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| Deutschland - Thüringen | |
Ein Bergrücken im nördlichen Thüringen, in der südlichen Goldenen Aue. Der Kulpenberg ragt 477 Meter empor. Das gesamte Gebirge ist reich an Höhlen, die berühmteste davon ist die Barbarossahöhle, in welche der Sage zufolge der Kaiser entrückt sei (Kaisersage).
Nach den meisten Sagen handelt es sich dabei um Kaiser Friedrich Barbarossa (Rotbart), einige wissen auch von Kaiser Otto. Auch Markgraf Hans soll im Kyffhäuser sitzen. Neben dem Kyffhäuser sollen auch Kaiser in anderen Bergen ausharren, beispielsweise Kaiser Karl im Odenberg.
1896 wurde auf dem Kyffhäuser das Kyffhäuserdenkmal mit den Figuren der Kaiser Barbarossa (Rotbart) und Wilhelm I. eingeweiht; die hiesige Kaisersage soll an die ehemals dort befindliche, im 16. Jahrhundert verfallene Kaiserburg anknüpfen.
In den Kyffhäuser ist Kaiser Friedrich der Rothbart verwünscht, der sitzt mit all seinen Knappen und Rittern um einen großen Tisch, durch den sein Bart hindurch gewachsen ist. Unten im Berg ist’s herrlich und alles strahlt von Gold und Edelstein, und ob’s auch eine unterirdische Höhle ist, so ist’s doch hell darin wie am sonnigen Tag; die prächtigsten Bäume und Sträucher stehen da und mitten durch dieses Paradies fließt ein Bach, wenn man aus dem eine Hand voll Schlamm nimmt, so wird er sogleich pures Gold. Hier jagt nun ein Reiter fortwährend auf und ab; andere aber sagen, er sitze auf einem Hahn und möge wohl der Böse selber sein, der alles dies verzaubert hat. (mündl. a. Edersleben, n. KUHN u. SCHWARTZ, S. 247,1)
Ein Hirt soll einmal an einem Johannistag dort hineingeraten sein. Dem hat erwähnter Reiter gesagt, er solle die Pferdesemmeln einsammeln. Das hat der Hirt auch getan und sie entpuppten sich später als lauter Gold. (KUHN u. SCHWARZ, Sa. 247,1)
Nicht nur der alte Kaiser, auch Frau Hulle soll am Kyffhäuser gesichtet worden sein und reiche Gaben verteilt haben, siehe Frau Holle.
Dieser Frau Hulle ähnelt sehr jene auch als Ausgeberin des Kaisers oder Mademosielle bezeichnete weiße Frau, welche neben anderen guten Gaben auch zu Gold werdenden Flachs verschenkt:
Der Sage nach sagte einmal ein Brautvater zu dem Mädchen, sie solle vom Kyffhäuser Wein holen gehen, da der eigene Vorrat zu Ende ging. Oben auf dem Berg traf das Mädchen auf eine ganz weiße Mademoiselle, die sie mit in den Berg nimmt, wo in einem großen Raum zahlreiche Pferde stehen, welche aus ihrer Krippe aber kein Heu, sondern Dornwasen fressen. Ganz hinten saß ein alter Mann, dessen Bart durch den Tisch gewachsen war, um ihn aufgestapelt lagen die Weinfässer, von denen die Mademoiselle dem Mädchen ihren Krug füllte. Der Wein soll von äußerste Güte gewesen und zudem nie alle geworden sein. (mündl. a. Goslar u. Tilleda, n. KUHN u. SCHWARTZ, S. 247,2) Es heißt aber auch, sie habe unterwegs das Grausen bekommen, weil es dort mit Knochen und Kegeln geworfen hat und sie habe daher zum Beweis, daß sie oben gewesen war, einige der Knochen mitgenommen, die sich später als golden erwiesen. (ebd.)
Andere Frauen sollen die Ausgeberin des Kaisers einmal am Kyffhäuser getroffen haben und von ihr Flachsknotten erhalten haben, welche nachher zu Gold wurden. (mündl. a. Tilleda, n. KUHN u. SCHWARTZ, S. 247,4)
Als einmal Musikanten von einer Hochzeit über den Kyffhäuser gezogen kamen, rief der tollste von ihnen aus: Hört ihr Gesellen, haben wir so viel gespielt, wollen wir auch noch dem alten Kaiser Friedrich eins aufspielen? Die anderen zögerten zunächst, weil sie müde waren, aber dann stimmten sie alle gemeinsam an. Als sie geendetet hatten, trat eine Mamsell aus dem Erfurter Tor, welche den Musikanten des Kaisers Dank ausrichtete und jedem von ihnen einen Pferdekopf verehrte. Man war überrascht und sie alle warfen den scheinbar schnöden Dank fort, nur jener Tolle behielt seinen. Er wollte sich nämlich einen Spaß davon machen und legte den Pferdekopf daheim unter das Kopfkissen seiner Frau. Als er dieser am Morgen sagte, sie solle doch nachsehen, was er vom alten Kaiser Rotbart erhalten hatte, entdeckte seine Frau unter ihrem Kopfkissen ein stattliches Goldstück.
Andere berichten bei sonst ähnlichem Hergang statt von einem Pferdekopf von einer Pferdekeule, noch andere erzählen, im Kyffhäuser sitze Kaiser Otto, welcher einem Musikanten für sein Spiel mit drei Knochen belohnte, welche sich später als lauter Gold entpuppten. (mündl. aus Abberode, Goslar und Deutschenthal bei Halle, nach KUHN u. SCHWARTZ, S. 247,5)
In Gesellschaft des Kaisers Friedrich befindet sich nach einer Sage dessen Hufschmied Boldermann. Der hatte im Himmel keine Gnade gefunden, die Hölle wollte ihn aber auch nicht, also sitze er jetzt im Kyffhäuser. Nach seinem Tode hatte der Teufel ihn durchaus holen wollen. Schmied Boldermann hatte aber ein Sack vor das Schlüsselloch gehalten und des Teufel darin gefangen. Anschließend schmiedete er den Inhalt gründlich auf seinem Amboß zusammen, steckte sie in ein Faß, das innen mit Nägeln ausgeschlagen war und rollte das Faß einen Berg hinab. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 247,8)