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| Germanische Mythologie | |
Ein Sammelbegriff für die aus dem Norden überlieferte germanischen Götter- und Heldendichtung und Spruchweisheit, die im 13. Jahrhundert auf Island niedergeschrieben wurde.
Der Name wird zunächst für das Werk des isländischen Dichters und Historikers Snorri Sturluson benutzt. Er verfasste um 1220 auf Island ein umfangreiches Werk über Mythen und Dichtkunst, es sind die Bezeichnungen Prosa-Edda, Jüngere Edda oder nach ihrem Verfasser Snorra Edda geläufig.
1643 fand man den Codex Regius, eine Handschrift, die etliche Texte enthält, die auch im Werk SNORRIs reichlich zitiert werden. Man hielt diese Lieder darum für älter als das Werk SNORRIs und nannte es Ältere Edda oder nach ihrer überwiegenden Textart Lieder-Edda. Anfangs hielt man diese Schriften für ein Werk des Saemundur Sigfússon (1056-1133), der der älteste namentlich belegte Dichter Islands ist. Die Sammlung erhielt nach ihm darum auch den Namen Saemundar-Edda.
Später fand man noch weitere Handschriften, die inhaltlich und formal den bislang bekannten Texten ähneln. In Erweiterung des Begriffs bezeichnet Edda darum nach Definition des Edda-Forschers K. SCHIER Lieder von der Art, wie sie sich im Codex Regius finden (n. STANGE, 398).
Der Ursprung des Begriffs Edda ist unklar. Heißt es nach dem Entstehungsort Oddi in Südwestisland Buch von Oddi oder nach dem altnordischen Wort edda Urgroßmutter im Sinne eine Urahnin aller Dichtung (Edda ist eine Urahnin, die im Merkgedicht von Rig erwähnt wird)? Da Snorri sein Werk als Lehrbuch verfaßte, berührt sich diese Erklärung mit der These, Edda rühre vom Wort odr, Gesang oder Dichtung her und bedeute somit schlicht Buch von der Dichtung: Die Dichtung stammt mythisch vom Skaldenmet Ödrorir her, der in einem als Gebärmutter deutbaren Kessel gebraut wurde.
Hierzu fügt sich, daß Edda ein skandinavischer Name der Mutter Erde (Erda) ist, welche die Dichtung inspiriert haben soll (WALKER, 185).
Als wichtigste Übersetzung in das Deutsche gilt die Arbeit Karl SIMROCKs, dessen deutsche Edda 1851 erschien. Andere wesentliche Übertragungen sind die von Felix GENZMER und Arthur HÄNY.
Die Ausgaben der Lieder-Edda weichen in Reihenfolge und Auswahl teils erheblich voneinander ab. Übereinstimmend bilden die Götterlieder der Lieder-Edda den ersten Teil, wobei die Völuspa das Eingangsgedicht ist. Der Götterdichtung folgt die Spruchweisheit, die Heldengesänge schließen die Lieder-Edda ab.
Literaturhinweise:
Genzmer, Felix (Übers.): Die Edda. Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen. Diederichs Gelbe Reihe, München 1997. ISBN 3896314114
Diese Ausgabe enthält nur die Lieder-Edda.
Häny, Arthur (Übers.): Die Edda. Götter- und Heldenlieder der Germanen. 2003, Manesse. ISBN 3717517309