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 Griechische Mythologie
 
 

Kentauroi

(lat. Centauri; dt. Kentauren, Zentauren). In der griechischen Mythologie Mischwesen aus Mensch und Pferd: Sie haben Kopf, Oberkörper und Hände wie ein Mensch, Rumpf, Schweif und Beine wie ein Hengst. Manchmal sind die Vorderfüße menschlich, manchmal sind alle Füße die eines Pferdes. Der menschliche Kopf ist mal bärtig, mal bartlos, in manchen Fällen gehörnt wie ein Satyr.
Ein Paar Kentauren zieht den Wagen des Dionysos, der männliche trägt dabei eine Keule, die Kentaurin eine Leier.

Antikisierende Statue eines Kentauren mit Knüppel. Im Park Wilhelmshöhe, Kassel.
Antikisierende Statue eines Kentauren mit Knüppel. Die wie zum Ruf erhobene Hand führt in der warmen Jahreszeit eine Wasserfontäne. Im Park Wilhelmshöhe, Kassel.
 
Die Kentauren waren ein wilder Volksstamm, der in den Bergwäldern Thessaliens hauste. Ihr Name soll von „ich steche” und „Stier” (gr. tauros) hergeleitet sein. Dem Ixion sollen die Bewohner des Dorfes Nephele seine ausgerissenen und umherrasenden Rinder von Pferden aus mit Speeren erlegt haben haben, wofür man sie „Kentauren von Nephele” genannt; später seien diese übermütig geworden, hätten mit den Lapithen gestritten und sich in die Bergwelt zurückgezogen.

Oder ihr Name kommt von „ich steche” und „Wolke”, was sich darauf bezieht, daß sie als gelten als des Ixion und der Nephele Söhne, einem Trugbild der Hera. Ixion stach in diese Wolke, welche die Kentauren hervorbrachte:

„Als sich Ixion dereinst bei einem Gelage der Götter im Himmel besoffen hatte, so suchte er der Juno selbst zu nahe zu kommen, die aber auf Jupiters Rath einer Wolke ihre Gestalt gab, mit welcher dann Ixion einen Centaur, und dieser sodann wieder die anderen oder auch alsofort das ganze Gehecke zeugete.”
(HEDERICH, Sp. 655. Im Zitat sind die Götternamen latinisiert: Jupiter = Zeus, Juno = Hera.)

Das Wort Nephilim bezeichnete bei den Phöniziern berittene Straßenräuber (von naphal, „er überfällt”). Aus diesem Geschlecht soll die Gemahlin des Ixion gestammt haben, über sprachliche Mißverständnisse soll daraus gr. nephele, „Wolke”, geworden sein.

Es gibt noch andere Berichte über die Herkunft der Kentauren. So sollen sie dem Samen entsprungen sein, der dem Zeus abging, als der sich - vergebens - mit der Aphrodite zu paaren trachtete oder sie entstammten einer Verbindung zwischen Zeus und der Gattin des Ixion, Dia. Oder aber Ixion selbst hatte sich an den von ihn gehüteten Pferden zu schaffen gemacht. Noch anders gelten sie als Söhne der Najaden, die, weil ihre Mütter den kleinen Dionysos ernährt hatten von der Hera in Pferdemenschen verwandelt wurden.

Aufgezogen wurden die Kentauren auf dem Berg Pelion, wo die Nymphen sie nährten. Mit anderen Pferden zeugten die herangewachsenen weitere Nachkommen, die Hippokentauren genannt werden. Als der Kentaur Pholus vom Herakles aufgesucht wurde, öffnete er ein Faß Wein. Denn die Kentauren galten sie als eifrige Liebhaber dieses Trankes. Dem Herakles setzten sie, um in Genuß des Trunkes zu kommen, derart zu, daß der gegen sie kämpfte und etliche erlegte, doch kam ihnen die Nephele zu Hilfe, sandte Regen und machte den Boden schlüpfrig, daß die meisten doch entkamen.

Mit Ausnahme des Heilers und Musikers Chiron sowie des gastfreundlichen Pholos gelten die Kentauren als heimtückisches und gewalttätiges Volk. Zur Hochzeit des Peirithoos mit der Hippodamia waren sie geladen. Doch sie, die den Alkohol nicht gewohnt waren, versuchten im Suff die Braut zu entführen. Daraufhin begann der Kentaurenkampf, die Kentauromachie, zwischen Kentauren und Lapithai. Die meisten Kentauren wurden im Ergebnis vernichtet und leuchten seitdem als Sternbild Schütze am Nachthimmel.

Doch konnten sich einige retten und hernach kam es immer wieder zu Kämpfen zwischen Kentauren und Lapithen, ehe Herakles sie gänzlich aus Thessalien vertrieb. Sie flüchteten auf die Inseln der Sirenen, wo sie allmählich wegen Hungers ausstarben.

Das Bild des Kentauren soll eine Erinnerung an das erste Auftreten von Reiterstämmen im Mittelmeerraum sein, als solche Stämme aus den südasiatischen Steppen die Bewohner in Schrecken versetzten. Ähnlich sollen die berittenen weißen Eroberer von den Indianern Mittelamerikas anfangs als derartige Mischwesen gedeutet worden sein (BIEDERMANN, 233).

Der Kentaurus, der als Schütze zum Sternbild geworden ist, meint den Chiron.

Sammlung von Kentauren: Abas, Agrius, Amphion, Amydas, Amykus, Anchius, Antimachus, Aphareus, Aphidas, Arktus, Areos, Argeus, Asbolus, Astylus, Bianor, Bravenor, Bretus, Bromus, Chiron, Chromis, Chtonius, Clanis, Crenaeus, Criton, Cyllarus, Daphnis, Demoleon, Diktys, Dorpus, Dortlas, Dryalus, Dupo, Dynaeus, Emmachius, Enopion, Erygdupus, Eurynomus, Eurytion (4), Eurytus, Gryneus, Gryphaeus, Harmandio, Harpagus, Helimus, Helops, Hippasos, Hippe, Hippotion, Hylaeus, Hylonome, Imbreus, Iphinous, Isopleus, Latreus, Lykabas, Lycetus, Lycidas, Lykothas, Lykus, Medon, Melanchaetas, Melaneus, Mermerus, Mimas, Monychus, Nessus, Nykton, Odites, Oeklus, Oreus, Orneus, Paeantor, Perimedes, Petraeus, Phaekomes, Phlegraeus, Pholus, Phryxus, Pisenor, Polenor, Praxion, Pyrakmon, Pyretus, Ripheus, Rhoekus, Rhoetus, Stiphelus, Teleboas, Thaumas, Theramon, Thereus, Theroktonus, Thonius, Thurius, Triton

 

Quelle:
soweit nicht gesondert vermerkt n. HEDERICH, Gründl. mythol. Lex., bes. Sp. 655-661)

 

Zentauren nennt man auch Kleinplaneten aus dem Kuiper-Gürtel jenseits der äußeren Planeten dieses Sonnensystems. Manchmal geraten diese Himmelskörper mit ihren Umlaufbahnen in die Schwerkraftfelder der größeren Planeten und haben daher oft sehr exzentrische Bahnen um die Sonne. Beispiele für Zentauren genannte Kleinplaneten sind Chiron und Pholus. Auch einige der Monde von Jupiter und Saturn sollen ehedem solche Zentauren gewesen sein.