| Germanische Mythologie - Runen | ||
Ich weiß, daß ich hing
am windigem Baum
neun Nächte lang,
mit dem Ger verwundet,
geweiht dem Odin,
ich selbst mir selbst,
an jenem Baum,
da jedem fremd,
aus welcher Wurzel er wächst.
Sie spendeten mir
nicht speise noch Trank;
nieder neigt ich mich,
nahm sie rufend auf;
nieder dann neigt ich mich.
(Edda, Runenlehren 25 B 1-2, Übers. GENZMER)
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Runen sind germanische Schriftzeichen, ursprünglich in Holz, später auch in Stein und Elfenbein geritzt. Die Runen wurden fast nur für Inschriften benutzt, erst später wurden damit auch Handschriften gefertigt. Das gemeingermanische Runenalphabet, nach den ersten Buchstaben Futhark genannt umfaßt 24 Schriftzeichen.
Es heißt, daß die Runen auf Muster südeuropäisch-nordalpiner Alphabete zurückgingen. Als Entstehungszeit werden die Jahrhunderte kurz v. u. Z. angenommen. Aber auch das schiere Gegenteil wird angenommen: die Runen waren die Urschrift, von ihnen wurden die mediterranen Schriften abgeleitet. Sei es wie es wolle, nachzuweisen ist da wohl nichts.
Die ältesten bekannten Runendenkmäler stammen aus der zweiten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts (Spange von Himlingøe bei Kopenhagen, Speerspitze von Øvre Stabu). Einen mit Runeninschriften versehehen römischen Helm fand man in Österreich, möglicherweise die Grabbeigabe für einen Krieger der Kimbern, die seinerzeit Rom bedrohten.
Etwa aus dem Jahr 200 stammt das Goldene Horn von Gallehus. Seit dem Ausgang des vierten Jahrhunderts begann man in Skandinavien damit, Runen auch in Stein zu hauen. Deutsche Runeninschriften finden sich vom fünften bis siebten Jahrhunderts nur auf losen Gegenständen.
Zwischen 900 und 1025 erreichte die Runenkunst in Dänemark, später in Schweden einen Höhepunkt. Bekannt sind mehr als 2000 Denkmäler. In diese sind die Runen meist in ein kunstvolles Schlangenornament eingehauen.
Unter friesischen Einfluss und in England kommt es zu einer Erweiterung auf 28 Schriftzeichen (angelsächsisches Runenalphabet), in Skandinavien hingegen wurde es auf 16 Zeichen vereinfacht (skandinavische Runenschrift).
Die 24 Runen des Futhark sind in drei Einheiten unterteilt: Die ersten acht bilden das Aett des Freyr, die folgenden das Aett des Odin und die übrigen acht das Aett des Tyr.
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Das Befragen von Holzstäbchen mit eingeritzten geometrischen Mustern kommt auch bei anderen Völkern vor. So befragten die Römer die Göttin Fortuna nach ihrem Schicksal und zogen zu diesem Zwecke Lose, die ebenso beschaffen waren und von Priestern gedeutet wurden.