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 Griechische Mythologie
 
 

Helios

(griech. „Sonne”, „Osten”) Bei den Griechen der Sonnengott. Helios ist Sohn der Titanen Hyperion und Basiläa (oder Theia bzw. Thias), Bruder der Eos und der Selene und Enkel des Uranos. Allerdings gibt es noch andere Angaben seiner Herkunft, so soll er zum Beispiel Sohn des Zeus sein, üblicherweise gilt Helios aber als Titan.

Mit seiner Gattin Perseis ist „der unermüdliche” Helios Vater der Kirke und des Aietes (HESIOD, Theogonie, 955ff.), nach anderen der Pasiphaë, mit der Klymene Vater des Phaëthon. Pindar nennt als Frau des Helios die Nymphe Rhode (Olymp. 7.54ff.).
Eine Enkelin ist die Medea.

HOMER nennt überdies die Nymphen Lampetia („die Erhellende”) und Phaetusa („die Leuchtende”) als Kinder des Helios, die er mit der Neaira gezeugt hatte. (Odyssee, 12. 131-133)

Helios fährt mit einem vierspännigen Wagen während des Tages von Osten nach Westen über den Himmel. Ihm voraus eilt die Morgenröte Eos, ihm folgt die Selene. Bei Nacht kehrt er von Westen nach Osten in einer goldenen Schale durch den Okeanos zurück zum Ausgangspunkt, ehe er am kommenden Morgen seine Reise wiederholt. Die vier Pferde seines Gespannes heißen Pyrois, Eoos, Aithon und Phlegon (OVID Metamorphosen II,153) oder Erythraeus, Aktaeon, Lampus (glänzend) und Philogeus oder Aethon (brennend), Chronos, Astrape und Bronte oder Eos, Aethiops, Sterope und Bronte (nach HEDERICH, Sp. 2233).

Als Lichtgott heilt Helios Blinde, straft aber auch Frevler mit Blindheit. Alles sieht und hört er (HOMER, Ilias 3.277). So verriet Helios dem Hephaistos den Seitensprung der Aphrodite und der Demeter den Aufenthaltsort der Persephone. Dementsprechend war Helios auch Gott des Schwurs.

Auf der Insel Thrinakia lebten jeweils sieben Herden zu je fünfzig Rindern und Schafen, die von seinen Töchtern Lampetia und Phaetusa gehütet wurden, sich weder vermehrten noch verminderten und dem Gott geheiligt waren (Odyssee, 127-133). Als die Gefährten des Odysseus davon einige trotz Verbots schlachteten, fanden sie dafür den Tod, indem Helios sich wütend an den Zeus wandte, der ihr Schiff mit dem Donnerkeil zerschmetterte (Odyssee, 12.371-419). Die Zahl von dreihundertfünfzig Tieren entspricht der Zahl eines alten Mondjahres und unvollständigen Sonnenjahres. Darum „war natürlich, daß Helios, nachdem die Gefährten des Odysseus seine Rinder verzehrten, ihnen den Gegenwert der Rinder, die Tage, vor allem den Tag der Heimkunft, wegnahm.” (KERÉNYI, 153)

Der „Koloß von Rhodos”, ein riesiges Standbild des Helios, war eines der sieben Weltwunder. Die Insel Rhodos hatte Helios sich von Zeus erbeten, noch ehe diese aus dem Meer getaucht war und nach seiner Gattin Rhode benannt. Zu seinen Ehren wurden die Halieia begangen.
Sonst fand Helios in der griechischen Welt keine besondere Verehrung. Immerhin war er als Titan keiner der Olympioi.

Die Griechen erinnerte wohl der semitische Baal an ihren Sonnengott Helios. Das Kultzentrum des Baal, Baalbek im heutigen Libanon, nannten sie Heliopolis, „Sonnenstadt”.

Der Helios trägt, als Angehöriger dieses Geschlechts, gelegentlich den Beinamen Titan (HEDERICH, Sp. 2383).

Gemäß Auskunft des PLATON wurden Helios und Apollon gemeinsam verehrt und etwa ab dem fünften Jh. v. verschmolzen ihre Gestalten mehr und mehr. Helios findet seine Entsprechung im römischen Sol, der im dritten Jahrhundert n. als Sol invictus („unbesiegbare Sonne”) mit dem iranischen Mithras verschmolz und als Reichsgott Bedeutung erlangte.

Das Motiv einer als Himmelskörper um die Erde ziehenden Gruppe eng verwandter Götter ist recht verbreitet.
Die Germanen kannten eine Sonnengöttin Sol.

Wegen der Ähnlichkeit des Namens des Helios mit dem des biblischen Elias (Aussprache ilios bzw. ilias) mag die besondere Verehrung des Heiligen in christlicher Zeit ihren Hintergrund im unterschwelligen Weiterleben des alten Sonnengottes haben.