Das Schwarze Netz - zum Anfang< zurück
 Germanische Mythologie
 
 

Weiße Frau

In dieser Gestalt der Sage ist nach Ansicht des Volkstumssammlers Adalbert KUHN Wuotans Gemahlin zu erkennen, wie jener als grauer Mann erscheint (Nordeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche, Anm. Nr. 366)

Im Sagenbuch der GEBRÜDER GRIMM heißt es: „Die schlohweiße Frau erscheint in Wäldern und auf Wiesen, bisweilen kommt sie in Pferdeställe mit brennenden Wachskerzen, kämmt und putzt die Pferde, und Wachstropfen fallen auf die Mähnen der Pferde. Sie soll, wann sie ausgehet, hell sehen, in ihrer Wohnung aber blind sein.” (Deutsche Sagen Nr. 122)

„In der Familie des Fürsten von Fürstenberg zu Herdingen [sic, Herdringen, Westf.] hat sich stets, wenn ein Todesfall bevorstand, eine weiße Frau, aber wenn eine Hochzeit, ein grauer Mann sehen lassen.” (mündl. aus Bergkirchen, KUHN u. SCHWARTZ, Sa. 366)

Auch an anderer Stelle führte der Umgang mit der weißen Frau zum Tode:

In Swinemünde hieß es einst, auf dem Kalkberge unweit der Bohlbrücke bei Swinemünde habe sich gelegentliche eine weiße Frau mit einem großen Bund Schlüssel gezeigt. Einmal erblickte diese ein Mann aus Swinemünde, als die weiße Frau gerade im See Wäsche wusch. Er rief „Gott helf”, worauf die Frau sehr zornig wurde, denn hätte er „Gott helf uns allen” gerufen, dann wäre sie erlöst gewesen. Wütend warf sie dem Mann ihr Schlüsselbund ins Genick, wovon der drei Tage später verstarb. (mündl. aus Swinemünde, ebd., Sa. 29)

Die weiße Frau weist auch den Gebrauch der Schlüsselblume zum Auffinden eines Schatzes:

Einmal soll bei der Ruine Blankenhorn nahe Sirchingen in Schwaben ein Kuhhirte eine Schlüsselblume gepflückt und sich an den Hut gesteckt haben. Er bemerkte, daß die Kopfbedeckung ungewöhnlich schwer wurde und stellte fest, daß sich die Blume in einen silbernen Schlüssel verwandelt hatte. Im selben Augenblick erschien ihm eine ganz in Weiß gewandete Frau, die ihm eine Felswand wies, welche sich bei Berührung mit der verwandelten Schlüsselblume öffnete. Die sich auftuende Höhle im Heuchelberg war voller Gold und der Hirte steckte ein, was er tragen konnte. Er vernahm eine Stimme: „Vergiß das Beste nicht”, und griff sich noch einige Schätze, die Schlüsselblume ließ er aber liegen. Als er die Höhle verlassen hatte, war sie ihm für immer verschlossen. In Kolbenkamm in Baden war es ein Schafhirt, der auf ähnliche weise von einer Frau beschert wurde. Die weiße Frau dieser Sagen soll der germanischen Göttin Freia entsprechen, die mit einem Schlüssel in ihrer Krone vorgestellt ist (SIEG, 164f.).

 

Berichte von der Erscheinung einer weißen Frau im norddeutschen Holstein gibt es aus den Gegenden um Barmstedt, (HUBRICH-MESSOW, 189) oder Vaale (HUBRICH-MESSOW, 172).

Als weiße Frau erscheint auch die Frau Holle am Kyffhäuser.

 

Wie es eine weiße Frau gibt, so gibt es auch eine schwarze Frau.