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 Germanische Mythologie
 
 

Zwerge, Dvergr

(ahd. Zwerc, nord. Dvergr; Twarg, dän. dværg) Die vielen Zwerge der germanischen Mythen sind kleine Erd- und Schmiedegeister sowie Hüter von Schätzen. Sie entstanden zur Urzeit aus den Maden, die sich im verwesenden Leichnam des Urriesen Ymirs gebildet hatten. In der Edda heißt es, sie entstammten „Brimirs Blut und Blains Knochen” (Völuspa, 9). Man stellt sie sich als kleinwüchsige, häßliche Wesen von sonst menschlicher Gestalt vor, ihr Reich war Schwarzalbenheim.
Sie werden gelegentlich auch „Druckgeister” genannt, wohl weniger, weil ihre Körpergröße durch Druck geschrumpft ist, sondern wegen ihrer Listigkeit. Der Name sollte eher Truggeister lauten.

 

Die Götter ratschlagten, wer die Zwerge aus Brimirs (Ymirs) Fleisch und schwarzen Beinen erschaffen sollte. Da entsprang zuerst Motsognir, dann Durinn. Von diesen stammen zahlreiche menschenähnliche Dvergr her (Völuspa, 9).
Insgesamt über hundert Namen sind erwähnt, siehe Sammlung unten.

Als Wohnort der Dvergr gilt Nidavellir bzw. Schwarzalbenheim, allgemein das Erdinnere, bersonders natürlich Berge und Felsen (z. B. Edda, Alwislied, 3, aber auch sonstige Erdspalten und Schluchten und sogar Gräber.

Zwerge meiden das Tageslicht, da sie den Strahl der Sonne nicht vertragen. Die Sonne heißt bei ihnen „Dwalins Zwang”, da ihr Strahl den Zwerg die Dvergr zu Stein werden läßt (als Thor den Dvergr Alwis befragte, vergaß der darüber den Morgenanfang und wurde zu Stein (Alwislied).
Manch markanter Fels soll ehemals ein Zwerg gewesen sein. Beispielsweise gelten die Zwillingsgipfel von Trold Tindterne als zwei „Gruppen miteinander kämpfender Zwerge, die vergaßen, sich rechtzeitig vor Sonnenaufgang zurückzuziehen” (COTTERELL, 187).
Lieber hausen sie daher im Inneren der Erde, dem Element ihres Entstehens.

Zwerge sind als geschickte Handwerker bekannt, die meisten der den Asen zur Verfügung stehenden Wünscheldinge verdanken sie den Dvergr: Thors Hammer Miöllnir, Odins Speer Gungnir, den Ring Draupnir, Freyjas Halsband Brisingamen, Freyrs Schiff Skidbladnir und den Eber Gullinborsti, die Kette Gleipnir, die den Fenriswolf fesselt. Auch Helden verschafften die Dvergr wunderbares Gerät, sie schmiedeten Sigurds Schwert Garm.

 

Tüchtige Schmiede

 

Magische Weber

 

Weise Ratgeber

 

Naturkräfte

 

Wertvoller Rohstoff

 

Weitere Dvergr

Die Asen wählten vier Zwerge, die das Himmelsgewölbe tragen und die vier Ecken der Welt bewachen. Sie heißen Nordi, Austri, Sudri und Vestri, Osten, Westen, Norden und Süden.

Der Zwerg Andwari lebte als Hecht im Gumpen des Wasserfalls Andwarafors. Von ihm erhielt Loki den Ring, der zum fluchbeladenen Hort wurde (Edda, Lied vom Drachenhort).

 

Die Entstehung der Zwerge schildert das Eddalied Völuspa, wo eine ganze Reihe von Zwergennamen aufgeführt sind (9ff.).

 

Oft klingen die Namen von Dvergr in Reim oder Ablaut zusammen. J. GRIMM stellt folgende zusammen: Vitr und Litr, Fili und Kili, Fjalar und Gjalar, Skirvir und Virvir, Anar und Onar, Finnr und Ginnr, Bivor und Bavor, Nar und Nainn, Dâinn, Thrar und Thrâinn, Oinn und Moinn, Dvalinn, Durinn, Thorinn, Fundinn. Alfr, Gandâlfr und Vinâlfr (Deutsche Mythologie, I., 375). In dieser wie in der folgenden Zusammenstellung sind einige Wesen enthalten, die auch für Alben gelten (Alfr).

Alphabetische Sammlung von Zwergennamen: Ai, Alberich, Alfrigg, Alwis, Anar, Andawari, Austri, Bavor, Berlingr, Billingr, Bivor, Brokkrder, Dainn, Dellingr, Durinn, Dvalinn, Fili, Finnr, Fjalar, Fundinn, Gandalfr, Ginnr, Gjalar, Goldemar, Grerr, Gripir, Ivaldi, Kili, Kvasir, Laurin, Litr, Moinn, Möndul, Motsognir, Nainn, Nar, Nibelung, Nidi, Nordi, Nyr, Nyradr, Oinn, Onar, Schilbung, Sindri, Skirvir, Sudri, Thjodrörir, Thorinn, Thrâinn, Thrar, Ulfa, Vestri, Vinâlfr, Virvir, Vitr, Walberan, Zwald, es sind etliche.

Nach GRIMM entsprechen die Dvergr den Schwarzelben (svârtalfar, Deutsche Mythologie, I., 368).

Ähnlich sind Erdmännchen, Heinzelmännchen

 

Einem im Osten lebendem Zwergenvolk stand der deutsche Sagenheld Herzog Ernst bei.