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   Griechische Mythologie - Schauplätze
 

Athen

(griech. Athenai) Die im südwestlichen Teil der attischen Ebene gelegene Hauptstadt des modernen Griechenland (seit 1830), die auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. In Athen wirkten viele der bedeutensten Denker des Abendlandes, deren Wirkung bis in die Gegenwart anhält.

Die alten Athener, ihre Stadtgöttin ist Pallas Athene, betrachteten sich als Ureinwohner, von denen aus Ionien kolonisiert worden sei.
Im „Perikleischen Zeitalter” antiker Zeit, etwa im fünften Jahrhundert v. Chr., hatte Athen rund 300.000 Einwohner — weit mehr, als das karge attische Umland hätte ernähren können. Die Nahrung mußte eingeführt werden, was aber kein Problem für die reiche Seehandelsstadt war. Was heute von der antiken Akropolis zu sehen ist, stammt überwiegend aus dieser Zeit nach dem zweiten Perserkrieg. Athen war aus diesem Ringen als Vormacht Griechenlands hervorgegangen.

Ausgrabungen ergaben, daß die Akropolis, die Stadtburg Athens und religiöses Zentrum, bereits aus mykenischer Zeit (1600-1200 v. Chr.) stamme und damals kulturelles Zentrum war. Auch ist der Überlieferung zu entnehmen, daß Athen sich durch die Zeit der Umwälzungen während der späten Bronzezeit (Sturm der Seevölker, ~1200 v.) ebenso behaupten konnte wie während des Eindringens der Dorier (~ 1100 v.). Ende des 2. Jt. v. war Athen zudem Ausgangspunkt der ionischen Siedlung.

 

Frühe Könige

Als erster König Athens gilt laut der Sage der erdgeborene Kekrops, der die Verehrung des Zeus und der Athene eingeführt haben soll. Man sagt von ihm, er sei aus Ägypten gekommen und ein Mischwesen aus Mensch und Schlange gewesen. Er teilte das Land in zwölf Gemeinden ein, die Stadtburg nannte er Kekropia, woraus das spätere Athen hervorging.
Ihm folgte nach fünfzig Jahren der Herrschaft Kranaos, ein eingeborener Athener, der nach seiner frühverstorbenen Tochter Atthis das Land benannte. Nach neun Jahren gab Kranaos die Herrschaft an Amphiktyon ab (PAUSANIAS, Attika, 2).
Der galt als ein Sohn des Deukalion, der die Flut überlebt hatte. Amphiktyon, auf den die nach ihm benannte Ratsversammlung zurückging, wurde nach zwölf (oder zehn) Jahren von Erichthonios abgelöst.
Erichthonios war Sohn des Hephaistos und der Erde. Er soll in Athen die Panathenäen eingeführt haben und auf der Akropolis der Athene einen ersten Tempel errichtet haben, in dem er nach fünfzigjähriger Herrschaft begraben worden sein soll.

Danach wurde sein Sohn Pandion König, er soll die Würde für vierzig Jahre innegehabt haben. Seinerzeit gelangten die Kulte der Demeter und des Dionysos nach Attika. Mit Zeuxippe, der Schwester seiner Mutter, wurde Pandion Vater des Erechtheos, der ihm nach vierzig Jahren auf dem Thron folgte.
Der hatte einen Krieg gegen die Eleusiner zu bestehen, was gelang, indem Erechtheos seine Tochter opferte. Nachdem er fünfzig Jahre geherrscht hatte, soll er samt seiner Töchter unter die Götter versetzt worden sein, Priester versahen fortan in einem ihm geweihten Tempel in Athen ihren Dienst.

Nachfolger des Erechtheos wurde sein Sohn Kekrops II, dem Pandion II. folgte, des Vorgenannten Sohn und Kleinneffe des ersten Pandion. Er herrschte für 25 Jahre, ehe er von den Kindern Metions (ein Sohn des Erechtheos) aus Athen vertrieben wurde. Seine Söhne konnten aber die Stadt zurückgewinnen, sie teilten das Reich aber Aigeos hatte die Vormacht.
Mit ihm begann Athens Streit mit König Minos von Kreta, da Aigeos dessen Sohn hatte hinrichten lassen. Athen wurde den Kretern tributpflichtig, was der Held Theseus, Sohn des Aigeos, beenden konnte und selbst König von Athen wurde, nachdem sein Vater sich in das deshalb nach ihm benannte Meer gestürzt hatte. Theseus wurde Nachfolger seines Vaters, seine unumschränkte Herrschaft mißfiel allerdings dem Stadtadel und Theseus wurde nach der Insel Skyros vertrieben. Dennoch wurde er zum Nationalhelden der Athener und dieser Zeitgenosse des Herakles wurde als Heros kultisch verehrt.
In Athen hatte sich Menestheos zum König aufgeschwungen. Der zog mit nach Troja (HOMER, Illias 2.552) und verlor in diesem Krieg sein Leben, so daß die Kinder des Theseus den Thron ihres Vaters erwarben. Es wurde also Demophoon König von Athen, der 23 Jahre herrschte. Er war es, der der Familie des Herakles in Athen Asyl bot und dem Helden später gegen Eurystheos beistand.

Dann wurde der Messenenier Melanthos König. Der hatte sein Königreich an die Herakliden (Dorier) verloren, aber mit Hilfe des Dionysos die Herrschaft über Athen erworben, indem er den vorherigen König Thymoetes im Zweikampf gegen den Böotier Xanthos vertrat. Der Tat gedachte man in einem dem Dionysos Melanaegis geweihten Tempel, zudem wurde alljährlich ein Fest (Apaturien) veranstaltet. Nachfolger des Melanthos wurde dessen Sohn Kodros, der sich im Kampf gegen die (dorischen) Spartaner für Athen opferte. Nach dem Tod des Kodros wurde in Athen das Königtum abgeschafft — trotz des heldenmütigen Endes des letzten Monarchen.

Aus der als „finsteres Zeitalter” bezeichneten Zeitspanne (bis 8. Jh. v.) ist historisch kaum etwas gesichert.

 

Überlieferung seit dem 8. Jh.


 
Der Monarchie folgte die Herrschaft der Aristokratie. Dieser Stadtadel stellte fortan die wichtigsten Beamten (Archonten) des Stadtstaates, geriet aber in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts in Bedrängnis, als das soziale und wirtschaftliche Gefüge an Stabilität verlor. Kylon versuchte 632 einen Staatstreich, worauf Drakon mit seiner Gesetzgebung reagierte (624/620). Aber erst die Reformen des Solon, der 594 an die Spitze des Staates gelangte, konnte nachhaltige Verbesserungen bewirken. Seine Tätigkeit gilt heute als Wiege der Demokratie. Doch brachten auch Solons Gesetze keine völlige Befriedung. 545 schwang sich Peisistratos zum Tyrannen auf, konnte die Herrschaft auch seinem Sohn übertragen, der allerdings 510 von der Aristokratie gestürzt wurde, wobei denen Sparta behilflich war.
Der Tyrannis folgten die Bestrebungen des Kleisthenes, die demokratische Staatsform weiterentwickelt wiederherzustellen. Er führte ein System ein, demnach die Stadtbevölkerung in zehn Stämme eingeteilt wurde, worauf das politische System gründete, eine funktionierende Verwaltung begrenzte die Macht des Adels. Zur völligen Reife gelangte die athenische Demokratie durch die Reform des Ephialtes, der der Stadtversammlung (Ekklesia) in allen Fragen des Gemeinwesens die Entscheidung übertrug.

Nebst den politischen Fortschritten gelangen Athen militärische Erfolge gegen die Perser. Athen hatte den Aufstand der ionischen Griechen der kleinasiatischen Küste gegen das Perserreich unterstützt. Als daraufhin die Perser in Griechenland einmarschierten, nahm Athen an allen Schlachten Teil, die zur Nieederlage der Perser führten (Marathon, 490, Salamis, 490, Platai und Mykale, 479).
Hernach konnte die Seemacht Athen das eher dem Land zugewandte Sparta überflügeln und führte den Attischen oder Delischen Seebund an, der 478/477 gegen die Perser gegründet worden war. Deren Unternehmungen waren sehr erfolgreich, doch mißlang eine Landung auf Zypern und in Ägypten, wo man den Inaros gegen die Perser unterstützen wollte, aber eine ganze Armee einbüßte.
Die dauernden Kämpfe währten, bis 449 der athenische Staatsmann und Soldat Kallias mit Persien Frieden schloß.

Nun aber wurde den Mitgliedern des Attischen Seebundes deutlich, daß auch Athen ihnen keine Freiheit gewährte. Es machte Athen anstelle Delos zum Sitz des Bundes und zum Aufbewahrungsort des Bundesschatzes, aus Beiträgen wurden Tribute, Athen begann mit Gründung von Kleruchien, kleinen Kolonien, auf dem Boden der „Verbündeten”.
Dank des Wohlstandes konnte die Akropolis ausgebaut werden. Mit Unterstützung des Phidias konnte Perikles das Parthenon (447/446-438) und die Propyläen (437-432) errichten lassen. Daß dafür Bundesgelder verwendet wurden, verdroß die Bündnispartner erst recht.
Als Samos den Aufstand wagte, von Athen aber 440 belagert und besiegt worden war, entstand aus dem Attischen Seebund das Athenische Seereich. Das wandte sich auch dem Festland zu, was zu von Friedenszeiten unterbrochenen Kämpfen mit Sparta und zum Peleponnesischen Krieg führte, wodurch Athen vom Höhepunkt seiner Macht zur völlig geschlagenen Stadt abstürzte, die nun von der Tyrannis der dreißig Oligarchen regiert wurde.

Trotz aller Wirren war das „Perikleisches Zeitalter.” eine kulturelle Glanzzeit Athens, das Mittelpunkt kulturellen Lebens wurde. Aischylos, Sophokles, Euripides, Aristophanes, Thukydides, Sokrates, Phidias, Anaxagoras waren hier gebürtig oder nahmen hier Wohnung. Der Reisende Herodot erweiterte mit öffentlicher Vorlesung auf dem Marktplatz Agora das Weltbild der Athener (~445), Meton reformierte um 440 den Kalender.
Perikles sagte „Athen ist die Schule Griechenlands.”,

403 unternahm man einen erneuten Anlauf mit der Demokratie. Erneute Kriegszüge gegen Sparta — diesesmal mit Hilfe der Perser — und die Begründung eines zweiten Attischen Seebundes sollten neue Vormacht sichern, doch beendete der Makedonenkönig Philipp II. diese Entfaltung.
335 gründete Aristoteles seine eigene Schule in Athen, nachdem er zuvor 20 Jahre an der Akademie des Platon gelernt hatte und anschließend zum Lehrer des jungen Alexander, dem Sohn Philipp II., geworden war. Alexander unterstütze die Schule seines Lehrers nach Kräften, doch beschuldigte man den Gelehrten 323 v. der Gottlosigkeit asebeia, weshalb er außer Landes ging.
Unter Alexander und seinen Nachfolgern währte diese makedonische Herrschaft bis 229, dann wurde Athen zur unabhängigen Stadt unbedeutenden Ranges.
Als die Römer nach Griechenland vordrangen, stellte Athen sich 87 v. auf die Seite des Mithridates VI. und wurde infolgedessen vom Römer Sulla belagert und erobert.

In diesem Zeitalter des Hellenismus (von Alexander, seit 334 v., bis zum Ende des Ptolomäerreichs in Ägypten 30v.) verfiel Athen, sowohl in politischer, gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht. Einzig Menander, Epikur und der zugezogene Zenon gelten als große Geisteslichter dieser Zeit. Dennoch hallt(e) der Ruhm der Stadt nach und die Römer setzten die Bautradition Athens fort.

Wappen von Athen
Stadtgöttin Athene im Stadtwappen Athens.

 
Im Jahre 267 n. Chr erlitt Athen einen Einfall germanischer Heruler, doch waren die Verluste relativ glimpflich und die Stadt bestand weiter.

 

Feste

Am 28. Hakatombeion (Juli/August) feierte man die Panathenäen.

Die Dionysien zu Ehren des Dionysos feierten die Athener zu drei Gelegenheiten, jeweils in den Monaten Posideon, Lenäon und Elaphebolion. Der Dienst zu Ehren des Dionysos soll zur Zeit des Königs Pandion nach Attika gekommen sein, zur gleichen Zeit auch der der Athene.

Ein dreitägiges Fest in Athen waren die Apaturia, die aus gemeinsamen Gastmahlen am ersten, Opfern an den phratrischen Zeus und die Athene am zweiten und einem dritten Tag bestanden, an dem Knaben das erste Mal geschoren wurden und Mädchen in die öffentlichen Verzeichnisse eingetragen wurden.

Jährlich am 12. Gamelion (Januar/Februar) fanden etwa seit 422 v. in Athen die Lenaia/Lenäen statt, ein Fest, das aus Umzug und Sängerwettstreit bestand, bei denen in einem speziellen Bezirk zwischen dem Westabhang der Akropolis und dem Areopag Tragödien und Komödien aufgeführt wurden. Lenäus ist ein Beiname des Dionysos, und bedeutet Kelter (Weinpresse).

Die Athener feierten auch die dreitägigen Anthesteria, die in Manchem den römischen Saturnalien ähneln, denn auch hier wurden die Knechte von den Herren bedient. Am zweiten Festtag wurden traditionell die Lehrer ausbezahlt.

Bei den auch in Athen stattfindenden Ascolia opferte man Ziegenböcke. Aus den Häuten der Tiere fertigte man Weinschläuche, die man mit Öl bestrich und worauf die Burschen zu stehen versuchten. Wem es als ersten gelang, nicht von dem schlüpfrigen Podest zu rutschen, der gewann den Schlauch.

In der Akademie zu Athen stand ein Altar des Prometheus. Bei den Promethea, den Feiern zu seinen Ehren, wurden an diesem Altar Fackeln entzündet. Damit lief man um die Wette, achtsam, daß die Glut nicht erlösche - wie Prometheus selbst einst am Wagen des Helios die Glut beschaffte und damit rasch zu den Menschen lief. Ein weiteres Heiligtum teilte Prometheus mit dem Hephaistos. Ihnen beiden gemeinsam war die Nähe zum Feuer und die handwerkliche Geschicklichkeit, besonders in der Schmiedekunst.
Prometheus war dabei der ältere, Hephaistos der jüngere, ähnlich den Verhältnissen auf Lemnos und im Kabirion bei Theben (siehe Kabiren).
Beide wurden in Athen gemeinsam mit der Stadtgöttin Athene verehrt, der der gesamte Bezirk der Akademie geweiht war.

 

Vermischtes

Die Seemacht Athen hatte ein nicht immer spannungsfreies Verhältnis zum Meergott Poseidon. Der stritt dereinst um sie mit der Athene um die Herrschaft über Attika und man begann einen Wettkampf. Wer von beiden Gottheiten das Nützlichere hervorbringe, dem solle die Stadt angehören. Poseidon stieß seinen Dreizack in die Erde und brachte eine salzene Quelle hervor (nach anderen ein Pferd), Athene einen Ölbaum. Die Jury der olympischen Götter entschied zugunsten der Athene, woraufhin der wütende Poseidon ganz Attika eine Überschwemmung sandte.
An der Stelle jenes Brunnens und Ölbaums errichtete man später das Erechtheion, ein ionischer Tempel auf der Akropolis Athens.

 

Nach dem Atlantis-Bericht des Platon widerstand Athen als einziger Staat dem Kriegszug der Atlanter (Timaios 25 c).

Aus der Zeit dieses mutmaßlichen Angriffs stammt die älteste Mauer („Pelasgermauer”) der Akropolis von Athen, deren gewaltige Felsblöcke nach Art der Kyklopenmauern von Mykene aus ebenjener Zeit ausgeführt sind (n. SPANUTH, 19).