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 Germanische Mythologie
 
 

Berchte

(auch Berchta, Berhta, Perchte, Perchtha, ahd. Perahta, „die leuchtende”, „glänzende”, schweiz. Berchtli, Bechtli, Bechteli) Diese Göttin ist ganz ähnlich gedacht wie die Holda, wenn sie nicht beide einerlei sind. Frau Berchte „erscheint ... in den oberdeutschen Gegenden, wo jene [Holda] aufhört, in Schwaben, im Elsas, in der Schweiz, in Baiern und Österreich”, in Teilen Frankens und Thüringens kennt man Berchta und Holda nebeneinander bzw. hier ist die Grenze zwischen beiden (GRIMM, Deutsche Mythologie, Bd. I, 226).

Wenngleich ihr Name auf eine gütige und freudebringende Gestalt hinweist, erscheint sie christlich überformt als Kinderschreck, soll aber im Heidentum als Beschützerin der Mütter und Kinder gelten, die in ihrem unterweltlichen Garten sie die jung verstorbenen Kinder empfängt (ASWYNN, 96).

Als ihr Gefolge gelten die Heimchen, die in ihrem Auftrag Felder und Fluren bewässern, während Perchta selbst unterirdische Äcker pflügt (GRIMM, Deutsche Mythologie, Bd. I, 228).

Wie andere Gottheiten hält Berchta in den Zwölfen, der Zeit um Mittwinter bzw. nach Weihnachten ihren Umzug, wobei ein Tag am Ende dieses Zeitraums ihr besonderes Fest ist. An diesem Tag muß alles abgesponnen sein, denn sonst verdirbt Berchta, die den Spinnerinnen vorsteht, das Begonnene. Ebenso zürnt sie, wenn an diesem Tag nicht Fische und Knödel gereicht werden. Es heißt, wer an ihrem Tag andere Speisen zu sich nehme, dem schneide sie den Bauch auf und fülle ihn mit Heckerling, ehe sie mit Pflugschar und Eisenkette den Schnitt vernäht.
J. GRIMM bringt dazu einen Aberglauben aus der Gegend um Saalfeld:

„viele essen den letzten tag im jahr knödel (strötzel) und heringe. sonst, behaupten sie, schneide ihnen Perchte den bauch auf, nehme das erst genossene heraus, und nähe dann mit pflugschar statt der nadel, mit röhmkette statt des zwirns den gemachten schnitt zu.”
Deutsche Mythologie, Bd. III, A. 525

Ähnlich heißt es im Voigtland von der Werre und der Frau Holle, in Bayern und Deutschböhmen von der Frau Lutz (die hl. Lucia, GRIMM, Bd. I, 227).

Zu Ehren der Perchtel werden zur Zeit der Rauchnächte (Zwölfen), wenn sie mit ihrem Geisterheer durch die zu dieser Jahreszeit dunkle Welt braust, wobei sie den Menschen Schaden oder Segen bringt (Vom Volksbrauch im Winter, 39), Perchtenlaufen oder Perchtenspringen abgehalten. Dabei ziehen die dann „Berchten” genannten und mit Perchtenmasken vermummten jungen Männer tanzend und lärmend durch die Gegend (GRIMM, Bd. I, 231).
In Tirol, der Steiermark und Salzburg fertigte man sich bis ins 19. Jahrhundert hinein dämonische Perchtenmasken, mit denen man beim Perchtenlauf umherrannte und tanzte und derart vermummt von der Kraft der ziehenden Geister zu zehren und Fruchtbarkeit auf die Felder zu bringen erhoffte (ebd., 39).

In verschiedenen Sagen um die Perchtha heißt es, sie fordere gelegentlich Reparaturen an ihrem Wagen, dem Helfer beschenkt sie mit Goldstücken. Vom Auszug der Perchta berichten Sagen aus dem Saaletal (GRIMM, 228):

„In dem fruchtbaren Saalthal zwischen Bucha und Wilhelmsdorf hatte Perchtha, die Königin der Heimchen, ihren alten Sitz, und auf ihr Gebot mußten die Heimchen die Felder und Fluren der Menschen bewässern, während sie unter der Erde mit ihrem Pfluge ackerte; zuletzt aber veruneinigten sich die Leute mit ihr und sie beschloß das Land zu verlassen, auf Perchtenabend wurde der Fährmann im Dorfe Altar für spät in der Nacht bestellt, und als er zum Saalufer kam erblickten seine Augen eine große, hehre Frau umgeben von weinenden Kindern, die von ihm Überfahrt forderte. Sie betrat das Fahrzeug, die Kleinen schleppten einen Ackerpflug und eine Menge anderen Geräts hinein, unter lautem Wehklagen, daß sie aus der schönen Gegend weichen müßten. Am anderen Ufer der Saale angelangt hieß Perchtha den Schiffer nochmals fahren und die zurückgebliebenen Heimchen holen, welches notgedrungen geschah. Unterdessen hatte sie am Ackerpflug gezimmert, deutete auf die Späne und sprach zum Fährmann: ,da nimm, das sei für deine Mühe!’ Mürrisch steckte er drei von den Spänen ein, warf sie zu Hause auf das Fensterbrett und sich geängstigt ins Bette. Am Morgen lagen drei Goldstücke da wohin er die Späne gelegt hatte.” (Schreibung angepaßt)
Die Sage von ihrem Auszug ist nach GRIMM auch bei Kaulsdorf an der Saale, an der Elster zu Köstritz und andernorts bekannt (ebd.)

Die deutsche Percht entspricht der Abondia (Habundia) und der Satia. Teils wurde sie auch mit der Diana gleichgesetzt. (LECOUTEUX, 27)

Der Berchta soll ebenso wie den ihr ähnlichen Frigg und Holda die Rune Berkana zugeordnet sein (ASWYNN, 96).