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| Griechische Mythologie | |
Die Trostlosigkeit der Unterwelt bei Homer, die der strahlenden Götterwelt der Olympier entgegenstand, ließ den antiken Menschen, die um das siebte Jahrhundert vor das Individuum, das Ich, entdeckten, nach alternativen Vorstellungen vom nachirdischen Sein suchen. Zu ungeheurer Popularität kamen die Mysterienkulte, besonders die von Eleusis.
Bei diesem Kult ging es um die Trauer der Erdmutter Demeter um den Verlust ihrer geliebten Tochter Kore (Persephone) und ihre Wiederfindung. Dabei sind beide Göttinnen so eng miteinander verbunden, daß weniger an zwei getrennte Gestalten zu denken ist als eine Gottheit, die sich spaltet und wieder eins wird.
Eleusis, gelegen in der Nähe Athens, war zunächst unabhängig, ehe es sich anfang des 6. Jahrhunderts der athenischen Macht beugen mußte. Doch war das Ansehen des Kultes so hoch, daß sich Athen mit diesem Vorort schmückte, eine Heilige Straße verband beide Orte.
Auch der Tempeldienst verblieb in der Hand des eleusinischen Adels. Der Hohepriester (Hierophant), die Demeterpriesterin und weitere Beteiligte des Kultes entstammten über Jahrhunderte hindurch diesen Familien.
Wie alle Mysterienkulte waren auch die von Eleusis eine esoterische Alternative und Ergänzung, nicht aber Kokurrenz zum offiziellen, exoterischen Kultus. Wer in ihre Geheimnisse eingeweiht werden wollte, mußte ein Mensch von Anstand sein, Klasse, Geschlecht oder Herkunft spielten keine Rolle.
Jeweils im Frühjahr wurden die vorbereitenden Kleinen Mysterien für die Initianden abgehalten, Zeremonien der Reinigung mit Fastenzeit, Gebet, Tanz und Opfer. Im Herbst war die Zeit der neuntägigen Großen Mysterien. Dabei wurden die heiligen Gegenstände des Kultes nach Athen gebracht, wo im Eleusinon die Feierlichkeiten begannen.
Die Einzuweihenden unterzogen sich durch ein Bad in der Bucht von Phaleron einer Reinigung. Mit sich führten sie dabei ein Ferkel, das im Anschluß der Demeter geopfert wurde. Ihnen schlossen sich am folgenden Tage Gaben aus Getreide an, welches von dem benachbarten rharischen Feld stammte. Hier hatte Demeter einst dem Triptolemos das erste Getreidekorn geschenkt.
Nachdem die angehenden Mysten dergestalt die nötigen Vorbereitungen erledigt hatten, begaben sie sich am kommendem Morgen nach Eleusis. Dabei führten sie einen mit Myrten und Blumen geschmückten Stab mit sich, an dem ein Sack hin, in dem sich Nahrung und Kleider befanden, denn nach der Initiation legte man neue Sachen an, um so die innere Erneuerung nach außen zu dokumentieren. Kurz vor der etwa 20 Kilometer entfernten Kultstätte überquerte man den Fluß Kephissos, wo die Teilnehmer von dort versammelten Schaulustigen die oft derben Brückenspäße über sich ergehen lassen mußten.
War das glücklich überstanden, stimmte man den Festruf Iakchos an und erreichte endlich den heiligen Ort. Den Mysten band man rote Wollfäden um, eines um das rechte Hand-, eines um das linke Fußgelenk und band sie so gleich einem tierischen Opfer an die Göttin.
Am Brunnen Kallichoros (Brunnen der schönen Tänze), wo einst die Eleusiner versucht hatten, die trauernde Demeter mit Tanz und Gesang aufzumuntern, tanzten nun die Mysten und tranken das Kykeon, ein Trank aus Gerste und Wasser. Dann betraten die Mysten, deren Haupt verhüllt war und die sich so ganz dem Kommenden anvertrauten, in Begleitung ihres Mystagogen, einem bereits eingeweihten Beistand, den heiligen Bezirk betreten. Der Weg war gesäumt von den Fackeln tragenden Priestern, eine symbolhafte Reinigung durch das Feuer.
War diese Prüfung bewältigt, durfte der Myste die heiligen Gegenstände berühren, die sich in der cista mysthica befanden. Was diese Gegenstände genau waren, ist unbekannt, doch vermutet man Nachbildungen menschlicher Geschlechtsteile oder ihre symbolischen Entsprechungen, Mörser und Stößel. Danach gelangte der Myste in eine dunkle Grotte, einem Nachvollzug des Abstiegs der Kore in den Hades.
Der letzte Abschnitt der Einweihung bestand im Gang zur Weihehalle, einer Wiederholung der auf der Suche nach ihrer Tochter umherirrenden Demeter. In diesem Telestrion fanden gut 3000 Menschen Platz, es war ein Bau, der unter Perikles um 440 vor errichtet wurde, 52 x 54 Meter im Geviert und wie ein Stadion von Rängen für die Zuschauer umgeben. 42 Säulen trugen das Dach des Heiligtums. Darin befand sich das Anaktoron, das Allerheiligste. An dieser Stelle wohnte einst die trauernde Demeter. Es wurde das heilige Feuer entfacht und die eigentliche Weihe vollzogen. Der Hierophant zeigte den versammelten die heiligen Gegenstände, darunter eine geschnittene Ähre, deren Wunder dem Eingeweihten nun erkenntlich war.
Unter Gongschlag und dem Ruf Einen heiligen Knaben gebar die Herrin Brimo, den Brimos! wurde ein Widder geopfert und den Versammelten erschien, wie auch immer, die Kore. Damit schließen die eigentlichen Riten.
Am nächsten Tag fand ein gemeinsames Festmahl statt, bei dem die mitgeführten neuen Kleider getragen wurden.
Die Bedeutung dieser Mysterien muß im Altertum eine ungeheure gewesen sein, unzählige ließen sich einweihen, darunter mehrere römische Kaiser. Doch die neue Staatsreligion, das kurz zuvor noch selbst unterdrückte Christentum, duldete im Gegensatz zur freizügigeren Antike keinerlei anderen Glauben und 391 verbot der Kaiser Theodosius alle heidnischen Kulte, gut hundert Jahre später fanden die letzten Mysterienfeiern in Eleusis statt.
Eine Darstellung des Kultes von Eleusis findet sich bei Aristophanes in seiner Komödie Die Frösche, dem Interessierten sei die ausführliche Darstellung von Marion Giebel (Das Geheimnis der Mysterien, 2. Aufl. 1993, S. 17 - 54) empfohlen, der dieser knappe Abriß folgt.
| Literaturhinweis |
| Jung, Carl Gustav, Karl Kerenyi Einführung in das Wesen der Mythologie Der Mythos vom göttlichen Kind und Eleusinische Mysterien. 1999 Walter Vlg., Düsseldorf |
| Giebel, Marion Das Geheimnis der Mysterien Antike Kulte in Griechenland, Rom und Ägypten. 2000 Artemis/Patmos, Düsseldorf |
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| Aristophanes Die Frösche Zweisprachige Ausgabe. Griechisch / Deutsch. Reclam, Ditzingen |
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