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 Deutsche Sagen
 
 

Schwarze Frau

Auf dem Golm bei Swinemünde ließ sich immer am Johannistag (24. Juni) eine Frau mit Schlüsselbund sehen, die ihrer Erlösung harrt. (mündl. aus Swinemünde, KUHN u. SCHWARTZ, 29)

Am Johannistage kam „einmal eine arme Frau auf den Berg, die sammelte trockene Buchnüsse, und als sie nach Hause kam, hatte sie die ganze Kippe voll von Goldstücken.” (mündl. aus Swinemünde, ebd., Sa. 30)
„Ein ander Mal kamen ein Paar Mädchen am Johannistage auf den Berg, und es war gerade der Geburtstag der einen. Als sie nun aber oben waren, kam ihnen alles ganz verändert vor, und sie sahen sogar ein Haus stehen, durch dessen Fenster sie einen alten Mann mit langem Barte erblickten, der eifrig mit Geldzählen beschäftigt schien. Als sie ein Paar Schritte weiter gingen, sahen sie in der Ferne eine schwarze Frauengestalt auf sich zukommen, die ihnen freundlich winkte und auf ein Loch im berge zeigte; erst glaubten sie fast, es sei eine Nachbarin, und gingen näher, aber alsbald erkannten sie ihren Irrthum und wollten umkehren. Da verwandelten sich die Züge der Frau und waren schrecklich anzusehen, sie wuchs gewaltig von der Erde empor, ihr langes schwarzes Haar flatterte im Winde und nun flog sie gar durch die Luft daher auf sie zu. Da flohen sie eilig von dannen, den steilen Berg hinunter, aber die schwarze Frau brauste stets hinter ihnen her und ließ erst vom Verfolgen ab, als sie unten auf der Wiese ankamen.” (KUHN u. SCHWARTZ, 29)

Ähnlich erging es einem Mann, der auf dem Berg gleichfalls eine Höhle vorfand. In dieser erblickte er Gold und Silber in Hülle und Fülle, womit er seine Taschen stopfte. Als ihm aber die schwarze Frau bedeutete, er solle näher kommen, packte ihn das Grauen und er floh eiligst aus der Grotte, die sich hinter ihm krachend schloß. Noch lange danach soll aus dem Innern ein Gejammer zu hören gewesen sein. (KUHN u. SCHWARTZ, 29)

Ein andere Sage berichtet von einer schwarzen Frau, die Steinbrucharbeitern erschien und um Erlösung bat.
„In der Nähe von Zehden in der Neumark legen gewaltig viele und große Granitblöcke, so daß dort immer viele Steinhauer zu thun haben. Mal waren deren auch mehrere bei der Sprengung eines gewaltigen Blockes beschäftigt, da springt im selben Augenblick, wo er zerplatzt, eine ganz schwarze Frau aus demselben hervor, die dahinein verwünscht war. Sie hat nun kläglich gebeten, daß einer der Arbeiter sie doch erlösen möge, und hat sie wollen verlocken, Üppigkeit mit ihr zu treiben, und thäte es einer dreimal in einer Stunde, so wäre sie erlöst, aber es hat’s keiner thun mögen und da ist sie jammernd verschwunden” (mündl. von einem Schäfer aus Neuendorf, in: KUHN u. SCHWARTZ, 29)

Eine schwarze gekleidete Dame fuhr allnächtlich aus einem Stein auf den Marktplatz von Treptow. Um sie zu erlösen muß sich einer von ihr küssen lassen und dabei ganz ruhig bleiben — das gelang aber nicht einmal einemn wackeren Wachsoldaten, denn zum Kuß erscheint die schwarze Frau in Gestalt einer großen Schlange. (KUHN u. SCHWARTZ, 10)

Wie es eine schwarze gibt, so kennt die Sage auch eine weiße Frau.