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| Griechische Mythologie | |
Eine Seherin, Tochter des Königs Priamos von Troja und der Hekuba, Schwester des Paris und des Hektor. Sie ist auch als Alexandra bekannt.
Ihre seherische Gabe hatte sie vom Gott Apollo. Kassandra und ihr Bruder Helenos schliefen in einem Apollonheiligtum. Heimlich kamen Schlangen und leckten die Ohren der schlafenden Kinder, die dadurch die Sehergabe erhielten. Kassandra wurde daraufhin Priesterin des Apollo, der ihr versprach, ihre Weisheit zu vertiefen, wenn sie ihm zu Willen sein werde. Kassandra ging zum Schein auf des Gottes Ansinnen ein, weigerte sich aber dann, mit ihm zu leben. Wenigstens einen Kuß konnte sich Apollo ausbitten, doch spuckte der Gott der Kassandra in den Mund — infolgedessen glaubte niemand ihre Sprüche.
Berühmt ist Kassandra als Seherin von Troja. Weil ihr niemand glaubte, warnte sie die Trojaner vergebens vor dem Trojanischen Pferd. Aber ihre siegestrunkenen Landsleute schenkten ihr kein Gehör und zogen das hölzerne Pferd in ihre Mauern. Zu ihrem Pech hatte die Kassandra aber die Wahrheit gesagt, und dem Bauch des Pferdes entstiegen die griechischen Krieger.
Als der Fall Trojas besiegelt war, versteckte sich Kassandra im Tempel der Athene. Dort aber entdeckte sie der marodierende Ajax, der sie mißhandelte und vergewaltigte.
Schließlich nahm Agamemnon sie mit sich, beide aber wurden von Klytaimnestra ermordet.
Nach Deutung des englischen Philosophen FRANCIS BACON (1561 bis 1626) tadelt diese Sage diejenigen, welche zur Unzeit ihre Weisheiten verbreiten, und seien diese noch so wahr. Kassandra weigerte sich, sich dem Apollo unterzuordnen, der Gott der Harmonie war. Darum vermochte sie nicht Zeit und Maß zu erkennen und man schenkte ihrer Rede kein Gehör (Die Weisheit der Alten, 1991, S. 14).