab in der Nähe soll er sich selbst in den Felsen gehauen haben. (BORST, 487)