Das Schwarze Netz - zum Anfang< zurück
 Germanische Mythologie
 
 

Naglfar

(nord., Nagelfar, „Nagelschiff”) In der nordischen Mythologie ein Totenschiff, erbaut aus den Nägeln der Verstorbenen.
Es ist das größte aller Schiffe (das beste ist Skidbladnir) und gehört dem Muspel (Edda, Gylfaginning, 43).

Zum Eintritt des Götterschicksals Ragnarök wird sich die Midgardschlange im Meer wälzen, so daß das Land überflutet wird und Naglfar flott wird. Der Riese Hrymir wird sein Steuermann (Gylf., 51, Völuspa, 42). In der Völuspa heißt es zudem, Loki werde das Steuer halten und von Osten her Muspels Leute ans Land schiffen (43), wo in der Ebene Wigrid die Schlacht zwischen Riesen und Göttern stattfinden wird (Gylf., 51).

Um die Ankunft von Naglfar hinauszuschieben ist es daher hilfreich, den Toten die Nägel zu schneiden (Gylf., 51). Dieser Mythos deutet die Ferne des Weltenendes an; lange Zeit wird vergehen, ehe der gewaltige Rumpf aus den schmalen Nägeln zusammengefügt sein wird. Vergleichbar ist die Vorstellung vom Berg der Ewigkeit: Alle hundert Jahre trägt hier ein Vogel ein Sandkorn hinzu (GRIMM, Deut. Myth., II., S. 679).

 

Naglfari heißt auch der erste Gatte der Nacht Nott. Ihr gemeinsamer Sohn war Audr (Gylfaginning, 10).