| < zurück | |
| Deutschland - Franken | |
Eine Stadt am Main in Unterfranken, heute kreisfreie Stadt des Freistaats Bayern und Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Unterfranken. 1990 hatte Würzburg um 128.000 Einwohner.
Die ehemalige Festung Marienberg beherbergt heute das Mainfränkische Museum, zu dessen Sammlung auch Werke von Tilman Riemenschneider gehören.
Das Residenzschloß der Würzburger Fürstbischöfe entstammt dem 18. Jahrhundert und gilt als Hauptwerk Balthasar Neumanns (der auch die Käpelle erbaute, eine Würzburger Wallfahrtskirche).
Erstmalige Erwähnung findet Würzburg 704 als befestigter Platz Virteburch. In jener Zeit vom siebten bis zum achten Jahrhundert war es Zentrum des fränkisch-thüringischen Herzogtums.
741 oder 742 wurde Würzburg Bischofssitz, erster Bischof wurde der hl. Bonifatius.
Am 8. Juli 752 ließ Bischof Burkhard von Würzburg die Gebeine des um 689 ermordeten Märtyrers Kilian, dem Apostel der Franken, erheben, 788 überführte man sie in den als Grabeskirche gedachten Bau der Salvatorkirche zu Würzburg, aus der später die Neumünsterkirche wurde. Der spätere Kaiser Karl der Große war bei dieser Zeremonie anwesend.
Seit 1030 waren die Würzburger Bischöfe kraft einer Urkunde des Königs Konrad II. auch weltliche Herren der Stadt. Ab 1168 wurden sie als Herzöge von Franken Landesherren.
In dieser Periode entstand vom elften bis zum dreizehnten Jahrhundert der romanische Dom Würzburgs.
Um 1030 erfand der Würzburger Domschüler Asilo ein als Zahlenkampfspiel bekanntes und im Mittelalter beliebtes mathematisches Spiel. (BORST, 460f.)
1506 kam Thrithemius nach Würzburg und wirkte dort als Abt in St. Jakob.
Die Würzburger Fürstbischöfe Julius Echter von Mespelbrunn (1573 bis 1617) und Johann Philipp I. von Schönborn führten in Franken die Gegenreformation durch. Zudem ordneten sie das bis 1803 bestehende Hochstift neu.
1582 gründete Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn die Universität Würzburgs.
Der Würzberger Fürstbischof war seit Beginn des 17. Jahrhunderts ein eifriger Hexenverfolger. Über neunhundert Menschon sollen hingerichtet worden sein, darunter neunzehn Priester, ein Neffe des Fürstbischofs und sogar Kinder, welchen man geschlechtlichen Umgang mit Dämonen unterstellte. (BAIGENT u. LEIGH, 163)
1628 wurde der Kanoniker Nikodemus Hirsch von dem 1604 in Würzburg zum Priester geweihten Melchior Hammelmann, der selbst in den Verdacht der Hexerei geraten war, beschuldigt, mit zwei Frauen als Ministrantinnen eine Teufelsmesse zelebriert zu haben. Am 20. Oktober 1628 wurde Hirsch hingerichtet. Der Fall zog weitere Kreise und noch mehr Geistliche gerieten in den Verdacht der Hexerei. Heinrich Betz, der Vikar des Würzburger Stifts Neumünster, wurde am 10. November 1628 wegen des gleichen Delikts wie Hirsch hingerichtet. Schon vor ihm war der Vikar Johann Christoph Rüger entseelt worden; daß der Betz zur Teilnahme an einem Hexensabbat verführte, gestand Betz unter den Hieben der Peitsche. (DAXELMÜLLER, 158-160)
Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenburg ließ auf Anraten der Jesuiten seinen eigenen Sohhn und Erben als Hexer verbrennen. Später bereute er diese Entscheidung und um 1630 gebot er die Einstellung aller Hexenprozesse in seinem Bistum. (PICKERING, 72)
Johann Philipp I. von Schönborn, Fürstbischof von 1642 bis 1673, verbot in Würzburg alle weiteren Hexenprozesse (DAXELMÜLLER, 194), doch war das nicht von Dauer.
Am 21. Juni 1749 wurde in Würzburg die damals einundsiebzigjährige Maria Renata Singer von Mossau, Nonne im Kloster Unterzell bei Würzburg, hingerichtet und damit der letzte Hexenprozeß in Franken abgeschlossen. (DAXELMÜLLER, 286)
1803 wurde das Hochstift Würzburg säkularisiert.
Von 1806 bis 1814 war Würzburg Großherzogtum. Danach wurde es bayerisch, wobei es bis heute geblieben ist.
1817 wurde das Bistum Würzburg erneuert und der Kirchenprovinz Bamberg unterstellt.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt Würzburg erhebliche Schäden, als am 16. März 1945 britische Bomber weite Teile der Stadt zerstörten. Etwa 5.000 Menschen kamen dabei um. Wenigstens die historischen Bauten konnten zum Teil wiederhergestellt werden.
Zum Brauchtum rund um die Johannisfeuer schrieb FRAZER: In den Städten um Würzburg wurden die Feuer auf den Marktplätzen angezündet, und die jungen Leute, die darübersprangen, trugen Girlanden, besonders aus Beifuß und Eisenkraut und Lerchenspornstengel, in der Hand. Sie meinten, wer sich das Feuer durch Lerchensporn anschaue, werde im Laufe des Jahres keine Augenkrankheit bekommen. Ferner war es im sechzehnten Jahrhundert in Würzburg Sitte, daß die Anhänger des Bischofs brennende Holzscheiben von einem Berge oberhalb der Stadt in die Luft warfen. Die Scheiben wurden mit Hilfe biegsamer Ruten abgeschleudert und sahen in der Dunkelheit wie fliegende, feurige Drachen aus. (Der Goldene Zweig, 906)