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| Griechen - Literatur | |
(gr. Ómiros) Die Lebensdaten dieses berühmtesten aller griechischen Dichter sind unsicher und waren schon in der Antike umstritten. So sei er Zeitgenosse des Trojanischen Krieges (~1300 v.) oder der ionischen Einwanderung (Ende 2. Jt. v.) gewesen oder er habe Mitte 9. Jahrundert, Ende 8. Jahrhundert gelebt. Seine Heimat war das ionische Kleinasien, sieben Städte beanspruchten von sich sein Geburtsort zu sein, darunter Chios und Smyrna (nach PINDAR).
Den Alten war er als Dichter der Epen Ilias und Odyssee der erste und eigentliche Gestalter des griechischen Menschentums und seiner Göttervorstellung. Er soll, wie große Seher eben sind, blind gewesen sein und von Ionien kommend Griechenland durchwandert haben. Er war vielleicht ein Barde, wie von ihm selbst in der Odyssee einer beschrieben wird.
Ob Homer die ihm zugeschriebenen großen Epen, deren Wurzel weit in das zweite Jahrtausend reicht, wirklich beide verfaßt hatte, bleibt literaturwissenschaftlich umstritten, man neigt aber heute überwiegend zu dieser Auffassung. Gestützt auf antike Nachrichten und frz. und ital. Vorgänger stellte 1795 F. A. Wolf die These auf, die beiden Epen seien das Werk einer ganzen Anzahl von Homeriden, den tatsächlichen oder geistigen Nachfahren des Homer, die als Gilde von Rhapsoden (Rezitatoren) von Chios aus wirkend, die Dichtung Homers weiter trugen.
Bereits im fünften Jahrhundert war bei den Alten auch umstritten, wer der ältere Dichter sei, Homer oder Hesiod.
Wichtige Übersetzungen sind die englische von Chapman, entstanden 1598 bis 1616 und in Deutschland die Übersetzungen von Bürger, Stolberg und besonders Johann Heinrich Voss, der 1781 die Übertragung der Odyssee, 1793 die der Illias abschloß. Die homerische Dichtung wirkte entscheiden auf die deutsche Klassik, voran Winckelmann und Goethe.
Beide Epen sind wohl im 8. Jahrhundert aus zahlreichen mündlichen Überlieferungen viel älterer Zeit komponiert worden. In der antiken Diskussion bereits umstritten, wurden sie bei Festspielen vorgetragen und Kindern zum Ausdwendiglernen aufgetragen, sie waren eine häufig genutzte Quelle der Argumentation, auf die man sich ausgiebig berief.
Die in Hexametern verfaßte Heldendichtung Illias erzählt in 24 Gesängen den Trojanischen Krieg. Berichtet wird aus den zehnjährigen Kämpfen der Griechen (Achaier, Danaer) vor Troja (Ilion) ein Ausschnitt von vier Tagen gegen Ende des Krieges. Aus Zorn über die Entführung seiner Dienerin durch Agamemnon zieht sich der gewaltigste der griechischen Helden, Achilles, vom Kampfe zurück. Erst als die Trojaner in ihr Lager eindringen, gestattet Achilles seinem Freunde Patroklos, seine Myrmidonen in den Kampf zu führen. Die Tötung des Patroklos durch Hektor führt zur Aussöhnung von Achilles und Agamemnon. Achilles stürmt in den Kampf, treibt die Trojaner zurück und tötet Hektor.
In diese eigentliche Handlung eingewoben sind Schilderungen der Götterwelt und ihrer Mythen, der Vorgeschichte des Krieges, den Kriegsvorbereitungen und den Heldentaten der mitfahrenden Griechen wie ihrer Trojanischen Gegner.
Ähnlich aufgebaut ist die Odyssee, welche die letzten Wochen der zehn Jahre dauernden Heimkehr des Odysseus beschreibt. In Erzählungen des Helden bei einem Festmahl werden breit die absonderlichen Taten des Odysseus und seiner Erfahrungen berichtet, vom Trojanischen Pferd bis zur Ankunft bei den Phäaken, wo er diese Geschichten zum Besten gibt, bis ihn Alkinoos in die Heimat schickt. Dort tötet er mit Hilfe seines Sohnes Telemachos die Freier, die sich um die Hand seiner Gattin Penelope bewerben und sein Gut verprassen.
Daneben wurden Homer noch die 23 erhaltenen Homerischen Hymnen zugeschrieben, doch sind diese Dichtungen in epischem Versmaß wohl Werke der oben genannten Homeriden oder anderen, von ihm unabhängigen Dichtern. Diese Homerischen Hymnen sind Bitt- und Lobgesänge an die Götter mit vielen mythologischen Angaben. Einige von ihnen sind die Hymnen an Demeter, Aphrodite, Hermes und Apollo, letzteres Werk soll von dem Homeriden Kynaithos sein.
Noch immer streiten Philologen über die Geschichtlichkeit des Homer. Manche halten ihn für den Verfasser beider Epen, andere sehen ihn als Urheber der Illias und schreiben die Odysse einem anderen Autoren zu, möglicherweise einem Schüler Homers, wieder andere meinen, zahlreiche Einzelsagen seien im Laufe der Zeit oder von mehreren Dichtern zum vorliegenden Gesamtwerk verwoben worden. Eine gewisse Einigkeit gibt es immerhin in Hinblick auf den zehnten Gesang der Illias: der sei nachträglich von unbekannter Hand eingefügt worden.
| Homer - Literaturhinweise |
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| Homer Illias. Odyssee. In der Übertragung von Johann Heinrich Voß. Insel, Frankfurt/M. 1990 |
Homers Odyssee. In der Übersetzung von Friedrich Georg Jünger. 1981 Klett-Cotta, Stuttgart |
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| Hörbuch: Homer Die Odyssee. 21 CDs, 1999 Patmos/Audios, Düsseldorf |
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| Über Homer |
| Nebel, Gerhard Homer 1959 Klett-Cotta, Stuttgart |
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| Homer und die Archäologie |
| Homers Werke regten die Phantasie vieler an. Berühmt ist der Erfolg Schliemanns, der überzeugt von der Richtigkeit der in der Illias angegeben historischen Begebenheiten war. Gestützt auf Ortsangaben das alten Textes gelang es ihm, Troja zu finden. |
| Luce, John V. Archäologie auf den Spuren Homers. 1995 Lübbe, Bergisch-Gladbach |
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