| Griechische Mythologie - Schauplätze | ||
Etwas östlich der heutigen Stadt Lewadia in Böotien liegt am ehemaligen Kopais-See der antike Ort Orchomenos, einst eine Siedlung der Minyer, wie HOMER es im Schiffskatalog der Illias anführt (2.511f.). Hier gemachte Funde reichen bis in die Steinzeit zurück.
Der Sage nach heißt die Stadt nach Orchomenos, dem Sohn des Minyas (PAUSANIAS, Böotien, 36). Weil Orchomenos ohne Kinder gestorben war, wurde Klymenos zweiter König von Orchomenos (ebd.).
PAUSANIAS nennt als Heiligtümer von Orchomenos (u. A.) als ältestes das der Chariten und einen Tempel des Dionysos (ebd.). Ein Schatzhaus des Minyas genannter Bau, 1881 von Schliemann entdeckt, ähnelt in seiner Anlage als Kuppelbau mit vierzehn Metern Durchmesser den Funden aus Mykene. PAUSANIAS bezeichnet ihn als einen Wunderbau, der keinem anderen nachstehe. In ihm befänden sich die Gebeine des Minyas und des Hesiod.
Die Überreste des Hesiod sind laut PAUSANIAS auf Anraten des Orakels nach Orchomenos gekommen. Dort habe eine Seuche gewütet und auf Befragung des Gottes habe die Pythia geraten, man solle die Gebeine des Hesiod aus dem naupaktischen Land nach Orchomenos bringen, ein Krähe solle ihnen dessen Grab zeigen. So begab man sich ins naupaktische Land, wo tatsächlich eine Krähe den Weg zum Grab des Hesiod wies.
Ein weiteres Mal befragten, wieder nach PAUSANIAS, die Orchomenier das Orakel, als ein Gespenst das Land verunsicherte. Man solle, so die Antwort, die Überreste des Aktaion in der Erde verbergen, zudem ein bronzenes Abbild des Gespenstes fertigen und das mit Eisen an einen Stein schmieden. PAUSANIAS schreibt, er habe diese Statue noch selbst gesehen, alljährlich werde dem Aktaion dort geopfert.
Noch weitere hier entdeckte Ruinen (Stadtmauer, Befestigungen der Akropolis) weisen auf diese Epoche und zeugen von der ehemals erheblichen Bedeutung des Ortes.
Orchomenos war in historischer Zeit Mitglied der Amphiktyonie von Kalaureias, seit dem 5. Jh. Mitglied im böotischen Bund. Allerdings litt Orchomenos bald unter dem aufblühenden Theben, trat darum an die Seite Spartas, wurde aber 394 auf Betreiben Thebens vom böotischen Bund zerstört.
Zwar baute man Orchomenos wieder auf, doch konnte die Stadt nicht mehr an die alte Herrlichkeit anknüpfen.
86 v. war Orchomenos Schauplatz einer der beiden Schlachten des Römers Sulla gegen Mithridates VI.
Über der Stelle des ehemaligen Tempels der Chariten erhebt sich neben einem ehemaligen Kloster seit 873/74 eine der Gottesmutter und den Aposteln Petrus und Paulus geweihte byzantinische Kirche, die als kunstgerschichtlich besonders wichtig gilt.
Auch in Arkadien und in Achaia Phtiotis gibt es Orte namens Orchomenos.