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 Griechische Mythologie
 
 

Philomela

(Philomele) Die Tochter des Königs Pandion von Athen und der Zeuxippe.

Philomela hatte eine Schwester namens Prokne, welche mit dem Tereus, König in Thrakien, vermählt war und die sie gern einmal wiedergesehen hätte. Also begab sich Tereus nach Athen zu Pandion, seinem alten Bekannten, und erreichte von dem die Erlaubnis, seine Tochter mit ihm reisen zu lassen.
Tereus erwies sich aber als unehrenhaft und verschleppte, kaum war man in Thrakien, Philomela an einen einsamen Ort und vergewaltigte sie. Damit Philomela die Untat nicht anzeigen konnte, schnitt er ihr die Zunge aus und sperrte sie in einem Gehöft ein. Seiner Gattin Prokne erzählte er sodann, die Schwester sei unterwegs gestorben, was die ihm glaubte.
Philomela gelang es aber in ihrem Gefängnis, die Kunde von dem ihr angetanen Verbrechen in ein Tuch zu weben und das der Prokne zuzustellen. Unter dem Vorwand der Teilnahme am Dionysosfest schlich sich Prokne zu ihrer Schwester, befreite die aus ihrem Gefängnis und nahm sie mit sich in ihren Palast. Prokne, außer sich vor Wut, sann auf Rache und als Itys, ihr und des Tereus kleiner Sohn, zu ihnen trat, tötete Prokne diesen dem Vater so Ähnlichen mit dem Schwert, die Schwestern zerstückelten und kochten ihn.
Das gab Prokne ihrem Gatten zur Mahlzeit, und kaum hatte der ahnungslos seinen Sohn verschlungen trat Philomela hinzu und schleuderte ihrem Vergewaltiger das noch blutige Haupt des Itys entgegen.
Daraufhin ergriffen die Schwestern die Flucht und verwandelten sich in Vögel („die eine von ihnen sucht den Wald, die andere schlüpft unter Dächer”), der sie verfolgende Tereus wurde zum Wiedehopf, der mit seinem langen Schnabel und dem Federbusch an einen gewappneten Krieger mit Speer erinnert. (OVID, Metamorphosen VI., 426-674)

Nach anderer Darstellung kamen die Schwestern auf ihrer Flucht nur bis Daulias in Phokis und baten dort die Götter um Verwandlung in Vögel. So geschah es, und Prokne wurde in eine Nachtigall und Philomela in eine Schwalbe verwandelt (oder umgekehrt), Tereus in einen Wiedehopf. Zwischen Wiedehopf und den anderen Vögeln soll daher eine Feindschaft bestehen.

 

Eine etwas andere Version der Geschichte erzählt, Tereus habe dem Pandion gegenüber behauptet, die Prokne sei ihm gestorben und nun begehre er die Schwester zur Gemahlin. Pandion willigte ein und ließ seine zweite Tochter nebst Gefolge ziehen. Dieses jedoch ersäufte Tereus unterwegs und die Prokne, welche in Wahrheit noch lebte, schickte er zu König Lynkeus, einem anderen König in Thrakien. Dessen Gemahlin Lathusa war der Prokne aber eine gute Freundin und verhalf beiden Schwestern zur Flucht.

 

Aus der Antike schon stammt die Interpretation, die Verwandlung der Schwestern in Nachtigall bzw. Schwalbe spiele auf das Klagen und Winseln an, das die beiden auf ihrer Flucht vernehmen ließen. (PAUSANIAS, Attika, 41)

 

Die Darstellung folgt, abgesehen von der Passage nach OVID, HEDERICH, Spn. 1981-83.