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| Germanische Mythologie | |
(Mímr, Mímir, nord. Erinnerer, Weiser) Ein nordgermanisches Weisheits- und Orakelwesen und weiser Riese. Mimir hütet an der zweiten der drei Wurzeln von Yggdrasil die Quelle Mimisbrunnr (BELLINGER, 315).
Jeden Morgen trinkt Mimir aus seinem Brunnen, der Quelle von Weisheit und Verstand ist, Met, wobei das Gjallarhorn Trinkgefäß ist. Daher ist er das weiseste aller Lebewesen. Um selbst einen Trunk aus diesem Brunnen zu erhalten hatte ihm der Ase Odin eines seiner Augen verpfändet (Edda, Völuspa, 23, Gylfaginning, 15). Eine Deutung sieht dieses Trinkhorn Gjallar als Symbol des Halbmondes, das im Brunnen schwimmende Auge Odins als Vollmond (COTTERELL, 208).
Nach Beendigung des Asen-Vanen-Krieges begab sich Mimir gemeinsam mit Hoenir zu den Vanen. Die aber schlugen Mimir das Haupt ab und sandten es zurück an die Asen (Yngl. saga cap. 4, n. GRIMM, Deutsche Mythologie, 314). Odin schützte das abgtrennte Haupt mit Kräutern vor Verwesung und erhielt ihm durch Zauber die Sprache (COTTERELL, 208).
Zum Eintritt von Ragnarök wird sich Odin mit Mimirs Haupt, das unter Yggdrasils Wurzel verwahrt liegt, beraten (Völ., 38, Gylf., 51).
Mimir gehört nicht zu den Asen, wird von ihnen aber ob seiner Weisheit hoch geschätzt. Möglicherweise ist Mimir eine ältere Naturgottheit, der erst später zum Riesen und Waldgeist wurde (GRIMM, Deutsche Mythologie, I., S. 314).
Etliche Ortsnamen gehen auf Mimir zurück. GRIMM nennt Mimigardiford, den alten Namen von Münster in Westfalen, ebenfalls in Westfalen liegt Minden, dessen früherer Name Mimidun lautete, Memleben an der Unstrut hieß Mimileba (Deutsche Mythologie, I., S. 314).
Mimir (Mime) war auch Name eines Schmiedes, bei dem Velint und Sigfrit ihre Kunst erlernten (ebd.).