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| Germanische Mythologie | |
(nord. bragr, der Vornehmste, Häuptling, Fürst, Dichtung) In der eddischen Dichtung der Gott der Dichtkunst, gedacht als alter Mann mit langem Bart.
Bragi gilt als Sohn Odins und der Riesin Gunnlod, seine Gattin ist die Idun.
Bragi, der erste alle Skalden (Edda, Grimnirlied, 42), wurde unter die Götter versetzt. In seine Zunge soll Idun die Runen geritzt haben.
Das machte ihn zu einem berühmten Weisen, Dichter und Redner. Die Skaldenkunst heißt nach ihm Bragur, die sie ausüben Bragurleute (Gylfaginning, 26). Seine Gespräche mit dem Oegier, die in SNORRIs Skaldskaparmal wiedergegeben sind (55ff.), heißen nach Redner und Hörer Bragarœdur (Reden des Bragi, GRIMM, Dt. Myth., I., 196).
Wenn in Walhall die Einherier einziehen, begrüßt Bragi sie zusammen mit Hermodur.
Beim Gastmahl in der Halle Ägirs, das die Götter nach Balders Tod abhalten, erscheint Loki, um seine Schmähreden gegen die Götter zu halten. Eines der ersten Opfer ist Bragi, dem der Spötter mangelnden Heldenmut vorhält. Der Dichtergott wehrt sich nur schlaff und meint, wäre die Halle kein befriedeter Bezirk, er wolle dem Loki schon sein Haupt abtrennen. Der aber bezeichnet ihn unbeeindruckt als Bankzierde und wendet sich den anderen zu (Lokis Zankreden, 11-15).
Als unter die Asen versetzter Gott der Dichtkunst erscheint Bragi im 12./13. Jahrhundert bei SNORRI. Die Gestalt ist womöglich eine Vergöttlichung des ältesten namentlich bezeugte Skalden Bragi Boddason, Sohn des Boddi. Der lebte im 9. Jh. in Norwegen, entwickelte einen eigenen Strophentyp und ist Schutzpatron der Skaldendichtung (BELLINGER, 80).