| Germanische Mythologie - Edda | ||
(Das Lied von Wafthrudnir) Eine Götterdichtung der Edda.
Unter dem Decknamen Gagnrad sucht der Gott Odin den weisen und uralten Riesen Wafthrudnir auf. Nachdem er sechs Fragen richtig beantworten kann, ist Odin als würdiger Gegner anerkannt, er darf sich in der Halle des Riesen setzen und seinerseits Fragen stellen. Als Wafthrudnir die achtzehnte Frage nicht zu beantworten vermag, hat er verloren und verliert den Kopf an seinen Überwinder.
Diese Begebenheit schildert das Wafthrudnirlied, eine reich strömende Quelle nordischer Mythenkunde (GENZMER, 1997, S. 44). Die Fragen und Antworten geben Auskunft über die Enstehung der Welt und ihre Einrichtung und weisen weit in die Zukunft, bis zum Untergang der Asen und dem Heraufziehen eines neuen Geschlechts von Göttern und Menschen.
Insgesamt sind es 24 Fragen. Sechs davon stellt der Riese, achtzehn Odin, die in eine Gruppe zu zwölfen und einer zu sechsen gefaßt sind. 24 ist die Anzahl der Runen im Futhark, achtzehn Sprüche nennen die Zauberlieder, zwölf ist die Anzahl der Asen (GENZMER, 1997, S. 44).
Wenn auf diesen Seiten das Wafthrudnirlied ohne weitere Angabe der Quelle zitiert ist, dann bezieht sich die Strophenzahl auf GENZMER.
Einige Gesätze nach Karl Simrock (1851):
30.
Gangrad:
Sag mir zum sechsten, wenn du sinnig dünkst
Und du es weißt, Wafthrudnir,
Woher Örgelmir kam den Kindern der Riesen
Zuerst? allkluger Jote.

31.
Wafthrudnir:
Aus den Eliwagar fuhren Eitertropfen
Und wuchsen bis ein Riese ward.
Dann stoben Funken aus der südlichen Welt
Und Lohe gab Leben dem Eis.

...
36.
Gangrad:
Sag mir zum neunten, wenn man dich weise nennt
Und du es weißt, Wafthrudnir,
Woher der Wind kommt, der über die Wasser fährt
Unsichtbar den Erdgebornen.

37.
Wafthrudnir:
Hräswelgr heißt der an Himmels Ende sitzt
In Adlerskleid ein Jötun.
Mit seinen Fittichen facht er den Wind
Über alle Völker.

...
44.
Gangrad:
Viel erfuhr ich, viel versucht ich,
Befrug der Wesen viel.
Wer lebt und leibt noch, wenn der lang besungne
Schreckenswinter schwand?

45.
Wafthrudnir:
Lif und Lifthrasir leben verborgen
In Hoddmimirs Holz.
Morgentau ist all ihr Mahl:
Von ihnen stammt ein neu Geschlecht.

Literaturhinweise:
Genzmer, Felix (Übers.): Die Edda. Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen. Diederichs Gelbe Reihe, München 1997. ISBN 3896314114
Stange, Manfred (Hg.): Die Edda. Götterlieder, Heldenlieder und Spruchweisheiten der Germanen. In der Übersetzung von Karl Simrock. 1995, Bechtermünz, Augsburg. ISBN: 3860471074
Häny, Arthur (Übers.): Die Edda. Götter- und Heldenlieder der Germanen. 2003, Manesse.
Als sehr hilfreich für den raschen Überblick erweisen sich immer wieder:
Bellinger, Gerhard J.: Knaurs Lexikon der Mythologie.
Mit über 3000 Stichwörtern zu den Mythen aller Völker.
1997, Weltbild/Bechtermünz, Augsburg
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Cotterell, Arthur: Die Enzyklopädie der Mythologie.
- klassisch, keltisch, nordisch
Edition XXL GmbH, Reichelsheim, 1999
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und natürlich der Klassiker:
Grimm, Jakob: Deutsche Mythologie.
3 Bände, Nachdruck der von Elard H. Meyer besorgten 4. Auflage, Berlin 1875 - 1878
Drei Lilien, Wiesbaden 1992
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