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 Germanische Mythologie
 
 

Skuld

(nord. „Schuld, Zukunft”) Skuld ist die jüngste der drei Nornen. Sie steht für das Werdensollende und ist die jüngste der Nornen.
Diese drei Nornen heißen Urd, Verdandi und Skuld (Edda, Völuspa, 14).

Gelegentlich wird Skuld zu den luftreitenden Walküren gezählt GRIMM, 1992 S. 335) befindet, daß sie als die jüngste der drei Nornen von diesen auch am ehesten zu jenen Kriegsjungfrauen zu denken ist. Sie und die Walküren Gudr und Rota „reiten beständig den Wal zu wählen und des Kampfes zu walten” (Gylfaginning, 36).

Wie auch Heidr oder Hamglöm streift Skuld nächtens durch die Wälder, ehrerbietig wird sie von den Menschen eingeladen und um Weissagung gebeten. Auf dem Schemel Seidhjallr sitzend läßt sie diese an ihrem Zauber Seidr teilhaben.

Von F. G. Klopstock stammt die Ode „Skulda” (1766).

Skulda

Ich lernt' es im innersten Hain,
Welche Lieder der Barden, ah,
In die Nacht deines Tals sinken, Untergang,
Welch' auf den Höhen der Tag bleibend umstrahlt.

Ich sahe - noch beb' ich vor ihr -
Sah der richtenden Norne Wink;
Ich vernahm hör' ihn noch - ihres Fluges Schlag,
Daß bis hinauf in des Hains Wipfel es scholl.

Gekühlt von dem wehenden Quell,
Saß und hatt' auf die Telyn1 sanft
Sich gelehnt Braga. Jetzt brachte Geister ihm,
Die sie, in Nächten des Monds, Liedern entlockt,

Die Norne Werandi, und sie
Hatt' in Leiber gehüllt, die ganz
Für den Geist waren, ganz jeden leisen Zug
Sprachen, Gebilder, als wär's wahre Gestalt.

Zehn neue. Sie nahten. Nur eins
Hatte Mienen der Ewigkeit,
Vom Gefühl seines Wertes schön errötend, voll
Reize des Jünglings und voll Stärke des Manns.

Mit Furchtsamkeit trat es herzu,
Als es stehen die Norne sah,
Die allein nach des Tags fernen Hügel führt
Oder hinab, wo die Nacht ewig bewölkt.

Nachdenkender breitete schon
Skulda schattende Flügel aus;
Doch es sank nieder noch ihr der Eichenstab,
Dessen entscheidender Wink Toren nicht warnt.

Die Neune betraten den Hain
Stolz und horchten mit trunkenem Ohr
Dem Geschwätz, welches laut Stimmenschwärme schrien
Und von dem wankendem Stuhl Richter am Tal.

Sie schreckte das Lächeln im Blick
Skuldas nicht, und sie schlummerten,
Noch getäuscht, ahnungsfrei, auf den Kränzen ein,
Welche jetzt grünen ihr Traum, welken nicht sah.

Ah, Norne! ... Sie hub sich im Flug,
Schwebt' und wies mit dem ernsten Stab
In das Tal. Taumellos endlich schlichen sie
Kürzeren, längeren Weg, aber hinab.

Dem einen nur wandte sie sich
Nach den schimmernden Hügeln hin.
Es entfloß Lautenklang ihrer Flügel Schwung,
Da sie sich wandt', und der Stab Ewigkeit wies.

1Telyn: Die Leier der Barden
 
Nach: Klopstock, Oden und Epigramme.
Reclam Universal-Bibliothek 1391 - 1393, Leipzig. o.J.