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 Griechische Mythologie
 
 

Chaos

(von griech. cheinein „gähnen”) Der unermeßliche Weltenraum am Anfang der Welt, Urgrund allen Seins sowie der ungeordnete, regellose Urzustand vor Erschaffung der Welt.

Nach HESIOD war zuerst das Chaos, danach die breitbrüstige Gaia und der Eros. (Theogonie, 115-120).
Dann entstanden aus dem Chaos Erebos („finsterer Grund”) und die dunkle Nacht Nyx. Diese beiden brachten den Aither („Himmelshelle”) und Hemere („Tag”) hervor. (ebd., 123-126).

Die Nacht soll in orphischer Vorstellung ein Ur-Ei ausgebrütet haben, das aus der Vermengung des Aither mit dem Chaos hervorgegangen war, den zwei Grundprinzipen, hier das ungeordnete, wilde Material, dort der reine, ordnende Geist.

Bei OVID waren es ein unbestimmter Gott und bessere Ordnung, die den Zwiespalt der in einem Gebilde unverbunden umherwabernden und einander widerstrebenden kalten und warmen, weichen und harten, trockenen und feuchten Massen aufhoben. Geschieden wurden bei diesem Akt Meer, Erde und Himmel, wobei die dichtere Luft noch vom feineren Äther getrennt wurde. Fortan war zuoberst der leichte Äther, darunter die Luft und unten die vom Wasser umströmte Erde, die zu einer großen Kugel geformt war und deren Bäger und Täler von zahllosen Wasserläufen durchströmt sind (Metamorphosen I,5-43).

Vorstellungen vom ungeordneten Urzustand sind sehr verbreitet. Chaos ähnelt darin beispielsweise dem hebräischen Tohu wabohu oder dem nordischen Ginnungagap.
Eine in diesen Ideen von Schöpfung als Prozeß des Ordnens liegender Anklang von Polarität ist bei der oben angerissenen orphischen Vorstellung deutlich.

Als Wort oder Wortbestandteil ist Chaos geläufig. Auch Gas, dieser ungreifbare Aggregatzustand, rührt etymologisch hierher.
Die spätere, geordnete Welt ist der Kosmos.

Siehe auch Daemogorgon.