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   Griechen / Römer - Schauplätze
 

Poseidonia, Paestum

Ein antiker Ort an der Küste von Lukanien (heute Campanien, Italien), an der südlichen Küste des Golfs von Salerno. Das moderne Paestum gehört zu Italien und hatte 1990 860 Einwohner, in der Vergangenheit war es zeitweilig von einiger Bedeutung.

 

Siedler aus Achaia und Troizen hatten um 720 v. Z. am westlichen Ufer des Golf von Tarent die Kolonie Sybaris gegründet. Sybaris gedieh und wurde sebst zur Metropolis, als Griechen aus Sybaris etwas weiter nördlich, an der westlichen Seite des „Stiefels”, eine Stadt gründeten, die sie nach Poseidon, dem olympischen Herrscher der Meere, Poseidonia nannten. Auch dieser Ort entwickelte sich gut, doch geriet er im frühen vierten Jahrhundert unter die Herrschaft der Lukaner, einem der samnitischen Stämme der Appeninenhalbinsel. 273 v. hatten die Römer ihre Herrschaft so weit ausgedehnt, daß sie an diesem Ort zur Befestigung ihrer Eroberungen im Umland Roms eine römische Kolonie gründeten, die bei ihnen Paestum hieß und, als Nutznießerin Roms, im Krieg gegen Karthago fest an Seiten der Römer blieb. In der Kaiserzeit wurde Paestum zu einer bevorzugten Residenzstadt der römischen Oberschicht und zum wohlhabenden municipium.
Im neunten Jahrhundert n. Z. verheerten Araber den Ort, welcher völlig verödete und in Vergessenheit geriet. Erst Mitte des 18. Jh. wurden die antiken Ruinen entdeckt.

Diese bestehen aus einer aus dem 6. Jh. v. stammenden, knapp vier Kilometer lange Stadtmauer mit vier Toren, besonders aber einem „Basilika” genannten dorischen Tempel der Hera und einem der Athene, später der Ceres geweihten Tempel aus ähnlicher Zeit. Beide Anlagen weisen auch Züge ionischen Stils auf. Jünger ist ein als Poseidontempel bezeichneter, vermutlich aber auch der Hera geweihter Tempel, der um 460 v. errichtet wurde.
Die archäologischen Befunde ergaben eine Stadtanlage mit rechtwinklig sich kreuzenden Straßen mit großen Häuserblocks und mit einer Freifläche, um welche öffentliche Gebaude gruppiert wahren, dazu Fundamente weiterer Tempel, eines Amphitheaters und — außerhalb der Stadt — Grabanlagen, von denen die ältesten aus der Bronzezeit stammen, die jüngeren aus griechischer und lukanischer Zeit mit Wandmalereien verziert sind.

Außerhalb des Ortes, an der Mündung des Flusses Silaris (ital. Sele), wurde im ausgehenden sechsten Jahrhundert ein weiterer Tempel der Hera errichtet. Von diesem Bau sind einige Metopen erhalten.
Diese sind mit Heldentaten des Herakles geschmückt, was KERÉNYI dahingehend deutete, daß die Hera, sonst geschildert als erbitterte Gegnerin des Heros’, an ihm auch habe Gefallen finden müssen. (Mythol. d. Griechen II, 109, 159)
Darstellungen zeigen hier, wie Hera von phallischen Wesen angegriffen wird, den Silenen. (Mythol. d. Griechen I, 127)

Paestum mit seinem beeindruckendem Ruinenfeld ist heute besuchtes Ziel des Bildungstourismus, auch wenn der Italienreisende Johann Seume 1802 in Anspielung auf die ehedem berühmten Rosengärten rund um die Tempelanlage klagte:

„Verwüstung herrscht jetzt um die Mauer,
Wo einst die Glücklichen gewohnt,
Und mit geheimem tiefen Schauer
Sah ich umher und sahe nichts verschont;
Und meine Freunde ward nun Trauer...
Nur hier und da im hohen Grase wallt,
Den Menschensinn noch greller anzustoßen,
Dumpf murmelnd eine Mönchsgestalt.
Freund, denke Dir die Seelenlosen,
In Paestum blühen keine Rosen!”
(zit. n.)

 

Die Sirenen der griechischen Mythologie sollen in den Küstengewässern vor Paestum Seeleute in den Tod gelockt haben, indem sie von einer Klippe aus ihren betörenden Gesang erschallen ließen. Der Vergleich mit den Angaben bei Homer läßt diese Behauptung jedoch abwegig erscheinen.