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| Franken - Herrscher | |
Ein fränkisches Königsgeschlecht. Die Merowinger begründeten das Reich der Franken und gelten als Urahn aller französischen Herrschaftsgeschlechter. Den Namen sollen die Merowinger nach einem sagenhaften Mero haben, das ganze Geschlecht ist legendenumwoben. Als eigentlicher Begründer des Herrscherhauses gilt Merowech, der 448 bis 457 König der salischen Franken war (spätere fränkische Geschichtsschreiber sahen in Chlodio den Stammvater der Merowinger, nicht in Merowech, GRABOIS, 136; auch sonst gibt es zahlreiche Spekulationen, s. u.).
Der Dynastie der Merowinger war ständiger innerer Zwist eigen, zahlreiche ihrer Vertreter kamen durch Mord ums Leben, weshalb die Söhne oft schon als Kinder den Thron bestiegen. Das und die bei den Merowingern übliche Teilung des Reiches (Patrimonalherrschaft) unter den Söhnen führte zum Zerfall des Königtums und 751 ging die Macht im Frankenreich endgültig von den Merowingern auf das Hausmeiergeschlecht der Arnulfinger, den späteren Karolingern, über, indem Pippin der Jüngere den letzten Merowingerkönig Childerich III. absetzen ließ und selbst König wurde.
Der Ahnherr Merowech (gest. 456) diente als einer der fränkischen Häuptlinge in der römischen Armee und zeichnete sich in den Kämpfen gegen Attila und seine Hunnen aus und erlangte dadurch Ansehen und Berühmtheit. Zwar war er nicht, wie spätere Legenden behaupteten, der eigentliche Kommandant der Truppen, doch genügten sein Prestige und seine Fähigkeiten, daß er als Herrscher der Franken von Tournai anerkannt wurde. (GRABOIS, 414)
Merowechs Sohn Childerich I. baute auf dem väterlichen Vermächtnis auf und gab dem Reich Organisation und damit Grundlage späterer Machtentfaltung. (Sein 1653 in Tournai aufgefundes Grab kündete von dem Glanz dieser Herrschaft.)
So vermochte dann Childerichs Sohn Chlodwig I. zu unterwerfen und sich ganz Gallien untertan machen. Wenigstens nominell dauerte dieses Königtum bis 751. (GRABOIS, 136)
Childerichs Sohn Chlodwig I. (geb. 466, gest. 511) ist der wohl bekannteste König der Merowinger. Chlodwig, der seit 483 Teilkönig der salischen Franken war, siegte über die übrigen fränkischen Stämme, den römischen Statthalter Sygarius, die Alemannen und die Westgoten und begründete darüber das Frankenreich. 498 ließ Chlodwig sich in Reims katholisch taufen.
Das Reich der Merowinger erhub sich um 500 als ein katholisch-christliches, wodurch der Untergang des Heidentums in allen Reichslanden besiegelt war. (GOLTHER, 61)
Die Herrschaft Chlodwigs gilt als Beginn einer neuen Epoche, weil sich das Schwergewicht europäischer Macht aus dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa verlagerte. Zudem verbanden sich in diesem Reich erstmals römische Staatsauffassung, katholisches Christentum und germanisches Königstum. Chlodwig I. stellte die Weichen für ein künftiges Erstarken der römischen Kirche, gleichzeitig legte seine kluge Innenpolitik den Grund für die Entstehung des Volkes der Franzosen.
Seit Chlodwig I. war der hl. Martin von Tours Schutzherr der merowingischen Frankenkönige, denn diesem meinte Chlodwig seine Siege zu verdanken.
Chlodwig hatte mehrere Söhne, unter denen fränkischer Sitte gemäß sein Reich aufgeteilt wurde. Childebert I. (um 495 bis 558) erhielt den mittelfränkischen Reichsteil um Paris, Chlodomer I. (495 bis 524) das südliche Merowingerreich. Während Childebert Siege über Westgoten und Burgunder gelangen und er so das ererbte Reich verfestigen und ausdehnen konnte, unterlag Chlodomer den Burgundern und er verlor 524 seinen Kopf. Erbe des gesamten Frankenreichs wurde 558 der jüngste Sohn Chlodwigs, Chlothar I., der zunächst als König über das Gebiet um Soission herrschte und 558 das Frankenreich einte. (GRABOIS, 131 u. 136)
Aber schon unter seinen Söhnen gab es blutigen Zank. Chilperich, der seit 561 König in Soissons (von Neustrien) war, hatte die Westgotin Gailswintha geheiratet. Deren Schwester war Brunhilde, die Gattin von Chilperichs Bruder Sigibert I., der seit 561 König von Austrien war. Chilperich hatte eine Geliebte namens Fredegund, wegen der 567 die Gailswintha erdrosseln ließ. Das bewog Brunhilde, ihren Gatten Sigibert und ihre Söhne in einen Familienkrieg gegen Chilperich zu treiben. Beide Brüder kamen am Ende durch Mord um und nächster Reichseiniger wurde Chlothar II., der Sohn des Chilperich und der Gailswintha, der 613 die Alleinherrschaft erringen konnte, nachdem er die Brunhilde grausam hatte hinrichten lassen.
Auch Chlothar II. hinterließ mehrere Söhne und so wurde das Reich erneut geteilt. Der tüchtigste Herrscher dieser Teilreiche wurde sein Sohn Dagobert I. (um 605 bis 639), seit 623 König von Austrien, unter dessen Herrschaft das Frankenreich 629 erneut geeint wurde.
Ehe es dazu kam, hatten allerdings neben etlichen schwachen auch viele starke Merowingerkönige den Thron innegehabt.
Alle Mitglieder des Geschlechts der Merowinger sollen über dem Herzen oder zwischen den Schulterblättern ein Zeichen (Muttermal) in Formn eines Kreuzes gehabt haben (LINCOLN/BAIGENT/LEIGH: Der heilige Gral und seine Erben, z. n. LÖNNENDONKER, S. 283).
Man nannte die Merowinger Könige mit den langen Haaren, weil sich diese ihr Haar nicht schnitten, da darin ihre Kraft liege (vgl. den biblischen Samson). Als Childerich III., der letzte Merowingerkönig, vom Arnulfiden Pippin d. J. abgesetzt worden war, ließ man ihm auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes die Haare scheren. Im Frankenreich durften auch nur Könige langes Haar tragen. LÖNNENDONKER sieht darin Hinweise auf eine Erbkrankheit der Merowinger, die Borsten auf dem Rücken gehabt haben sollen, die langen Haare hätten bei den Königen diese Eigentümlichkeit verdecken sollen, die kurzen Haare der Untertanen könnten eventuelle illegitime Sprößlinge aufdecken helfen. (Als die Götter jung waren, 283-294)
Die Merowingerkönige sollen enormes Charisma besessen haben. Es wird gesagt, sie seien Heiler gewesen, die durch Handauflegen heilten, hätten hellsehereische und telepathische Fähigkeiten gehabt sowie das Vernögen, sich mit den Geschöpfen der Natur zu verständigen. Ihr Königtum soll ein Priesterkönigtum gewesen sein, wobei die Herrscher die weltlichen Tagesgeschäfte ihren Hausmeiern überließen. Alle gefundenen Schädel merowingischer Herrscher wiesen einen Einschnitt im Schädeldach, der — so wird spekuliert — der Seele den Austritt aus dem Körper ermöglichen solte. (RITTER, 52f.)
Das Symboltier der Merowinger war die Biene, vielleicht auch die Zikade. Als man 1653 in Tournai das Grab Childerichs I. entdeckte, fand man darin rund dreihundert goldene Darstellungen dieses Insekts. (LINCOLN, BAIGENT, LEIGH,, 223)
Chlothar II. wurde auf der Synode von Clichy 626/27 als erster Frankenkönig mit dem Priesterkönig David und dessen Gottesdienst verglichen. (BORST, 79)
Sohn Chlodwigs war Childebert, der 511 den Thron des nördlichen Frankenreichs bestieg. Er setzte die erfolgreiche militärische Politik seines Vaters fort, eroberte Teile von Burgund und siegte 531 über die von Amalarich I. geführten Westgoten.
Der andere Sohn Chlodwigs war Chlotar (Clotachar). Der 498 Geborene erbte das Teilreich um Soissons und war seit 511 dessen König. Später gelangen ihm die Eroberung Thüringens und Burgunds, dann auch die Vereinigung des gesamten Frankenreichs. Diese Herrschaft zerfiel allerdings nach seinem Tod 561 wieder.
Der 570 geborene Childebert II. war seit 575 König. In Austrien regierte er nach der Ermordung seines Vaters Sigibert I. 575 noch unter der Vormundschaft seiner Mutter. 593 erwarb Childebert II. Burgund.
Chlothar II., Sohn Chilperichs I., war seit 584 König. Er siegte über Königin Brunhilde von Burgund und vereinigte so das gesamte Frankenreich. Er starb 629.
König von Austrien war seit 623 Dagobert I., (Dagobert v. kelt. dago gut u. ahd. beraht, glänzend) 629 wurde er König des gesamten Frankenreichs. Ehe er 639 starb, kriegte er heftig gegen die Slawen unter Samo.
Chlothar III., Sohn Chlodwigs II., war 657 bis 673 König von Neustrien und in Burgund. Weil er die Regierungsgeschäfte nicht selbst erldigen konnte, übernahmen das für ihn seine 680 gestorbene Mutter Balthilde und der Hausmeier Ebroin (680/681).
Childerich II. war zunächst König von Austrien (ab 662), 673 wurde er zum König des gesamten Frankenreichs, aber bereits 675 wurde er ermordet.
Letzter Merowingerkönig war Childerich III. Er wurde 743 von den Söhnen Karl Matells inthronisiert, aber 751 von dem Arnulfinger Pippin d. J. abgesetzt und in ein Kloster verwiesen.