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| Germanische Mythologie | |
(nord. Raunende) In der nordgermanischen Mythologie Schicksalsgöttinnen und Geburtshelferinnen, die den Schicksalsfaden der Menschen und Götter spinnen.
Sie heißen Urdr (das gewordene), Verdandi (das werdende) und Skuld (das werdensollende), d. h. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Von den drei Schicksalsgöttinnen enthält die Edda einen abgeschlossenen tiefsinnigen Mytus. Sie heißen gemeinschaftlich Nornir, einzeln aber Urdr, Verdandi, Skuld. Der Ausdruck Norn hat sich bisher in keinem andern Dialekt aufgefunden, gehört jedoch ohne Zweifel echtdeutscher Wurzel an, und ist wie Dorn, Korn, Horn u.s.w. gebildet, ahd. würde man Norn, pl. Norni gesagt haben; auch die schwed. und dän. Sprache kennen ihn nicht mehr. In den drei Eigennamen sind die Formen abstrakter Verba unmöglich zu verkennen: Urdr ist aus dem Pluralablaut von verda (vard, urdun) entnommen, Verdandi ist das fem. part. praes. des nämlichen Worts, Skuld das part. Praet. von Skula, d. h. dem Wort, mit welchem die mangelnden Flexionen des Futurums umschrieben werden. Es ist also sehr passend das Gewordene, Werdende und Werdensollende, oder Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bezeichnet und jede der drei Parzen in einer dieser Richtungen aufgestellt. (GRIMM, II., 335)
Urd soll von den Dreien die Angesehenste sein, immerhin heißt eine der drei Brunnen der heiligen Esche Yggdrasill Urdrbrunnr.
Neben diesem Brunnen liegt der Saal, aus dem die drei Nornen kommen (Gylfaginning, 15).
Die Nornen verwalten das Schicksal örlög, erspähen, verhängen es und sprechen es aus. Auch die Lebenszeit des Menschen wird von den Nornen bestimmt. Als Wächterinnen des Fenriswolfes entscheiden sie letztlich auch über den Weltuntergang Ragnarök.
Die Edda erwähnt sie vielwissende (Völuspa 14) und als drei geheimnisvolle Wesen, die Hohe, die Genausohohe und die Dritte, die die Geheimnisse des Universums enthüllten und das Buch des Schicksals schrieben; daher stammt ihr anderer Titel Die Schreiberinnen.
Neben diesen Nornen, welche aller Menschen Lebenszeit bestimmen, gibt es andere, die sich bei Geburt des Kindes einfinden und ihm seine Lebensdauer ansagen (Gylgafinning, 15).
Ihnen wird verschiedenerlei Herkunft nachgesagt, von Göttern, Alben und Zwergen:
Gar verschiedenen Geschlechts scheinen mir die Nornen
Und nicht einen Ursprungs.
Einige sind Asen, andere Alfen,
Die dritten Töchter Dwalins (Gylfaginning, 15). So sagt es auch der Fafnir dem Sigurd (Lied vom Drachenhort, 17)
Die Nornen gehören wie die Walküren zu den Disen.
Ihnen vergleichbar sind in der römischen Mythologie die Parzen, bei den Griechen die Moiren (BELLINGER, 349). Die slawischen Völker kennen die drei kleinen Schwestern Zorya.
Auf englisch heißen sie Weird-Sisters, vom germanischen wyrd, Schicksal. Vgl. Shakespeare, "Macbeth".