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| Germanen - Heldensage | |
(Thidrek, Didrik) Das Leben dieses germanischen Sagenhelden beschreibt die Thidrekssaga, er taucht auch im Hildebrandslied und im Nibelungenlied auf. Mit Bern soll die italienische Stadt Verona, Bern in der Schweiz oder Bonn am Rhein (das früher auch Verona hieß) gemeint sein.
Der König Dietrich, Sohn des Dietmar und Vater des Dieter, hatte sein Reich an den Otacher verloren und lebt in der Verbannung am Hof des Etzel als Gefolgsmann von dessen Gattin Helke. Nach 30 Jahren dort erobert er mit Hilfe Etzels sein Reich zurück.
In der anderen Fassung der Sage heißt sein Gegner Ermanrich, sein Gastgeber Attala, dessen Gattin Ercha.
Erst im Alter gelingt es Dietrich, seine Herrschaft zurückzugewinnen.
Von seinerem Äußeren berichtet die Thidrekssaga, daß Dietrich groß und stark gewesen sei, er goldgelocktes Haar, doch keinen Bartwuchs gehabt habe. Sein rotes Schild zierte eine goldene Krone über einem Löwen, woran man in ihm den tapferen Kämpen und König erkannt hätte. Der Name seines kunstvoll gefertigten Helms soll Hildegrim geheißen haben.
Der Großvater Dietrichs hieß Samson, ganz ähnlich dem biblischen Helden Simson.
Außerdem soll Dietrich von Bern das Stück eines Pfeils in der Stirn stecken, weshalb man ihn den Unsterblichen nannte. Damit erging es dem Sagenhelden ganz ähnlich dem nordischen Gott Thor, dem infolge des Kampfes gegen den Riesen Hrungnir auch nach der Operation durch die Groa ein Stück des vom Riesen geschleuderten Steines in der Stirn steckengeblieben war (GRIMM, Deut. Mythol., I., S. 309).
Nachdem Dietrich den Ecke erschlagen hatte, gewann er von dem das Schwert Eckesachs und wurde so dessen dritter Besitzer.
Weitere Sagen über ihn berichten von Kämpfen gegen Riesen, Zwerge und Drachen, darunter Laurin. Am Ende seines Lebens wurde Dietrich von Bern selbst von einem Zwerg abgeholt und ging mit ihm in einen Berg (vgl. Friedrich Barbarossa im Kyffhäuser, Tannhäuser im Venusberg).
Im Nibelungenlied kann einzig Dietrich von Bern die Burgunder Gunther und Hagen überwinden (Nibelungenlied, 38. Abenteuer).
Die Thidrekssaga weiß von nicht immer sauberen Methoden des Helden zu berichten. Als Didrik sich im Kreise von Hildebrand, Gunther und Hagen seiner Herrlichkeit rühmte und dabei vom König Isung hörte, der neben einer erlesenen Schar von elf Söhnen den Jungherrn Sigfrid als Bannerträger zu den Seinen zählte, zog mit einigen seiner Recken ins Bertangaland um sich dort mit Sigfrid und den Seinen zu messen. Beide Helden trugen ihren Zweikampf miteinander aus, vereinbarungsgemäß ohne Verwendung von Wunderschwertern. Zwei Kampftage blieben ohne Ergebnis, doch am dritten suchte Dietrich im Betrug Zuflucht und als er, wie jedesmal, Sigfrid den Eid spricht, das Schwert Mimung sei nicht in seiner Hand, war Sigfrid damit beruhigt. Dietrich hatte aber das Schwert hinter sich in den Boden gestoßen und beeidete, er wisse Mimungs Spitze nicht über der Erde und seinen Knauf in keines Mannes Hand. Als Sigfrid während des Kampfes anhand empfangener Wunden schnell begriff, daß List im Spiel war, gab er sich geschlagen und erkannte Didrik als Herrn an, verließ Isung und folgte Didrik an dessen Hof.
Ob Didrik nun gegenüber Sigfrid nun Schuldgefühle wegen seines Betrugs hatte oder ganz anderes im Schilde führte, sei dahingestellt. Jedenfalls zog er mit Sigfrid zu Gunther und stiftete dessen Heirat mit Gunthers Schwester Grimhild, obgleich sich eigentlich Sigfrid und Brünhild einander versprochen hatten. Diese Brünhild heiratete statt seiner den Gunther.
Nach diesen Vorgängen begab sich Didrik zurück nach Bern, wurde von dort aber alsbald von seinem Onkel Ermenrik vertrieben. Didrik begab sich mit Meister Hildebrand und seiner Gefolgschaft ins Exil. Gemeinhin wird angenommen, er habe beim Hunnenkönig Etzel/Attila irgendwo im Osten Zuflucht genommen, abweichende Meinungen gehen davon aus, sein Gastgeber sei Attala gewesen, ein friesischer Prinz, der sich im Land der Hünen ein Reich erobert hatte (so RITTER-SCHAUMBURG, 1992, 135, der die Thidrekssaga zur Grundlage seiner These nimmt, die Niflungen seien nicht ost- sondern nordwärts gezogen).
Mit diesem Attala unternahm Didrik manchen Kriegszug und nach Jahrzehnten unterstützte Attala ihn bei dem Versuch, sein Reich zurück zu erobern. Auf den Heerzug gab Attala ihm seine beiden Söhne, Erp und Ortwin, mit, auch Didriks Sohn Dieter nahm teil. Das Unternehmen scheiterte jedoch, da Didrik zwar die Schlacht gewann, alle drei Königssöhne jedoch von Didriks ehemaligen Gefolgsmann Wideke mit dem Mimung erschlagen, auf der Walstatt blieben. Kummervoll ließ Didrik von der Unternehmung ab und zog zurück nach Susat (Soest), wo er sich kaum traute, unter Attalas Augen zu treten, der ihm jedoch großmütig verzieh.
Wenig später verstarb Attalas Gattin Ercha und wurde sehr betrauert. Aber dann entschloß sich Attala, um Sigfrids Witwe Grimhild zu werben, die einwilligt und zu ihm zieht. Damit hatte er eine Warnung seiner ersten Frau mißachtet, die ihm auf dem Totenbett zwar zuriet, sich neu zu verheiraten, jedoch vor einer Verbindung mit einer Niflungin warnte. Einige Jahre später beredete Grimhild Attala (oder, im Nibelungenlied, die Krimhild den Etzel), ihre Brüder samt Hagen einzuladen. Bei deren Besuch sahen sich Didrik und die Niflungen (bzw. Dietrich und die Burgunder) nach langer Zeit erstmals wieder. Didrik, der besonders herzlich den Hagen begrüßte, warnte die Niflungen vor dem schwelenden Haß Grimhilds. Als die Kampfhandlungen einsetzten hielt sich Didrik heraus, stand er doch zwischen alten Freunden und derzeitigem Gastgeber und Gönner.
Erst nachdem Markgraf Rodinger, Gefolgsmann Attalas, vom Niflungen Gislher erschlagen worden war, griff Didrik in den Kampf ein, da er Rodinger rächen mußte. Im Kampf traf er auf Hagen, den er nach heftigem Ringen bezwang und Hagen schwer verwundete.
Gemeinsam mit Attala sah er mit an, wie Grimhild den toten bzw. sterbenden Niflungen Gernholt und Gislher Feuerbrand in den Rachen stieß. Das entsetzte sie und Attala bat Didrik, Grimhild zu erschlagen, was der auch tat.
Noch lebte, wenngleich sterbend, Hagen. Das Band der einstigen Freundschaft hielt noch und Didrik verschaffte ihm für seine letzte Nacht eine Frau. Hagen wünschte, daß dieser Sohn Aldrian genannt würde und übergab der Mutter noch den Schlüssel zu Sigfrids Schatz, mit dessen Hilfe Aldrian ihn einst rächen sollte, und verschied.
Als historische Figur hinter der Sagengestalt wird gewöhnlich der Ostgotenkönig Theoderich der Große von Ravenna vermutet. Dagegen steht die besonders durch RITTER-SCHAUMBURG bekannte These, der Held trage seinen Namen nicht nach Verona in Italien oder Bern in der Schweiz sondern nach Bonn am Rhein, das früher auch Bern (lat. Verona) genannt wurde, wie alte Siegel der Stadt belegen. Außerdem war Theoderich kein Zeitgenosse Etzels sondern lebte später. Als Alterssitz Dietrichs ist nach RITTER-SCHAUMBURG dann auch nicht Rom in Italien anzunehmen, sondern das auch Roma Secunda genannte Trier (Die Nibelungen zogen nordwärts, 236-39).