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| Griechische Mythologie | |
Dionysos - Übersicht |
Der goldlockige Dionysos (HESIOD, Theogonie, 947) gehörte später zu den zwölf Olympioi, indem er im Pantheon die Hestia ersetzte. Seine Eltern sind in diesem Falle Zeus und Semele. Mit Ariadne ist er Vater des Priapos und er ist Vater des Hymen. Attribute des gehörnt dargestellten Dionysos sind Thyrsosstab und Phallos, Rebe und Becher. Er zählt zu den sterbenden und auferstehenden Gottheiten. Ihm heilig ist der Esel.
Über die Abstammung dieses weithin verehrten Gottes gibt es viele Meinungen.
Seine Eltern seien Zeus und Persephone (röm. Jupiter und Proserpina) gewesen, als Väter werden auch Nilus und Kaprius genannt. Wenn der Vater Zeus/Jupiter ist, so wird auch der Mond Luna (Selene) als Mutter angegeben, die Demeter oder, nach HESIOD, die Semele, die Tochter des Kadmos, was am bekanntesten ist. (Theogonie, 940f.)
Es sollen auch Nisus und Thione die Eltern gewesen sein, Ammon und Amalthäa, Kronos und Rhea oder seine Mutter sei die Isis gewesen.
Man kann aus dieser Mannigfaltigkeit auf hohes Alter der Gottheit schließen.
Ammon hatte die Nymphe Amalthäa geschwängert und verbarg den neugeborenen Dionysus vor seiner Gattin Rhea auf der vom Triton umflossenen Insel Nysus, wo ihn die Nymphe Nysa in einer Höhle aufzog. Sein Lehrer wurde Aristäus, der Vater der Nysa, ihm vor der Rhea zu schützen wurde die Athene beauftragt.
Ähnlich dem Ammon handelte Zeus, der sein von Semele geborenes Kind vor der Hera versteckte. Durch deren List war die Mutter verbrannt, das Kind aber wurde von Zeus ausgetragen und dem Hermes übergeben, der es zur weiteren Auzucht zu Ino und Athamas brachte. Diese zogen den Kleinen gut auf, wurden aber von der Hera in Raserei versetzt, daß sie ihre eigenen Kinder töteten.
Sicherheitshalber verwandelte Zeus den kleinen Dionysos in einen Ziegenbock, den wieder Hermes nach der Stadt Nysa in Asien brachte, wo ihn Nymphen weiter aufzogen, die später als Hyaden zu Sternen wurden.
Es heißt auch, Kadmos habe seine Tochter Semele nebst dem Dionysos in einen Kasten gesperrt und dem Meer übergeben. Der Kasten trieb in Oreatis/Lakonien an und der noch lebende Dionysos wurde von den Horen oder in Euböa von der Makris aufgezogen.
Es gelten aber auch die Insel Naxos, die Städte Eleutheris und Theben, der Berg Nysa und andere Orte als Stätte seiner Geburt und Aufzucht wie auch seine Ammen verschiedene weitere gewesen seien.
Dionysos - Übersicht |
Dionysos wußte um die Kraft seines Rauschtranks gut Bescheid. Er ließ einer Quelle Wein entspringen, aus der die rasend über das Land ziehende doppelgeschlechtliche Agdistis trank und sich selbst kastrierte.
Als Sohn der Persephone und des Zeus soll Dionysos den Pflug und das Ochsengespann erfunden haben.
Vom thebanischen Dionysos, dem Sohn des Zeus und der Semele, wird erzählt, daß er nach wollüstiger Jugend eine Schar Frauen um sich versammelt habe, die Mänaden oder Bacchantinnen, die um ihre Stäbe Weinreben wandten (Thyrsos) und mit denen Dionysos seinen Zug durch die Welt antrat, dabei Streitigkeiten ganzer Städte und Völker beygeleget und allenthalben Frieden gestiftet, Zusammenkünfte der Menschen geordnet, und andere dergleichen Dinge mehr eingeführet, welche zur Bequemlichkeit des menschlichen Lebens gedienet (HEDERICH, Sp. 504)
Vielfach wurde er mit Freuden aufgenommen, mancher aber widersetzte sich seinem Siegeszug. Den Lykurgus strafte er in Thrakien, den Myrrhanus in Indien, den Pentheus in Theben.
In Ionien schiffte Dionysos sich gen Naxos ein, doch waren die Schiffer tyrrhenische Seeräuber, die den Gott, den sie nicht erkannten, nach Asien entführen wollten. Erfrischend berichtet OVID, wie Dionysos, den der Römer Bacchus nennt, wie das Schiff mit einem Mal fest stand, ganz mit Efeu berankt wurde, zudem gesellten sich furchterregende Trugbilder, Tiger, Luchse und Panther, um den Gott. Die erschrockenen Seeleute verwandelten sich in Delphine und sprangen ins Wasser. (Metamorphosen 3.597-691)
Dieser Dionysos, den seine Mutter zu diesen Reisen trieb, soll im Westen bis zur iberischen Halbinsel gekommen sein, wo nach seinem Gefährten Lusus Lusitanien, nach dem Pan Spanien benannt ist.
Im Osten soll er in Indien am Ganges zwei Säulen errichtet haben, auch gründete er die Stadt Nysa. Den Tigris soll er dadurch benannt haben, daß er auf einem Tiger reitend über diesen Fluß setzte.
Laut dem Sänger ORPHEUS fiel Dionysos, kaum daß er bei Persephone angekommen war, in einen drei Jahre währenden Schlaf. Erwacht verbrachte er seine Tage mit den Nymphen singend und tanzend (Hymn. 52,3).
Der ägyptische Dionysos soll außer dem Wein auch die Früchte zuerst zu Rosinen getrocknet haben. Seinetwegen trennte sich Rhea von Ammon und hetzte ihren Bruder Kronos gegen den, der nach Kreta flüchten mußten und in Nysa den Dionysos aufsuchte, am Ende aber von Kronos geschlagen wurde. Als Taten dieses Dionysos werden die Erlegung des Ungeheuers Kampen in Libyen genannt, er machte sich die Menschen zu Freunden, half den Olympiern gegen die Titanen (eigentlich war der Sieger sein Esel, dessen Schrei die Titanen erschreckte) und setzte Rhea und Kronos gefangen, mit denen er sich leidlich versöhnte.
Dem Ammon errichtete er in Libyen Tempel und Orakel, eroberte dem Zeus Ägyptenland und zog durch die ganze Welt.
Wo immer das Klima solches zuließ, lehrte er den Weinbau, in rauheren Gegenden gebührt ihm die Ehre, die Kunst des Bierbrauens begründet zu haben.
Als die Götter vor dem ungeheurem Typhon flohen, verwandelte Dionysos sich in einen Ziegenbock, um vor dem Furchtbaren sicher zu sein (Metamorphosen V,329).
Im Kampf gegen die Giganten verwandelte er sich in einen Löwen und stürzte sich als erster der Götter wider den Feind.
Einmal dankte Dionysos dem Oeneus freundlichen Umgang mit dessen Frau Gemahlin. Ihm verehrte Dionysos einen Weinstock und die Kunde, solchen zu bauen, woran das griechische Wort für Wein erinnert (HYGINUS, Fab. 129), die Wissenschaft vom Wein, die Oenologie, hat diesen Oeneus zum Namenspatron.
Wenig Begeisterung fand der Wein bei attischem Landvolk. Diese wähnten, Ikarios, der als dessen Wirt von Dionysos den Wein erhalten hatte, habe sie mit dem Trunk vergiften wollen und erschlugen ihren König. Als dessen Tochter den toten Ikarios fand, erhängte diese Erigona sich. Dionysos strafte die Übeltäter, indem er die Töchter der attischen Metropole Athen mit einer besondere Neigung zum Strick belegte, was erst aufgehoben wurde, als die Athener den Verstorbenen genügende Achtung erboten hatten (HYGINUS Fab. 130).
Auch Leukippe, Arsippe und Leukothoe fanden kein Gefallen am Fest des Dionysos und arbeiteten lieber daheim am Spinnrocken. Der Gott des Weines verwandelte Gerät und Geweb' in Efeu und Reben, die fleißigen Töchter des Minyas in flatternde Fledermäuse (Metamorphosen IV,389).
Außer der Trunkenheit durch Rauschtrank soll Dionysos auch die religiöse Berauschung der Menschheit befördert haben, indem er diese in der Opferung unterwies (Gründl. mythol. Lex., Sp. 508).
Verwandelt haben soll er seinen Gefährten Cissus in den Efeu, die Nymphe Syka in eine Feige und die Staphyla in eine Weintraube.
Lustig ist die Episode mit Midas. Der hatte dem Dionysos seinen im Rausch verloren geglaubten Silenos wiedergebracht und durfte sich etwas wünschen. Midas entschied sich für goldmachende Hände, die ihn fast verhungern ließen, hätte Dionysos ihn nicht von seinem törichten Wunsch erlöst.
siehe auch
- weiteres zur Verehrung des Dionysos / Bacchus
- Namen und Beinamen des Gottes
Quelle:
Soweit nicht gesondert angegeben folgt die Sammlung HEDERICHs Gründl. mythol. Lexikon.