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   Griechische Mythologie - Schauplätze
 

Eridanus

Ein Fluß der antiken Sagenwelt und eigentlicher Name des Phaeton, dem Sohn des Sonnengottes Helios. Erst als der mit dem Sonnenwagen scheiterte und brennend herabstürzte, gab man ihm nach dem Licht seiner Glut den Namen Phaeton.

Phaeton stürzte in den riesigen Strom Eridanus, als er einmal den Wagen seines Vaters lenken durfte, dabei aber ins Schlingern gekommen war und die Sonne den Himmel und die Erde versengte. Den vom Blitz des Zeus noch qualmenden Leichnam des Phaeton bargen die Najaden des Westens und bestatteten ihn. (OVID, Metamorphosen II, 1-366)

Vor seinem Tod soll Eridanus noch Vater der Zeuxippe geworden sein.

Unklar ist, um welchen Fluß es sich bei diesem Eridanus handelt, soweit die Sage überhaupt auf einem historischen und lokalisierbaren Ereignis fußt (VIRGIL nannte ihn einen Fluß der Unterwelt, Aneis VI,659, zit. n. HEDERICH, , 1996Gründl. mythol. Lex., Sp. 1034).

Vorgeschlagen wurde der Po, ein Fluß im Norden Italiens: „Für den Fluß Eridanus, in welchen Phaeton gestürzet seyn soll, hält man insgesamt den Po, der auch von einigen ausdrücklich deswegen angegeben wird.” (Hyginus Fab. 154 & Muncker ad. il., zit. n. HEDERICH, 1996, Sp. 1965)
Der Po fließt allerdings nicht in ein Nordmeer und ist auch nicht für besondere Vorkommen des Bernsteins bekannt.

„Indessen reden doch einige von einem celtischen Eridanus, der von dem andern unterschieden ist, und ihn aufgenommen haben soll.” (Schol. APOLLONIUS, IV. 596 u. PAUSANIAS Attica, 3*, zit. n. HEDERICH, 1996, Sp. 1965)
*Die entspr. Stelle ist in einer neueren Ausgabe als Textlücke gekennzeichnet.

„Man hat ihn [den Eridanus] also in denjenigen Gegenden gesuchet, wo der Bernstein gefunden wird, weil doch solcher von den Thränen seiner Schwestern [d. Heliaden] entstanden sein soll. Hier hat man ihn in dem kleinen Flusse Radaune bey Danzig angetroffen, welcher in die Weichsel fällt.” (BOCHART, Hierozoic. l. VI., zit. n. HEDERICH, 1996, Sp. 1965) Aus Radaune soll dann durch Druckfehler der sonst unbekannte Reidan geworden sein.

Viel besser paßt (nach J. SPANUTH) aber die Eider, ein Fluß in Schleswig-Holstein im Norden Deutschlands. Die Eider mündet in die Nordsee, an der gesamten Westküste Schleswig-Holsteins kommt der Bernstein recht häufig vor und früher, als die Küstenlinie weiter westlich lag, hatte die Eider mit Elbe und Weser eine gemeinsame Mündung von gewaltigem Ausmaß, die der antiken Schilderung eines größeren Gewässers näher kommt, als die übrigen Vorschläge (Die Atlanter, 1998, 339ff.).

Der These, der Eridanus sei der Eider gleichzusetzen, schließt sich auch der Frankfurter Geograph Kai Helge Wirth an. Er machte die Entdeckung, daß sich viele Sternbilder in die kartographische Darstellung der Erdoberfläche einpassen lassen und erkannte im Sternbild Eridanus den Verlauf der Eider wieder (Der Ursprung der Sternzeichen, 2000).

 

Als ein Sternbild aus vierzehn Sternen wurde der Eridanus an den südlichen Himmel versetzt, weshalb es im Norden nur teilweise sichtbar ist. Dabei bleibt nach HEDERICH unklar, warum ausgerechnet dem Po solche Ehre zuteil wurde, passe doch der Nil in Größe und Bedeutung viel besser. (Gründl. mythol. Lex., Sp. 1034f.)