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| Deutsche/Franzosen - Helden- u. Rittersage | |
(span. Orlando, engl. Rowland; selten weiblich Rolande, Roland von ahd. Hruodnand, hruod, Ruhm + nand, kühn) Eine Gestalt der Rittersage. Der Roland der Sage ist einer der zwölf Paladine Karls d. Gr., die bei dessen Feldzug nach Spanien die Nachhut verteidigte. Als historische Figur ist Roland der Markgraf Hruodlandus von der Bretagne, der 778 bei Roncesvalles gegen die Truppen des Kalifen Abd el Rahman fiel.
Die Taten Rolands besingen mehrere Heldenlieder aus Spanien, Italien und Frankreich. Um 1100 entstand der französische Chanson de Roland, den der Pfaffe Konrad um 1170 christlich umgearbeitet ins Deutsche übertrug.
Vielerorts, besonders im nördlichen Deutschland, wachen überlebensgroße steinerne Statuen des Roland über Marktplätze. Dargestellt ist meist ein mit Schwert und Schild bewaffneter Ritter. J. GRIMM vermutete einen Zusammenhang zwischen diesen Rolandssäulen und den germanisch-heidnischen Irminsäulen (Deut. Mythol., Bd. I., S. 98). Kaiser Karl nehme in einigen Sagen Züge des Gottes Wuotan ein, sein edelster Held Roland verhalte sich zu ihm wie Donar, wie auch die Säulen des Hercules zu Ehren dieses antiken Helden dem Überwinder von Riesen und sonstigen Feinden galten (ebd., 326f.). Seit dem Mittelalter waren sie vermutlich Rechtssymbol und versinnbildlichten die städtische Marktfreiheit. Die älteste Darstellung dieser Art ist der erste Bremer Roland aus dem Jahre 1181, die heute dort stehende Figur ist aus dem Jahr 1404.
Roland lebte zur Zeit Kaiser Karls und diente dem im Kampf gegen die muslimischen Mauren, die auf der Iberischen Halbinsel Fuß gefaßt hatten und von denen Karl die Südwestflanke seines Reichs bedroht sah. Maurischer Gegenspieler Karls war der Sage nach besonders Marsilie, der in Saragossa am Fluß Ebro in Nordwesten der Halbinsel seinen Sitz hatte.
Als Marsilie mit Hilfe anderer Sarazenenfürsten die Christen hart zu bedrängen begann und auch etliche Kirchen zerstören ließ, beschloß Karl einen Feldzug gegen den Feind. An der Spitze des Heeres stand Erzbischof Turpin, begleitet von helden wie Oliver, die Grafen Walter und Otto, der listige Ganelon und neben vielen anderen besonders Roland, der Sohn von Karls Schwester und Stiefsohn Ganelons.
Roland hatte sich schon in vielen Schlachten hervorgetan, gefürchtet war sein Schwert Durendart (unzerbrechlicher Stahl), mit seinem Horn Olifant, einer Silberdrommete, konnte er in bedrängter Lage Hilfe herbeirufen.
So zog Karl an der Spitze seiner Franken über die Pyrenäen und jagte die Mauren vor sich her, vor Saragossa forderte er von Marsilie friedliches Beigeben und sandte darum Boten zum Hofe des Mauren. Der ließ aber die Gesandten töten und meinte, Saragossa und die Stadt Tortosa seien für den Kaiser der Christen uneinnehmbar.
Aufgebracht über die Antwort und dem Mord an den Gesandten marschierte Karl zunächst gegen Tortosa an der Mündung des Ebro und schon der Schall des Olifants versetzte die Mauren in Schrecken, ehe Karls Truppen die Stadt einnahmen und die Mauren allesamt niedermetzelten. Karl setzte seinen Siegeszug fort, nach Tortosa fiel auch Cordoba, danach Stadt um Stadt, bis nurmehr Saragossa in der Hand der Mauren war.
Beunruhigt hielt Marsilie Rat, sein listiger Berater Blancandrin riet seinem Herrscher, zum Schein Unterwerfung anzubieten. Widerstrebend willigte Marsilie ein und sandte Blancandrin an der Spitze einer Gesandtschaft mit ungeheuren Schätze zu Kaiser Karl, dem bedeutet wurde, man sei zu jeder Gabe bereit, wenn man verschont bleibe. Erzbischof Turip, besonders aber Roland und Oliver rieten ihrem Kaiser, besser die militärische Entscheidung zu suchen, Ganelon jedoch, unterschützt von Herzog Naimes von Bayern, warb für gütliche Einigung, sei die Menge des Goldes doch für weitere Unternehmungen wertvoll. Der Kaiser stimmte schließlich dem Rat Ganelons zu und sandte den auf rolands Rat hin selbst zu Marsilie. Ganelon vermutete, Roland wolle des Stiefvaters auf diese Weise ledig werden, womit das weitere Verhältnis zwischen Beiden von Mißtrauen geprägt war.
In Saragossa wurden die Gesandten Karls ehrenvoll von Marsilie empfangen und sichtlich genossen die Franken das Wohlleben am Hofe Marsilies. Dessen Berater Blancandrin entging nicht, daß besonders Ganelon von den Reichtümern angetan war, und er unterbreitete seinem Herrn den Vorschlag, einen Versuch der Bestechung zu wagen. Geblendet von dem Gold, besonders von einem Dolch, der alles Eisen in das edle Metall verwandeln sollte, schmiedete man ein Bündnis zum Verrat.
Ganelon kehrte zum Kaiser zurück und meldete, Marsilie wolle fortan Frieden halten, die Christen schützen und jährlich einen ungeheuren Tribut entrichten, wenn Karl nur seine Truppen über die Pyrenäen zurückziehe. Der Kaiser, des Aufenthalts in der südlichen sonne müde und sich nach seiner Pfalz zu Aachen sehnend, ging gern darauf ein und man beschloß, nur eine kleine Streitmacht unter Führung von Erzbischof Turip, Oliver und Roland zurückzulassen um des Mauren ehrlichkeit zu prüfen.
Karl war nun schon nach Norden gezogen, als die Zurückgebliebenen eine Rast im Tal von Ronceval hielten, wo sie sich vom Hauptheer verabschiedet hatten. Aber kaum war das Zeltlager errichtet, da bemerkten sie den Angriff des Sarazenenheers. Zwar konnten die Christen den Überfall abwehren, doch war es nur eine Teilstreitmacht Marsiles gewesen. Überdies hatte Ganelon ein weiteres Maurenheer von hinten herangeführt, und eine gewaltige Schlacht hub an.
Endlich stand es so schlimm um die Franken, daß Roland sein Horn Olifant ertönen ließ, das nur in äußerster Not geblasen werden durfte. Sein Schall erschreckte die Angreifer, was den Christen kurze Erholung verschaffte, doch rasch hatten sich die Mauren erholt und griffen erneut an. In furchtbaren ringen erschlug Roland den Sohn des Marsilie, Jufarto, und auch dem selbst hieb er mit seinem Schwerte Durendart den Arm ab. Doch auch die Franken waren besiegbar und schließlich waren nur mehr Erzbischof Turpin und Roland am Leben, doch zu Tode getroffen. Turpin starb als erster der Beiden und Roland blies noch einmal mit aller Kraft in Olifant, das er sodann auf dem Schädel eines Sarazenen zerschmetterte, der, obgleich selbst im Sterben, Roland hinterrücks zu erdolchen trachtete. Nachdem nun Olifant dahingegangen war, suchte Roland auch das Schwert Durendart zu zerschmettern, doch hielt es der Wucht eines Schlages gegen einen Felsen stand und spaltete diesen, ehe auch Roland kraftlos daniedersank.
Endlich traf Karl, der weithin den Schall des Horns vernommen hatte, mit seinem Heer ein. Erschüttert von dem Anblick der vielen toten Getreuen, zudem ergrimmt vom Verräter Ganelon, der überlebt hatte und nun in Ketten gelegt wurde, stürmte er südwärts gegen den Ebro, wo er auf die Armee des von Roland schwer verwundeten Marsilie traf. Der Maure fiel in der Schlacht und Karl schloß mit Kalifen von Babylon, Blutsbruder des Marsilie und von dessen Verrat aufgebracht, Frieden. Fortan sollten Christen und Muslime auf der Halbinsel friedlich zusammenleben.
Daheim in Aachen strengte Karl ein Verfahren gegen Ganelon an, ein Gottesurteil sollte über Schuld oder Unschuld entscheiden. Ganelon selbst war nicht fähig, eine Waffe zu führen, darum trat an seiner Stelle sein riesenhafter Neffe Pinabel im Zweikampf gegen Gottfried von Anjou an. Pinabel unterlag und damit war auch Ganelons Schicksal besiegelt.
(erzählt nach G. AICK, Rittersagen des Mittelalters, 1965).