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| Germanen/Deutsche - Heldensage | |
Ein Held der deutschen Sage.
Ortnit war König der Lombardei und herrschte von seiner Burg Garden über das Land von den Alpen bis hinunter nach Sizilien.
Trotz seines Ruhms war Ortnit ein unzufriedener Mensch, der gern dem Hofe entfloh und allein in den Bergen der Jagd frönte. Einmal blickte er abends versonnen über das Meer, als er ein Meerwunder in Form eines Nebels erblickte, in dessen Schwaden er hoch über den Mauern einer Burg eine wunderschöne Jungfer sah. Aus dem Traum weckte ihn Yljas, Fürst der Reußen und Bruder seiner Mutter, der ihm mitteilte, sein Traumgesicht sei Sidrat gewesen, die Tochter des Königs Machorell, der bereits 72 Freier ihrer Tochter köpfen und ihre Häupter auf die Zinnen seiner Burg Muntabure pflanzen ließ.
Trotzdem ihm seine Hofleute und Yljas von seinem Plan abzuhalten versuchten, beharrte Ortnit auf seinem Entschluß und er beschloß, im kommenden Frühjahr gen Machorell zu ziehen.
Ehe das Frühjahr nahte, dürstete es Ortnit nach Taten und er rüstete zu einer Jagd in den Bergen. Seine um ihn besorgte Mutter gab ihn einen Ring mit auf die Reise, der dem Sohne stets hilfreich sein solle. Auch weissagte sie ihm, er werde an einer mächtigen Linde ein Wunder erleben.
Wohlgemut zog Ortnit von dannen und erreichte auch bald die Linde, wo er ein schlafendes Kind zu sehen meinte. Ortnit bekümmerte das offenbar mutterseelenallein dort liegende Kind und wollte es an die Brust nehmen, als ihm das vermeintliche Kind einen heftigen Stoß vor die Brust versetzte. Sie rangen miteinander und es stellt sich heraus, daß dieser Knabe der Zwergenkönig Alberich war und Ortnits Vater, den der nur dank des Ringes erblicken konnte. Nachdem geklärt war, daß die Verbindung Alberichs mit der Mutter Ortnits eine Ehrenhafte war, schlossen beide Frieden und Ortnit erhielt vom Zwergenkönig Rüstung, Helm und das Schwert Rosen, das von Zwergen kunstreich geschmiedet und in Drachenblut gehärtet war.
Als Alberich ihm berichtete, daß er sein Vater sei, schäumte Ortnit zunächst ob dieses vermeintlichen Angriffes gegen die Ehre seiner Mutter. Erst als Alberich ihm erklärte, daß die Ehe seiner Mutter mit ihrem ersten Mann kinderlos geblieben war und sie ihn erst erhört hatte, als der erste Mann ins Grab gesunken war, sie mithin ohne Tadel den Zwergenkönig ehelichte, war das Verhältnis zwischen Alberich und Ortnit bereinigt.
Im Frühjahr konnte Ortnit nun mit Yljas und ihren Scharen gen Tyrus aufbrechen, die Hauptstadt des Reiches von Machorell. Mit der Hilfe des Alberich und dank der Mordwut des reußen Yljas gelang die Eroberung der Stadt ehe man gegen Muntabure zog, der Burg des Machorell. In diese schlich sich unerkannt, da unsichtbar, der Zwergenkönig Alberich, der die Frauen am Hof des des Machorell, unter ihnen die Königstochter Sidrat, entmutigte, indem er die Statuen der von ihnen angebeteten Götter Apollon und Machmet in den Burggraben stürzte.
Alberich beredete Sidrat, anderen Morgens zum unter dem Vorwand, sie wolle die Götter zur Rückkehr auf die Burg bewegen, in den Burggraben hinabzusteigen. Da diese unterdessen den kämpfenden Ortnit gesehen und lieben gelernt hatte, ging sie auf das Ansinnen ein, Ortnit hob sie auf sein Roß und sie ritten davon.
Da nun das Ziel des Heerzuges erlangt war, zudem das Heer der Angreifer schwer geschädigt, segelte man zurück in die Heimat, wo Sidrat an der Seite des Geliebten bald ihre Herkunft verwand, zur Christin wurde und sich auf den Namen Liebgart taufen ließ, ehe prachtvoll Hochzeit gefeiert wurde.
Eine Weile lebte das Königspaar glücklich dahin, Ortnit erwarb sogar die Kaiserkrone, als eines Tages ein Gesandter aus dem Mohrenland erschien. Dieser war ein Riese namens Welle, der von Machorell Botschaft überbrachte. Der habe als Zeichen der Versöhnung Geschenke gesandt, darunter außer allerlei Tuchen und Geschmeide zwei riesige Eier. Diese, so Welle, seien Eier der abrahamschen Wunderkröte, was aus ihnen von seiner Gattin Ruotze ausgebrütet werde, solle der sagenhafte, im Dunkeln leuchtende Krötenstein und ein Wundertier werden, das die Grenzen des Reiches gegen feindliche Angriffe sichere.
Arglos glaubte man den Worten des Riesen und ließ ihn mit seiner ebenso ungeschlachten Frau ins Gebirge bei Trient ziehen, wo Ruotze in einer feuchten Kluft die Eier erbrütete. Zunächst hatte ein jeder seine Freude an den schlüpfenden Lindwürmern, doch wuchsen diese rasch heran und wurden immer gefrässiger, daß sogar die Riesen vor ihnen in ein anderes Tal flüchteten, die Drachenbrut jedoch begann, die Gehöfte ringsumher zu plündern und Herden samt Hirten zu verschlingen.
So sah Ortnit sich gezwungen, gegen das Ungetier zu ziehen. Er verabschiedete sich von seiner sorgenden Gattin und begab sich zunächst zu Welle und Ruotze, die er, da sie beide ihn mit Eisenstange und Baumstamm als Keulenersatz empfingen, niederstreckte. Ortnit zog weiter in die Berge, auf der Suche nach den Drachen, und begegnete unterwegs den Alberich. Der sagte seinem Sohn den Tod voraus, doch vermochte er Ortnit nicht von seinem Vorhaben abzubringen. Immerhin erhielt er von Ortnit den Ring, den er dessen Frau im Falle eines tödlichen Ausganges überbringen wollte.
Ortnit ritt weiter und gelangte zu jener Linde, wo er einst seinen Vater als vermeintliches Kind schlafend vorgefunden hatte. Ermattet fiel er hier in einen tiefen Schlaf, so daß er nicht bemerkte, wie einer der Drachen herankam, der ihn zermalmte und zu seiner Brut ins Drachennest schleppte. Die jungen Lindwürmer konnten zwar den Panzer des Helden nicht knacken, doch saugten sie mit spitzen Mäulern das Fleisch aus der Rüstung, womit das irdische Dasein des Helden sein Ende gefunden hatte.
Ortnits Witwe Liebgart vermochte sich als Landesfremde nicht gegen die bald keck werdenden Großen des Landes durchsetzen (die Mutter war bei der Todesnachricht tot niedergesunken) und sie wurde von denen karg bemittelt vom Thron gestürzt, während die nun herrenlose Lombardei weiter vom Drachen verheert wurde, ehe Wolfdietrich die Ungeheuer überwinden und die Nachfolgeschaft des Ortnit antreten konnte.
Erzählt überwiegend nach Deutsche Heldensagen, Herrsching, o. J., S, 77f.