| Edda - Götterlieder | ||
über Grimnismal
< Anfang bis 39
40.
Aus Ymirs Fleisch ward die Erde geschaffen,
Aus dem Schweiße die See,
Aus dem Gebein die Berge, die Bäume aus dem Haar,
Aus der Hirnschale der Himmel.

41.
Aus den Augenbrauen schufen gütge Asen
Midgard den Menschensöhnen;
Aber aus seinem Hirn sind alle hartgemuten
Wolken erschaffen worden.

42.
Ullers Gunst hat und aller Götter,
Wer zuerst die Lohe löscht,
Denn die Aussicht öffnet sich den Asensöhnen,
Wenn der Kessel vom Feuer kommt.

43.
Iwalts Söhne gingen in Urtagen
Skidbladnir zu schaffen,
Das beste der Schiffe, für den schimmernden Freyr,
Niörds nützen Sohn.

44.
Die Esche Yggdrasil ist der Bäume erster,
Skidbladnir der Schiffe,
Odin der Asen, aller Rosse Sleipnir,
Bifröst der Brücken, Bragi der Skalden,
Habrok der Habichte, der Hunde Garm.

45.
Mein Antlitz sahen nun der Sieggötter Söhne,
So wird mein Heil erwachen:
Alle Asen werden Einzug halten
Zu des Wütrichs Saal,
Zu des Wütrichs Mahl.

46.
Ich heiße Grimr und Gangleri,
Herjan und Hialmberi,
Theck und Thridi, Thudr und Udr,
Helblindi und Har,

47.
Sadr und Swipal und Sanngetal,
Herteitr und Hnikar,
Bileig, Baleig, Bölwerk, Fiölnir,
Grimur und Glapswid,

48.
Sidhött, Sidskegg, Siegvater, Hnikud,
Allvater, Walvater, Atrid und Farmatyr;
Eines Namens genügte mir nie
Seit ich unter die Völker fuhr.

49.
Grimnir hießen sie mich bei Geirröd,
Bei Asmund Jalk;
Kialar schien ich, da ich Schlitten zog;
Thror dort im Thing;
Widr den Widersachern;
Oski und Omi, Jafnhar und Biflindi,
Göndlir und Harbard bei den Göttern.

50.
Swidur und Swidrir hieß ich bei Söckmimir,
Als ich den alten Thursen trog,
Und Midwitnirs, des mären Unholds, Sohn
Im Einzelkampf umbrachte.

51.
Toll bist du, Geirröd, hast zuviel getrunken,
Der Met ward dir Meister.
Viel verlorst du, meiner Liebe darbend:
Aller Einherier und Odins Huld.

52.
Viel sagt ich dir: du schlugst es in den Wind,
Die Vertrauten trogen dich.
Schon seh ich liegen meines Lieblings Schwert
Vom Blut erblindet.

53.
Die schwertmüde Hülle hebt nun Yggr auf,
Da das Leben dich ließ:
Abhold sind dir die Disen, nun magst du Odin schauen:
Komm heran, wenn du kannst.

54.
Odin heiß ich nun, Yggr hieß ich eben,
Thund hab ich geheißen.
Wak und Skilfing, Wafud und Hroptatyr,
Gaut und Jalk bei den Göttern,
Ofnir und Swafnir: deren Ursprung weiß ich
Aller aus mir allein.

König Geirröd saß und hatte das Schwert auf den Knien halb aus der Scheide gezogen. Als er aber vernahm, daß Odin gekommen sei, sprang er auf und wollte ihn aus den Feuern führen. Da glitt ihm das Schwert aus den Händen, der Griff nach unten gekehrt. Der König strauchelte und durch das Schwert, das ihm entgegenstand, fand er den Tod. Da verschwand Odin und Agnar war da König lange Zeit.
über Grimnismal
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Soweit nicht anders vermerkt ist die Edda-Übersetzung von Karl Simrock (1851) zitiert.
Literaturhinweise:
Genzmer, Felix (Übers.): Die Edda. Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen. Diederichs Gelbe Reihe, München 1997. ISBN 3896314114
Stange, Manfred (Hg.): Die Edda. Götterlieder, Heldenlieder und Spruchweisheiten der Germanen. In der Übersetzung von Karl Simrock. 1995, Bechtermünz, Augsburg. ISBN: 3860471074
Häny, Arthur (Übers.): Die Edda. Götter- und Heldenlieder der Germanen. 2003, Manesse.
Als sehr hilfreich für den raschen Überblick erweisen sich immer wieder:
Bellinger, Gerhard J.: Knaurs Lexikon der Mythologie.
Mit über 3000 Stichwörtern zu den Mythen aller Völker.
1997, Weltbild/Bechtermünz, Augsburg
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Cotterell, Arthur: Die Enzyklopädie der Mythologie.
- klassisch, keltisch, nordisch
Edition XXL GmbH, Reichelsheim, 1999
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und natürlich der Klassiker:
Grimm, Jakob: Deutsche Mythologie.
3 Bände, Nachdruck der von Elard H. Meyer besorgten 4. Auflage, Berlin 1875 - 1878
Drei Lilien, Wiesbaden 1992
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