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 Griechische Mythologie
 
 

Chtonia

Dieser Name bedeutet „die Unterirdische” und steht für den unterirdischen Aspekt der Großen Mutter.

Chtonia soll die Schwester des Klymenos gewesen sein, beide Kinder des Phoroneus. Sie beide errichteten zu Hermione einen Tempel der Göttin Demeter, die hier als Thermasia und — in ihrem Heiligtum auf dem Berg Pron — als Chtonia verehrt wurden. Auch der Name des Klymenos ist Beiname einer unterirdischen Gottheit, nämlich des Pluto.

Von dem alljährlich im Sommer zu Hermione gefeierten Fest zu Ehren der Chtonia berichtet der griechische Reiseschriftsteller PAUSANIAS:

„Voran gehen in dem Festzug die Priester der Götter und die Jahresbeamten, und es folgen Frauen und Männer. Auch die noch Kinder sind, dürfen schon die Göttin in dem Festzug ehren. Diese tragen weiße Gewänder und auf dem Kopf Kränze. Geflochten werden die Kränze aus der Blume, die sie hier Kosmosandalon nennen, eine Hyazinthe, wie mir scheint, nach Größe und Farbe [Gartenrittersporn]; an ihr befinden sich auch die Buchstaben der Klage. Dem Festzug folgen Männer, die eine ausgewachsene Kuh aus einer Herde führen, gefesselt und vor Wildheit noch ungebärdig. Wenn sie sie zum Tempel getrieben haben, dann lassen die einen die Kuh aus den Fesseln los, um in den Tempel zu rennen, andere halten die Türen so lange offen, und wenn sie die Kuh im Tempel sehen, schliewßen sie die Türen. Drinnen warten vier alte Frauen, und diese erledigen die Kuh; die, der es gelingt, schneidet der Kuh mit einer Sichel die Kehle durch. Dann werden die Türen wieder geöffnet, und die damit Beauftragten bringen eine zweite Kuh und danach eine dritte und noch eine vierte. Und die Frauen erledigen sie alle ebenso, und dieses weitere Wunder ereignet sich bei dem Opfer. Auf die Seite nämlich, auf die die erste Kuh fällt, müssen auch alle anderen fallen. Auf diese geschilderte Weise geht das Opfer in Hermione vor sich. Vor dem Tempel stehen nicht viele Statuen von Priesterinnen der Demeter, und drinnen stehen Throne, auf denen die Frauen das Hereinstürmen bei jeder der Kühe erwarten, und nicht sehr alte Statuen, eine Athena und eine Demeter. Das, was sie mehr als das andere verehrten, das sah ich nicht und auch kein anderer Mann, weder ein Fremder noch ein Hermioneer selbst. Mögen es die alten Frauen allein wissen, was es ist.” (Argolis, 34,5-8)

In Phrygien (Kleinasien) und Thrakien verwendete man für den Begriff „die Unterirdische” bzw. Chtonia den Namen Semele. Diese galt als Mutter des Dionysos. (KERÉNYI, 201)

 
 

 
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