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 Germanische Mythologie
 
 

Irminsul

(Irmansûl, Yrmensûl, Ermensul, ahd., „allgemeine, alles tragende Säule”, Irminsäule) Bei den Sachsen war Irminsul, benannt nach dem Kriegsgott Irmin, ein großer und heiliger Baumstamm, Sinnbild des Weltbaumes. Irmin (der Erhabene) war als Sohn des Mannus der Stammvater der germanischen Stammesgruppe der Herminonen.

Die Irminsul war ein Heiligtum heidnischer Germanen. Die gewaltige Säule soll die Verbindung des Himmels mit der Erde symbolisiert haben. Wenn diese Verbindung unterbrochen ist, gerate die Welt ins wanken. Irminsul wird daher als sächsische Entsprechung der eddischen Yggdrasil betrachtet. Diese soll zu Beginn des Weltenbrandes erbeben und das die Götterdämmerung (Ragnarök) ankündigen (Völuspá, 39).

Es soll mit der Irminsul eine hölzerne Säule gemeint gewesen sein, auf deren Spitze ein Götterbild stand. J. GRIMM stellt den Begriff ins Umfeld von altn. iörmungrund (terra, Erde), iörmungandr (anguis maximus, s. Midgardschlange) und iörmunrekr (taurus (Stier) maximus) sowie des römischen Händler- und Botengottes Merkur, der bei den Griechen Hermes hieß und dessen „Hermen” genannte Bildsäulen Wegmarkierungen waren (Deutsche Myth. (Bd. I, S. 96).
Als Verwandte dieser Säulen können die Donareichen angesehen werden, später die Rolandssäulen, die noch vielerorts zu sehen sind (Wedel in Holstein, Bremen).

Es gibt Vermutungen, die Irminsul könnte bei bzw. auf den Externsteinen bei Detmold gestanden haben. Den Triumph des Christentums über den eingesessenen Glauben soll das in dieses Naturmonument gemeißelte Kreuzabnahmerelief aus dem 12. Jh. zeigen. Umstritten ist, ob die gebogene Darstellung eines Baumes zu Füßen des Nikodemus eine orientalische Palme oder die gedemütigte Irminsul darstellen soll.

GRIMM führt in seiner Deutschen Mythologie (Bd. I, S. 96) die „Kaiserchronik” aus dem 12. Jahrhundert an, worin Hinweise auf mehrere Irminsäulen zu finden sind. Offenbar war die Bedeutung dieser Säule(n) im 12. Jahrhundert noch wohlbekannt.

zu Mercur heißt es dort:

„ûf einir yrmensûle
stuont ein abgot ungehiure,
den hiezen sie ir koufman;” (Massm. 624)

über Julius Cäsar heißt es:

„Rômere in ungetrûwelîche sluogen,
ûf einir yrmensûl sie in begruoben;” (Massm. 624)

und vom Zauberer Simon:

„ûf eine yrmensûl er steic,
daz lantvolc im allesamt neic;” (Massm. 4432)

Kaiser Karl („der Große”) bekämpfte in seinem Reich das Heidentum. Ein Schlüsselereignis dabei war die Zerstörung der Irminsul 772, nahe der sächsischen Hauptfestung Eresburg (Heresburg) in Westfalen. Dieser Ort liegt nahe Stadtbergen, doch merkt GRIMM dazu an, „gute gründe rathen, die seule sechs stunden tiefer im Osning anzusetzen” (Deut. Mythol., I, S. 96). Eresburg ist heute Obermarsberg, Irmin könnte statt dem Mercur/Hermes auch dem römischen Kriegsgott Mars nahegestanden haben.
An der Unstrut hatten die Sachsen ihrem Irmin eine Säule aufgerichtet (ebd., 293), in England gab es altenglischen Quellen zufolge vier Straßen, die die in Insel in alle vier Richtungen durchschnitten, eine davon war die Ermingestrete, die von Norden nach Süden verlief (ebd., 295.). Das erinnert an die drei Wurzeln am Stamm des nordischen Weltbaums Yggdrasil (ebd., I., S. 300 u. II., S. 667).

An Stelle des Heidentums etablierte Karl mit teils brutaler Gewalt das Christentum und entschied den Kampf zwischen Franken einerseits und Sachsen sowie Friesen andererseits für sich.
Die Zerstörung heiliger Stätten und Symbole hatte System, wenn der allmächtige Gott verbreitet wurde: Antiken Götterstandbildern wurden Köpfe und Brüste abgeschlagen, bei den Germanen traf es die heiligen Haine und Bäume. So fiel beispielsweise die Donareiche der Axt des Bonifatius zum Opfer.