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| Germanische Mythologie | |
(Rigr) Das in der Edda erhaltene Merkgedicht von Rig schildert den Zustand der mittelalterlichen Gemeinschaft des Nordens mit ihren drei Ständen Knechte, Bauern und Jarlen sowie dem König, dem auch priesterliche Aufgaben zukamen.
Es wird angenommen, daß mit diesem Rig der Gott Heimdall gemeint ist, auch Odin wird vermutet. Rig ist ein irisches Wort und bedeutet König. Dieser, ein Ase, besucht nacheinander drei Familien. Stets wird er freundlich aufgenommen, doch ist der Zustand des Hausstandes jeweils ein anderer. Überall verbringt Rig jedoch drei Nächte, besonders wohl mit der Frau des Hauses, denn jeweils neun Monate nach seinem Besuch wird ein Sohn geboren.
In der ersten Hütte wohnten Ahn (Ain, Großvater) und Edda (Großmutter), die in einfachsten Verhältnissen ein müßiges Leben führten. Sie vermochten Rig nur ein schlichtes und grobes Mahl anzubieten, doch war er´s zufrieden, gab Rat, verbrachte drei Tage bei ihnen und zog weiter.
Edda war schwanger geworden und gebar einen Sohn, einen runzligen, schmuddelig braunen und wenig ansehnlichen Knaben, den sie Knecht nannten. Herangewachsen kam zu ihm die Tippelmaid, gewachsen wie er, sie heirateten und hatten viele Kinder, die den Stand der Knechte und Mägde bildeten.
Das nächste Paar bewohnte eine Halle, das Paar Ätti und Amma traf Rig bei der Arbeit an. Bei ihnen wurde er reicher bewirtet, das Brot war besser, es gab Fleisch und Bier und Rig riet wie zuvor bei den Ärmeren.
Auch Ätti war schwanger geworden, den frisch-roten, gesunden Knaben nennen sie Karl. Als er erwachsen war, holten seine Eltern ihm die Schnur heim, die Herrin der Schlüssel genannt war. Ihre Kinder hießen Bauer, Schmied, Degen, Maid, Frau, Tüchtige usw., von ihnen stammt der Stand der Freien.
Rig besuchte ein drittes Paar, es bewohnt einen Saal, den Hausherrn findet er bei Sichtung seiner Waffen, die Frau bei der Sorge um ihr Kleid vor. Hier gibt es für ihn ein reiches Mahl mit Wein, das sogar auf Tischtuch dargeboten wird, das Mahl begleiteten Gespräche und zuletzt gab Rig auch ihnen Rat.
Entsprechend geriet der bald geborene, lichte und helle Knabe Jarl, der sich schon in früher Jugend in den Waffen übte. Dabei traf in einmal im Walde Rig an, der dem Jarl die Runen lehrte und sich ihm als Vater zu erkennen gab.
Jarl entwickelte sich so zu einem Krieger, der im Krieh seinen Besitz erweiterte, ehe er um die Erna aus vergleichbar reichem Hause werben ließ, mit der er zwölf Kinder zeugte von denen eines König (Konungr, reicher Fürstensproß) genannt wurde.
Dieser Jung-König übte sich besonders im Gebrauch der Runen, seine Weisheit erhob ihn über seine Geschwister, er vermochte Feuer zu bändigen und die Sprache der Vögel zu verstehen. Krähen krächzten ihm von seiner Bestimmung, reiche Güter des Dan und des Danp zu erobern.
Hier bricht die Dichtung der Edda ab, doch wird der weitere Hergang aus anderen Quellen rekonstruiert. Demnach bekriegte Jung-König die von den Krähen genannten Dan und Danp mit Erfolg. Die Tochter des Danp, Dana, freite er, legte sich als erster den Königstitel zu und begründete das Geschlecht der Könige Dänemarks, von denen die Könige Schwedens abstammen.
Für unwahrscheinlich gilt, daß das Merkgedicht des Rig eine alte Volkssage ist. Dagegen sprechen zum einen historische Gründe, zum anderen kommt sie bei SNORRI (um 1230) noch nicht vor (Die Edda, 1991, in der Übertragung von Felix Genzmer, S. 119-128).
Insgesamt verherrlicht das Merkgedicht die kriegslustigen Wikinger, da der spätere König kaum erwachsen Kämpfe ficht. Auch sind gewisse Tendenzen rassischen Überlegenheitsgefühls enthalten.
Es wird auch gemutmaßt, anstelle des Heimdall könnte mit Rig der Gott Odin gemeint sein (STANGE, Die Edda, 420).