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 Griechische Mythologie
 
 

Endymion

Dieser soll Abkömmling des Gottes Zeus gewesen sein, entweder als dessen Sohn oder als Sohn von Aethlios, einem Sohn des Zeus; seine Mutter ist Kalyke, eine Tochter des Aiolos.

Endymion war je nach Überlieferung Hirte, Jäger oder ein König in Elis, der dorthin aus Thessalien gekommen war. Von Zeus durfte er sich (wegen seiner besonderen Gerechtigkeit) einen Wunsch erfüllen lassen. Endymion bat sich ewige Jugend und Unsterblichkeit aus, zudem einen immerwährenden Schlaf; sogar in den Himmel soll ihn Zeus aufgenommen haben. Dort habe er sich aber dort in dessen Gattin Hera verliebt, nach manchen soll er deshalb von Zeus in Dauerschlaf versetzt worden sein.
Während dieses Schlafes schwand sein Wohlstand aber nicht, vielmehr gedieh seine Herde aufs Prächtigste.

Jedenfalls ruhte Endymion fortan in Karien auf dem Berg Latmus in einer Höhle. Weil er so schön war, verliebte sich die Mondgöttin Selene (auch gedeutet als Diana) in ihn und stieg zu ihm herab, wovon fünfzig Töchter das Licht der Welt erblickten, wenn sie ihn nicht bloß geküßt hat, wie andere sagen.

Vor seinem Dauerschlaf soll Endymion eine menschliche Familie gehabt haben. Seine Gemahlin soll Asterodia oder Chromia gewesen sein, Söhne sind Päon, Epeus und Aetolos, eine Tochter Eurykyde. Als Gattin wird auch Hyperippe genannt, Kinder sind dann Phthir und Pisa. Als Vater des Aetolos gilt auch die Nymphe Seide, ein anderer Sohn soll Aethlios oder Naxos gewesen sein, letzterer ist Namensgeber der Insel Naxos.

Von seinen Söhnen wird erzählt, Endymion habe in Olympia in Elis ein Wettrennen veranstalten lassen. Epeos, der als Sieger hervorging, sei ihm später in der Königsherrschaft gefolgt, er selbst in Elis begraben worden.
Die Höhle, wo er auf Dauer schlafen soll, soll sich im kleinasiatischen Gebirgsstock Latmos befinden (BAMM, 244).

 

Endymion soll — nach späterer Deutung — ein Sternenkundiger gewesen sein, der als Erster den Gang des Mondes genau beobachtet habe. Diese nächtliche Tätigkeit soll dreißig Jahre gedauert haben, weshalb man annahm, Endymion habe dauernd geschlafen.

Für den englischen Philosophen FRANCIS BACON (1561 bis 1626) steht Endymion für einen zwar nicht sehr scharfsinnigen, dafür aber geduldigen und gehorsamen Diener eines Fürsten, der zum Lohne dafür, daß er sich nicht ungefragt in dessen Regierung mische, mit Wohlstand versorgt werde Die Weisheit der Alten, 1991, S. 31).

Nach anderer Deutung wurde Endymion — der verführte Mond-Mann — als König von Elis nach Ende seiner Amtszeit geopfert, wie es damals üblich gewesen sei. Danach sei ihm in Olympia eine Weihestätte gewidmet worden. Das sei mit dem Kuß gemeint, den die Selene ihm nächtens gegeben hatte (WALKER, S. 217, n. GRAVES, Griechische Mythologie, 1991, 64.1).

Die nächtlichen Besuche des Mondes werden auch als nächtlicher Tau gedeutet, der gemeinhin den Hirten erfreut, läßt er doch frisches Grün für dessen Herde gedeihen.

 

Soweit nicht gesondert zitiert folgt der Text dem Gründl. mythol. Lexikon von B. HEDERICH, Sp. 995-999.