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 Germanen - Geographie und Geschichte
 
 

Wandalen

(Vandili, Vandilii, Vanduli, Vandali, Vandalen, mögl. „die Beweglichen”, „Wandelbaren”, vgl. „Wandernde”) Die ursprünglichen Sitze dieses (ost-)germanischen Volksstammes werden in Skandinavien und Dänemark verortet. Im ersten Jahrhundert verließ man seine Heimat und zog nach Ostmitteleuropa, etwa in das Gebiet zwischen Oder und Weichsel, Netze-Warte und Karpaten. Dort bildeten die Wandalen das Hauptvolk der Kultgenossenschaft der Lugier, ihre wichtigste Stämme waren Asdingen (Hasdingen) und Silingen.
In der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts kam es zur Abwanderung von Teilen der Vandalen südwärts über die Karpaten, Slowakei und Siebenbürgen.

Die Daheimgebliebenen führten die wandalische Kultur fort und entfalteten reiche Blüte, von der archäologische Zeugnisse erhalten sind. So fand man Gräberfelder, Münzhorte, landwirtschaftliches Gerät und Eisenschmelzen in großer Zahl. Häufige Funde sind Keramiken, geschmückt mit Mäandern, Tiergestalten und Hakenkreuzen. Seit dem zweiten Jahrhundert ist der Gebrauch der Töpferscheibe belegt, dank der sich eine regelrechte Töpfereiindustrie entwickelte. Funde römischer Erzeugnisse und Münzen lassen auf regen Handel schließen, wobei den Wandalen der von den Römern begehrte Bernstein der Ostseeküste ein wichtiges Tauschgut war.

Erst die erneute Völkerbewegung, ausgelöst durch Hunnensturm (um 400) und Gotenzug, beendete diese Ära und die Wandalen zogen, begleitet von Sweben und Alanen, in Richtung Westeuropa, überschritten 406 den Rhein und drangen 409 in Spanien ein. Hier ließen sich die Asdingen und Sweben in Galicien, die Silingen im Süden (Andalusien, eigtl. Wandalusien, n. WASSERZIEHER, S. 231) und die Alanen im Südwesten nieder.

Wandalen setzten nach Nordafrika über, eroberten die dortige römische Provinz und König Geiserich (428 bis 477) gründete ein neues Wandalenreich mit Karthago als Hauptstadt, das bald auch die Mittelmeerinseln Balearen, Korsika, Sardinien und Sizilien (455) umfaßte.
533/34 zerstörte Belisar, der Feldherr des byzantinischen Kaisers Justinian I., dieses Wandalenreich.

 

Vermischtes

407 eroberten die Wandalen Reims, wobei Bischof Nikasius den Tod gefunden haben soll.

 

Der Begriff „Vandalismus” für sinnlose Sachbeschädigung aus Jux und Dollerei geht auf die Wandalen in ihrer Eigenschaft als Zerstörung bringende Eroberer zurück. Der Begriff ist „ein Märchen aus der Zeit der französischen Revolution von 1789” (WASSERZIEHER, S. 231). Denn es ist fraglich, ob die Züge der Wandalen mehr Ruin brachten als andere Kriegshandlungen. Man sollte sich besser derartiger Pauschalisierung bestimmter Völker enthalten. Das Schlagwort „Vandalismus” wird auf den Franzosen Abbé Henri Grégoire zurückgeführt, der es 1794 geprägt habe.
Nach anderen stammt der Begriff „Vandalismus” von Victor von Karthago, einem katholischen Bischof und Geschichtsschreiber im seinerzeitigen nordafrikanischen Vandalenreich (GRABOIS, 593). Die Vandalen waren Arianer und verfolgten die katholischen Christen.