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   Griechische Mythologie - Schauplätze
 

Kastalia, kastalische Quelle

(lat. Castalia, Castalia Fons) Eine für griechische Verhältnisse sehr ergiebige Quelle am Parnassos bei der Orakelstätte Delphoi, die sie mit ihrem Wasser versorgte und noch heute versorgt. Es hieß, das Wasser der Quelle Kastalia sei von besonderem Wohlgeschmack. Von hier holte man das Wasser zur Reinigung des Tempels und auch zur Reinigung der Besucher des Orakels.

Das Wasser für die Quelle Kastalia soll vom Fluß Kephisos kommen. Die Lilaier sollen an bestimmten Tagen Kuchen und andere Gegenstände in die Quelle des Kephisos geworfen haben, welche in der Kastalia wieder zum Vorschein gekommen seien. (PAUSANIAS, Phokis, 8,10)

Im Altertum war die Quelle den Musen geheiligt, die danach auch Kastalides (dt. Kastalinnen) genannt wurden.
Einst soll hier eine bläuliche Schlange (Castalius Draco) gewohnt haben, ein Sohn des Mars (gr. Ares), der von dem Phönizier Kadmos getötet worden war. (OVID, Metamorphosen 3,28-98)

Ihren Namen soll die Quelle entweder nach Kastalia, der Tochter des Acheloos haben (PAUSANIAS, Phokis, 8,9) oder nach einer Nymphe namens Kastalia, welche vom Gott Apollon verfolgt wurde aber dann, als der sie fast erhascht hätte, zu dieser Quelle zerfloß oder aber sich in deren Wasser stürzte. Apollon gab der Quelle daraufhin die Kraft demjenigen die Fähigkeit zur Weissagung zu verleihen, der aus ihr trank.

Wieder andere sagten, die Quelle heiße nach Kastalius, einem Sohn des Apollon.

Es gibt auch eine etymologische Deutung des Namens Kastalia, dernach er vom phönizischen Wort Kastala komme, welches „Geräusch” bedeutet. Das soll darauf abstellen, daß das Wasser der Quelle geräuschvoll die Felsen herabstürze — was allerdings bei fast jeder Gebirgsquelle der Fall ist.

Quellen: Soweit nicht gesondert angegeben folgt die Darstellung HEDERICH, Spn. 645 u. 646 u. den Anmerkungen in Pausanias’ Beschreibung Griechenlands, S. 694