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   Griechische Mythologie - Schauplätze
 

Ephesos

(lat. Ephesus) Eine antike Hafenstadt an der kleinasiatischen Küste; heute Türkei. Ruinen befinden sich nahe dem Dorf Selçuk (nach den Selçuken; anderer Name Ajasoluk, von gr. Hagios Theologos, was den Evangelisten Johannes meint), am Fuß des Hügels Bübül Dag („Nachtigallenberg”, 200 m).

Ursprünglich war Ephesos eine uralte karische, dann ionische Stadt an der Westküste Kleinasiens, die infolge ihrer günstigen Lage rasch aufblühte. Ihr mythischer Gründer war Androklos, der Kolonisten von Argos und Athen hierher führte. Auch den Amazonen wird die Gründung zugeschrieben oder auch einem Sohn des Kaystros, der hier - mit dem Kresus - den ersten Tempel der Artemis (Ephesia) errichtet haben soll und selbst Ephesos hieß, somit Namensgeber der Stadt wurde (nach PAUSANIAS, Achaic. c. 2. p.399, zit. n. HEDERICH, Grndl. mythol. Lex. (1996), Sp.1392).

Griechen sollen hier schon im zehnten Jahrhundert gelebt haben. Sie setzten den dort schon bestehenden Kult der asiatischen Astarte fort, die sie mit ihrer Artemis gleichsetzten.

Im 6. Jh. v. eroberte der lydische König Kroisos die Stadt, wo er sich am Bau des Artemis-Tempels beteiligte. Das darin befindliche Standbild soll ganz der „vom Himmel herabgekommenen Göttin” entsprochen haben: Wie es heißt, war es aus einem Meteoriten gefertigt. Dieser Tempel brannte 356 v. ab (durch Brandstiftung des Herostratos) und wurde nach seinem Wiederaufbau eines der sieben antiken Weltwunder, das bis 263 n. Bestand hatte.

Die Herrschaft über Ephesos wechselte zwischen Persern und Griechen, die Stadt wurde auch dem Alexanderreich einverleibt und war seit 133 v. Residenzstadt der römischen Provinz Asia. 263 n. wurde Ephesus von den germanischen Goten geplündert.

Zu dem Zeitpunkt war es mit dem Glanz der Stadt bereits vorbei. Die politischen Voraussetzungen der ehemals selbständigen griechischen Polis war mit den Römern dahin, dann entfiel der geographische Vorteil einer Stadt mit Hafen am Ausgangspunkt einer Landstraße nach den Ländern im Osten. Der Hafen wurde unschiffbar und allmählich zogen die Einwohner fort, die Stadt verfiel und versandete.

 

Ephesos liegt am Fluß Kaystrios, an diesem eine Wiese, deren Name bei HOMER Asia ist — von dieser Wiese hat Asien, der größte Kontinent der Erde, seinen Namen.

Während vom Artemision nur wenige Trümmer erhalten sind, ist das antike Theater einigermaßen erhalten. Noch heute lassen sich die 66 Stufen des Rundbaus benutzen.

 

Weil Paulus mit seiner Ablehnung des Artemis-Kultes dem Demetrios das Geschäft mit silbernen Modellen des Artemisions zu verderben drohte, beredete er die Kunstschmiede von Ephesos nach Angaben der Apostelgeschichte (die Artemis nach ihrem römischen Namen Diana nennt) zum Aufruhr gegen Paulus. Der „Aufruhr des Demetrios” wurde jedoch von der Obrigkeit beschwichtigt (Apg. 19,23-40)

Ephesos war auch der hauptsächliche Wirkungsort des Apostels und Evangelisten Johannes, der hier das Johannesevangelium niedergeschrieben haben soll.

Nach Ephesos geht eines der Sendschreiben des Johannes, der die Christen besonders vor den Nikolaiten warnt, es ist damit eine der sieben apokalytischen Gemeinden (Offenbarung 2.1-11).

Hier sollen sich die Gräber der Evangelisten Lukas und Johannes befinden. Über dem Grab des Johannes ließ Kaiser Justinian im sechsten Jahrhundert eine nur mehr als Ruine erhaltene Kirche errichten. Auch von der Grabeskirche des Lukas gibt es nur einige Reste.

In Ephesos soll die Gottesmutter Maria ihre letzten Lebensjahre verbracht und schließlich ihre irdische Hülle verlassen haben. Die Stätte ihres Wohnhauses heißt heute Panaja Kapöulü (gr. Panhagia, die Allerheiligste) und türk. Kapoulü, Stätte) und liegt auf dem Bergrücken Ala Dag (600 m).

In Ephesos verlegte im Jahre 110 der als Sklave geborene Onesimos erstmals die Briefe des Apostels Paulus.

Das Konzil von Ephesos entschied 431 über die Frage, ob die Maria nur Mutter der menschlichen oder auch der göttlichen Natur Jesu sei — die Gottesmutterschaft Marias wurde zum Dogma erklärt.

In und bei Ephesos spielt die christliche Legende von den Siebenschläfern, die sich vor Verfolgung in einer Höhle im Berg Celion bei Ephesos verbargen und erst Jahrhunderte später, 448, erwachten.

Die „Räubersynode” wurde 449 zu Ephesos abgehalten. So bezeichnete Papst Leo I. die Synode von Ephesos 449, welche den monophystisch denkenden Eutychus für rechtgläubig erklärt wurde und damit auch dessen Lehre für rechtens. Das Konzil von Chalkedon 451 verwarf die Beschlüsse dieser Synode, bei welcher die Parteigänger des Eustychus auch vor Gewaltanwendung nicht zurückschreckrten (daher „Räubersynode”)

 

Ein bekannter Sohn der Stadt ist Heraklit (Ende 6. Jh. v.), der als erster Große der griechischen Geisteswelt gilt. Ob auch Homer hier geboren ist, bleibt zweifelhaft, denn schon in der Antike stritten mehrere Städte um diese Ehre.