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 Germanische Mythologie
 
 

Hvergelmir

(nord., Hwergelmir, „brodelnder o. brausender Kessel”) In der nordischen Mythologie ein Brunnen und rauschendes Wasserbecken, das in der Mitte Niflheims (Gylfaginning, 4) unter einer der drei Wurzeln der Esche Yggdrasil liegt (Gylf., 15).

Hier sammeln sich die Tropfen, die unablässig vom Geweih des Eikthyrnir herabrinnen. Dieser Hirsch steht auf der Halle Walhalla und frißt dort das Laub des Baumes Lärad (Grimnirlied, 4). Aus Hvergelmir entspringen alle Flüsse der Welt (Edda, Grimnirlied, 26), „Swöl, Gunnthra, Fiorm, Fimbul, Thul, Slidr und Hridr, Sylgr und Ylgr, Wid, Leiptr und Giöl, welcher der nächste beim Höllentor ist” (SNORRI, Gylfaginning, 4).
An anderer Stelle zählt SNORRI noch mehr dem Hvergelmir entspringende Flüsse auf: „Sid, Wid, Sekin, Ekin, Swöl, Gunnthro, Fiörm, Fimbulthul, Gipul, Göpul, Gömul, Geirwimul; diese umfließen der Asen Gebiet. Aber noch diese werden genannt: Thyn, Win, Thöll, Böll, Grad, Gunnthrain, Nyt, Naut, Nönn, Hrönn, Wina, Wegswin, Thiodnuma.” (Gylf. 39)

Hier haust auch der Drache Nidhöggr (Gylf., 15) in Gesellschaft zahlreichen weiteren Gewürms (Gylf., 16), das an des Baumes Faserwurzeln nagt (Grimnirlied, 32).
Hwergelmir „ ist der schlimmste Ort, wo der Totendrache Nidhöggr das Blut der Entseelten saugt (Gylf., 52). Damit fungiert Hwergelmir als höllischer Strafort wie in der christl. Visionenliteratur und ist nicht wie Hel der konsequenzlose Aufenthaltsort der Toten.” (STANGE, 411).

Das Wortteil -gelmir deutet auf eine Verwandschaft zu verschiedenen Riesen hin (Örgelmir, Thrudgelmir, Bergelmir). Tatsächlich entströmt hier das Wasser (Elivagar), aus dem in der Urzeit in Ginnungagap durch Vermählung mit dem Feuer der Urriese Ymir entsteht (GRIMM, 1992 I., S. 467).