| Griechische Mythologie - Schauplätze u. Völker | ||
(gr. Iones; fälschl. Ionier) Einer der griechischen Hauptstämme und mit den Achaiern die ältesten griechischen Bewohner Griechenlands. Im Zuge der dorischen Wanderung mußten die Ioner den Doriern weichen und siedelten fortan hauptsächlich auf den Inseln und an der mittleren kleinasiatischen Westküste, auf dem griechischen Festland behaupteten sie sich in Attika und Euboia. Gerühmt werden die Ioner besonders wegen ihrer Kunstsinnigkeit und geistiger Leistungen, die sie zu den hauptsächlichen Schöpfern griechischen Wesens werden ließen.
Als Stammutter der Ioner gilt die Io, jene, welche Zeus in eine Kuh verwandelt hatte und die in älterer Zeit eine Muttergöttin gewesen sein soll.
HESIOD nennt Ion den Stammvater der Ioner. Dieser Sohn der Kreusa und des Xuthus oder des Apollo war in Delphi ein Diener des Apollo, der nach dem Tod seines Großvaters Erechteos König von Athen wurde. Er hatte vier Söhne, die Stammvater der vier ionischen Stämme wurden: Aigikoreis, Argadeis, Hopletes und Gelontes.
Unter dem Druck der Dorier mußten die Ionier im 12. Jh. v. die Halbinsel Peloponnes räumen und siedelten in Attika, auf den ägäischen Inseln sowie an der kleinasiatischen Küste (Ionische Wanderung). Diesen ionisch besiedelten Landstrich zwischen Aeolis und Karien nannte man nach diesen Einwanderern Ionien. Die Gegend erwies sich für die Entwicklung der Ionier als ausgesprochen günstig, begannen hier doch die wichtigen Handelsstraßen nach dem Orient. Der dadurch bedingte kulturelle Austausch führte zur Übernahme orientalischen Wissens und belebte Technik und Wirtschaftswesen (Maße und Gewichte, Geometrie, Kalender, Sternenkunde, Schrift, Münzwesen) und ließ die Ionier zum geistigen Impulsgeber des übrigen Griechenland werden. Von ihnen stammen die bedeutensten Errungenschaften der griechischen Kultur (frühe Dichter HOMER, ARCHILOCHOS) und sie trieben die archaische Kolonisation (Apoikia) voran, so daß später die im Osten auf sie treffenden Völker die Griechen insgesamt Ionier (Iawani) nannten. Auch eine Stelle im Alten Testament der Bibel soll mit Javan Griechenland meinen (Ezechiel 27.13).
Zu den von Ioniern besiedelten Inseln und Städten gehörten Delos, Milet, Ephesos, Smyrna, Phokaia, Chios und Samos. Athen behauptete, Mutterstadt aller dieser Siedlungen gewesen zu sein und begründete damit seine hervorgehobene Stellung unter den ionischen Städten.
Die Ioner führten auf der Insel Delos gemeinsame Festspiele durch.
Der Perserkönig Dareios herrschte über Ionien, ehe im 5. Jahrhundert v. Athen zur Vormacht aufstieg.
Nichts mit den Ionern zu tun haben die Namen Ionische Inseln und Ionisches Meer. Die Herkunft dieser Namen ist ungeklärt und bezieht sich vielleicht auf die blaue Farbe des Meeres.