| Griechische Mythologie - Schauplätze | ||
Eine zu den Südlichen Sporaden gehörende griechische Insel, dabei eine ihrer nördlichsten und — nach Rhodos — mit 852 qkm die zweitgrößte. Im Norden erhebt sich die gebirgige Insel mit Gipfeln bis zu 1297 Meter Höhe, die mit fruchtbaren Tälern wechseln. Der Hauptort heißt wie die Insel selbst Chios.
Einst war Chios reich bewaldet, doch sorgten Schiffbau, Ziegenhaltung und Brände für einen Rückgang der Bestände auf einige Kiefernwälder.
In sehr früher Zeit soll Chios zudem von zahlreichen wilden Tieren bevölkert gewesen sein. Diese habe der Jäger Orion allesamt erlegt, um auf diese Weise die Merope, die Tochter seines Stiefvaters Oinopion, für sich zu gewinnen. Der habe ihn aber betrogen, woraufhin Orion betrunken in Meropes Kammer eindrang und sie vergewaltigte. Zur Strafe dafür wurde Orion von Oinopion geblendet. Nach anderen Erzählungen war Merope die Frau des Oinopion. Weil Orion sich an ihr vergriff, machte Oinopion Orion betrunken und blendete ihn. (KERÉNYI, 160)
Einst wurden auf Chios Menschen zu Ehren des Dionysos Omadios zerrissen und gegessen.
Chios ist eine der Orte, die für sich in Anspruch nehmen, Heimat des Sängers HOMER zu sein. Bei Vrontados nördlich von Chios-Stadt (Chora) liegt der Daskalopetra (Fels des Lehrers). Hier soll der Sänger gesprochen haben, der im Dorf Pitios zur Welt gekommen sei.
Das Kloster von Nea Moni soll am Ort einer Marienerscheinung gegründet worden sein. Der heutige Bau stammt aus dem 11. Jahrhundert.
Oberhalb des Ortes Avgonima führt eine Straße nach Anatavos. Die Bewohner des verlassenen Dorfes stürzten sich 1822 beim Kampf gegen die Türken in aussichtsloser Lage von den Felsen, ihre Geister sollen seither im Ort umgehen.
Der klimatisch besonders geeignete Süden wird zum Anbau des Mastix-Baumes (Pistacia lentiscus) genutzt. Von ihm wird ein Harz gewonnen, das als altbekanntes Heilmittel (Adstringens) und zur Gummigewinnung genutzt wird.
Aus Chios stammt das berühmte antike Viergespann, das heute in der Kirche San Marco in Venedig steht. Die bronzenen Pferde brachte Kaiser Theodosius Ende des vierten Jahrhunderts von Chios nach Konstantinopel, 1204 wurden sie von Venedig geraubt.